Bauindustrie

Wegen Projekt in Wien: Steirischer Anlagenbauer SFL Technologies ist pleite

Weil ein Großprojekt in Wien ausgefallen ist, muss die auf Stahlbau und Anlagenbau spezialisierte Firma SFL Technologies Insolvenz anmelden. Bei dem betreffenden Projekt war offenbar die mit Milliardenbudgets operierende Immobilienfirma Signa beteiligt.

Der weststeirische Stahl-, Glas- und Anlagenbauer SFL Technologies GmbH in Stallhofen hat am Handelsgericht Graz einen Insolvenzantrag gestellt, wie die Kreditschützer AKV, Creditreform und KSV mitteilten.

Der Antrag lautet auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Betroffen sind 330 Gläubiger und 186 Arbeitnehmer. Die Überschuldung soll 83 Mio. Euro ausmachen.

Signa offenbar maßgeblich beteiligt

Grund ist laut Schuldnerangaben der Ausfall eines Wiener Großprojekts, bei dem die von Rene Benko geleitete milliardenschwere Signa-Gruppe unberechtigt vom Vertrag zurückgetreten sein soll. In diesem Zusammenhang soll bereits ein Gerichtsverfahren anhängig sein.

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Der Wegfall des Großvorhabens habe zu einer Liquiditätskrise geführt und auch die Finanzierung laufender beziehungsweise neuer Projekte erschwert, führt SFL als Insolvenzursache an.

Den Aktiva von rund 22,9 Mio. Euro stehen Passiva von rund 106 Mio. Euro gegenüber, woraus sich eine Überschuldung von rund 83 Mio. Euro ergibt. Das Unternehmen soll nach einer umfassenden Restrukturierung der gesamten Gruppe fortgeführt werden.

Ziel ist der rasche Abschluss des Sanierungsverfahrens, um sich wieder aktiv für neue Projekte bewerben zu können und damit einen Fortbetrieb zu gewährleisten. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren angeboten. Ob es zu Jobverlusten kommen könnte, war vorerst noch nicht abzusehen.

Die Insolvenz kommt für Beobachter überraschend, das Unternehmen galt als gesichert und liquide, es wurde laut KSV zwischen 2014 und 2016 eine Betriebsleistung zwischen 35 Mio. und 52 Mio. Euro erwirtschaftet. SFL hatte ein durchwegs positives EBITDA sowie eine Eigenkapitalquote von 27,2 Prozent.

SFL: Auftraggeber haben "unberechtigt den Vertragsrücktritt erklärt"

Das Geschäftsjahr 2017 stand im Zeichen des Großprojektes "Parkapartments am Belvedere" in Wien, heißt es im Insolvenzantrag. SFL sei von vier Projektgesellschaften aus der Signa-Gruppe mit der Errichtung von Alu-, Stahl- und Glasfassaden beauftragt worden. Das Projektvolumen habe rund 30 Mio. Euro betragen.

Im Mai des Jahres 2017 hätten die Auftraggeber mitgeteilt, dass die SFL in Verzug sei und für Arbeiten eine Nachfrist zur Erfüllung gesetzt, so der KSV. Die Auftraggeber hätten - aus Sicht der SFL - "letztlich unberechtigt den Vertragsrücktritt erklärt".

Die aus bereits erbrachten Leistungen resultierenden Werklohnansprüche in Höhe von rund 16,7 Mio. Euro wurden dem Antrag zufolge zwischenzeitig beim Handelsgericht Wien eingeklagt. Im November sollen in diesen Verfahren auch zwei Tagsatzungen stattfinden. Die Auswirkungen des Projektausfalles "Belvedere" seien für die SFL schlussendlich trotz intensiver Bemühungen nicht mehr zu kompensieren gewesen und hätten in einer Liquiditätskrise gemündet: Die Oktobergehälter der Mitarbeiter seien nicht ausbezahlt worden.

Betrieb soll fortgeführt werden

Das 2002 gegründete Unternehmen, die operative Hauptgesellschaft der SFL-Gruppe, soll nach einer Umstrukturierung fortgeführt werden, hieß es. Der Betrieb, der u.a. an der Errichtung der "Murinsel" in Graz im Zuge des Europäischen Kulturhauptstadtjahres 2003 sowie dem Allianz-Tower in Frankfurt am Main mitgearbeitet hat, verfolgt mit seinen technisch anspruchsvollen Produkten eine Großnischen-Politik. Die Gruppe hatte sich aus einem einfachen Schlosserbetrieb zu einem innovativen Industrieunternehmen entwickelt, welches u.a. Anlagenbau, Maschinenbau, Fassadenbau, Stahlbau, Lichttechnik, Energietechnik, E-Mobility und Glastechnik plant und ausführt. (APA/red)

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