Zulieferindustrie

Profitabel auf hohem Niveau

Die Perspektiven der Automobilzulieferer sind längst nicht so schlecht wie die jüngsten Schlagzeilen. Europa wird auch weiterhin zumindest durchschnittlich wachsen. Die Lieferanten verdienen gut. Und eine Expansion nach Asien ist für Unternehmen der zweiten und dritten Lieferantenebene gar kein Überlebenskriterium. Von Josef Ruhaltinger

"Für Anbieter unseres Zuschnitts eröffnen sich Chancen, wenn wir vor Ort sind.“
Thomas Bründl, Geschäftsführer Starlim-Sterner

Für Berater Rupert Petry sind die Gründe für das relative Wohlbefinden der heimischen Autozulieferer klar: „Die Stabilität der deutschen Autoindustrie stützt auch die österreichischen Zulieferer.“ Die Ausrichtung auf BMW, Audi und Mercedes und mit Abstrichen auf VW sowie deren globale Erfolge haben der österreichischen Autobranche über die Krise geholfen. Das potenzielle Klumpenrisiko, vor dem immer gewarnt wurde, hat sich als Segen erwiesen.

Düstere Klänge von Magna

Etwas düsterer sind die Klänge, die aus dem österreichischen Umfeld des Magna-Konzerns zu hören sind. Der Abzug der BMW-X3-Fertigung aus Graz mit 100.000 Stück pro Jahr konnte bis heute nicht kompensiert werden. Und mit dem Rückzug von Frank Stronach aus Oberwaltersdorf und der Einkehr an Österreichs Stammtischen fehlt die schützende Hand, die Magna-Chef Don Walker vor allzu harten Einschnitten in Graz abgehalten hat. Das Geraune, das Don Walker im Frühjahr in einem Interview mit der deutschen Wirtschaftswoche auslöste, hat bis heute nicht aufgehört: „Klar ist, wir müssen am Standort Graz effizienter werden. Österreich ist ein Hochlohnland.“ Unternehmen im Umfeld des Tier-1-Lieferanten Magna Steyr erwarten 2014 wichtige Entscheidungen.

Zulieferer verdienen gut

Dabei können sich die Zulieferer in den europäischen Hochlohnländern eigentlich nicht beschweren: Die globale Automobilzuliefererindustrie hat ihre durchschnittliche Profitabilität 2012 mit EBIT-Margen von 6,5 Prozent auf hohem Niveau halten können, heißt es in einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants. Dabei kommen das Wachstum im Premiumsegment und die starke Technologieorientierung den österreichischen Zulieferern entgegen. Während Antriebs- und Fahrwerksspezialisten mit EBIT-Margen von rund 7 Prozent weiterhin besonders profitabel sind, leiden Zulieferer mit Interieur-Schwerpunkt 2012 unter einem weiteren Rückgang. Ihre Margen sanken auf 4,4 Prozent. Mit Blick auf die regionalen Unterschiede ist es Zulieferern aus Europa und der NAFTA-Region gelungen, die hohe Profitabilität der beiden Vorjahre aufrechtzuerhalten. Die Lage in Asien präsentiert sich hingegen etwas uneinheitlicher: Japanische Zulieferer hielten mit einer durchschnittlichen EBIT-Marge von 5,3 Prozent nicht Schritt. Zulieferer aus China (8,8 %) und Korea (7,2 %) erzielten die höchsten Margen. Doch der deutliche Rückgang um jeweils ca. 3 Prozent gegenüber 2010 belegt, dass der Wettbewerb rauer wird.