Luftfahrtindustrie

Weiter keine Zulassung für Boeing 737 Max - Europas Piloten warnen

Boeing muss auf einen Zeitplan für die Wiederzulassung seiner 737 Max warten. Bei einem internationalen Treffen zahlreicher Luftaufsichtsbehörden in Texas gab es vorerst keine Entscheidung. Europas Piloten warnen vor einer zu schnellen Entscheidung.

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Boeing muss auf einen Zeitplan für die Wiederzulassung seiner 737 Max warten. Ein Treffen von Vertretern der Luftaufsichtsbehörden zahlreicher Staaten in Texas ging ohne Entscheidung zu Ende. Wichtig sei allein, dass das Modell wieder sicher fliege, betonte der Chef der US-Luftfahrtbehörde FAA, Dan Elwell.

Boeing: Update schon fertig

Boeing hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, das Unternehmen habe das Softwareupdate für den Flugzeugtyp abgeschlossen. Laut FAA-Chef Elwell wurde die neue Software der Behörde jedoch bisher nicht vorgelegt, nachdem sie Nachfragen gestellt hatte.

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Insider: US-Behörde will die Maschinen schon Ende Juni wieder in der Luft sehen

Die US-Flugaufsicht FAA rechnet Insidern zufolge damit, dass das Flugverbot für Boeing-Maschinen des Typs 737 Max ab Ende Juni aufgehoben werden könnte. Diese Erwartung hätten FAA-Vertreter gegenüber der UN-Behörde für Zivile Luftfahrt (ICAO) geäußert, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Einen festen Zeitplan gebe es allerdings nicht.

Eindringliche Warnung der Piloten in Europa

Der europäische Pilotenverband ECA warnte vor einer voreiligen Zulassung. Für Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max war im März ein weltweites Flugverbot verhängt worden, nachdem innerhalb von fünf Monaten zwei Maschinen dieses Typs unter ähnlichen Umständen abgestürzt waren.

Der europäische Pilotenverband ECA erklärte, seine Mitglieder seien "zutiefst beunruhigt", dass sowohl die FAA als auch Boeing eine Wiederzulassung in Betracht zögen, ohne die vielen Fragen zu erörtern, die das Max-Modell aufwerfe. Der Skandal um die 737-Max-Maschinen habe das Vertrauen in die gesamte US-Flugsicherheit erschüttert. Der Verband vertritt mehr als 38.000 Piloten aus 36 Ländern.

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Zwei Abstürze: Der Rückblick

Bei den Unglücken im Oktober in Indonesien und im März in Äthiopien waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In beiden Fällen steht das speziell für die Boeing 737 Max entwickelte Stabilisierungssystem MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) im Verdacht, eine verheerende Rolle gespielt zu haben. Es drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern.

Treffen in Texas: Vertreter aus 33 Staaten

An dem Treffen in Fort Worth nahmen Vertreter der Luftaufsichtsbehörden von 33 Staaten teil, in denen die Boeing 737 Max bisher eingesetzt wurde. Elwell sprach anschließend von einer "ehrlichen Diskussion". Jedes Land werde selbstständig für sich entscheiden, ob und wann es den Flugzeugtyp wieder zulasse, fügte er hinzu.

Bisher waren die Aufsichtsbehörden meist dem Urteil der Behörde im Ursprungsland des Unternehmens gefolgt. Doch die FAA war wegen ihrer Praktiken bei der Zulassung von Flugzeugen in die Kritik geraten. Während des vergangenen Jahrzehnts ließ sie neue Flugzeuge großteils von externen Experten und den Herstellern selbst testen. (afp/reuters/apa/red)

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