Atomkraft

Wegen Russland: Prag entlässt überraschend den AKW-Beauftragten

Die tschechische Regierung hat überraschend den Atombeauftragten des Landes entlassen. Er war gegen eine Beteiligung Russlands an der geplanten Ausschreibung für den Ausbau des AKW Dukovany.

Atomkraft Tschechien Dukovany Russland Atomkraft

 Die tschechische Regierung hat überraschend ihren Atombeauftragten entlassen. Das gab Industrieminister Karel Havlicek bekannt. Der Energieexperte Jaroslav Mil war seit Februar 2019 im Amt und sollte die Pläne des Landes für den Ausbau der Nuklearenergie koordinieren. Der EU-Mitgliedstaat will innerhalb von rund 15 Jahren für etwa sechs Milliarden Euro einen neuen Reaktorblock am AKW-Standort Dukovany in Südmähren bauen.

Der 62 Jahre alte Mil hatte sich vor kurzem öffentlich gegen eine Beteiligung Russlands an der geplanten Ausschreibung ausgesprochen, weil "ein großer Teil der politischen Szene dagegen" sei. Das Kabinett beschloss indes, Anbieter aus Russland, Frankreich, Südkorea und den USA direkt anzusprechen. Sie sollen einen "Sicherheitsfragebogen" ausfüllen und Einblick in die Auftragsdokumentation erhalten, noch bevor das Auswahlverfahren offiziell beginnt.

Russland sei für Tschechien "heute ein Schlüsselpartner im Energiebereich", betonte Vize-Premier Havlicek. Das AKW Dukovany liegt rund 100 Kilometer nördlich von Wien und 200 Kilometer östlich von Passau. Es hat derzeit eine Gesamtleistung von 2040 Megawatt und deckt damit rund ein Fünftel des tschechischen Stromverbrauchs ab. (dpa/apa/red)