Zulieferindustrie

Weiter auf Wachstums-Kurs

Die Perspektiven der Automobilzulieferer sind längst nicht so schlecht wie die jüngsten Schlagzeilen. Europa wird auch weiterhin zumindest durchschnittlich wachsen. Die Lieferanten verdienen gut. Und eine Expansion nach Asien ist für Unternehmen der zweiten und dritten Lieferantenebene gar kein Überlebenskriterium. Von Josef Ruhaltinger

„Ich weiß von niemandem, der derzeit mehr als üblich jammert.“
Rudolf Mark, Mark Metallwarenfabrik, Beiratssprecher im oberösterreichischen Automobilcluster

In Taicang geht es jetzt wieder auf die Wies’n. Im Oktober bleibt da keine andere Wahl. Die ostchinesische Industriestadt mit über 500.000 Einwohnern, nur 50 km landeinwärts vom 23-Millionen-Moloch Shanghai entfernt, ist so etwas wie ein zweites Mallorca: Es geht in der „Development Area“ ziemlich deutsch zu: Über 180 deutsche Unternehmen sind inzwischen dort ansässig: Taicang ist ein deutsches Gewerbegebiet mitten in China, eine kleine deutsche Musterstadt. Es gibt deutsche Restaurants, deutsches Weißbier und eben ein Oktoberfest. Die Straßen sind sauber, flache zweistöckige Wohnhäuser mit Holzfassaden erinnern an Fachwerksbauten und an den Hotelpools besetzen ausgelegte Handtücher die leeren Liegen.

Inmitten der deutsch-chinesischen Eintracht residiert an der Yangzhou Road ein Tochterunternehmen des Marchtrenker Silikonspezialisten Starlim-Sterner. Die Palette des Familienunternehmens reicht von Silikonkunststoffteilen für Autodichtungen über das mit Metallmolekülen beschichtete Audi-Lenkrad-Emblem bis zum superflachen Schnuller für den Baby-Spezialisten MAM.

Das 800-Mitarbeiter-Unternehmen unterhält seit 2011 ein kleines Vertriebsbüro für den chinesischen Markt. „Wir sind in Phase 1“, erklärt Geschäftsführer Thomas Bründl seinen China-Plan. Die Autoteile der Marchtrenker hätten „hohen Erklärungsbedarf“, außerdem würde „eine technische Betreuung vor Ort“ gebraucht, nennt Bründl die Gründe für den Einstieg 2011. Die Interessen der Oberösterreicher im Reich der Mitte sind stark mit den dortigen Wachstumspotenzialen verwoben: „Die Qualitätsansprüche der lokalen OEMs steigen. Für ausländische Anbieter unseres Zuschnitts eröffnen sich Chancen – aber nur, wenn wir vor Ort sind.“ Mit einem österreichischen und zwei chinesischen Mitarbeitern loten die Marchtrenker derzeit den Markt aus. Sie sind dabei, sich auf den Radar der in China produzierenden OEMs zu hieven.

Internationale Basis

In China pocht derzeit das Herz der globalen Autowirtschaft. In allen Prognosen und Analysen wächst der chinesische Automarkt überproportional: Der Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen soll sich zwischen 2012 und 2019 auf 27 Millionen Einheiten annähernd verdoppeln (PwC, „How to stay Number 1!“, 2013), was dem addierten Absatz von USA und EU sehr nahe kommt (31 Mio.). Der globale Trend gilt dabei aber nur teilweise für die regionalen Zulieferer, meint Rupert Petry, Berater bei Roland Berger und Mitautor der Zulieferstudie „Global Automotive Supplier Study 2013“: „Dem China-Hype der vergangenen Jahre folgt unter den Zulieferern derzeit eine Phase der nüchternen Bewertung.“ Für Tier-1-Lieferanten, die unmittelbar im Fokus der OEMs stehen, sei „eine Präsenz in China unverzichtbar“.