Rohstoffe

Washington gegen Moskau: Europas Energiefirmen schlagen Alarm

Der Senat der USA will deutlich härtere Sanktionen gegen russische Exporte von Gas und Öl - die Maßnahmen würden auch Energiekonzerne in Deutschland und Österreich massiv treffen. Im Gegenzug wirbt OMV-Chef Seele um noch mehr Gasimporte aus Russland.

Energieunternehmen schlagen Alarm wegen möglicher Folgen der von den USA geplanten Russland-Sanktionen. "Sollten die Sanktionen tatsächlich so kommen, hätte das eklatante Auswirkungen auf die gesamte Öl- und Gasversorgung. Erfasst sind nach bisherigem Stand alle Pipelines, die Öl oder Gas aus Russland exportieren", so Matthias Warnig, Chef der Pipelineentwicklungsgesellschaft Nord Stream 2.

"Folgen reichen von China bis Westeuropa"

Die Folgen würden von China bis Westeuropa reichen, sagte er dem "Handelsblatt". Der Chef des österreichischen Energiekonzerns OMV, Rainer Seele, sagte der Zeitung, es sei im Interesse Europas, die Versorgungssicherheit eigenständig zu gewährleisten. Statt die Lieferungen aus Russland zu gefährden, müsse sogar mehr Gas aus Russland nach Europa kommen.

"Aus europäischer Sicht sind zusätzliche Erdgasmengen aus Russland notwendig, da die eigene Produktion deutlich zurückgeht", sagte Seele. Der OMV-Chef wirbt in diesem Zusammenhang für das Projekt Nord Stream 2, das die Kapazität der bestehenden Ostseepipeline verdoppeln soll. Das bringe zusätzliche Versorgungssicherheit und garantiere den europäischen Kunden attraktive Konditionen, sagte Seele. OMV ist an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligt. Mehr zur russlandlastigen Beteiligungsstrategie der OMV und Seeles "Petersburg-Connection" lesen Sie hier.

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Darum geht es: US-Senat beschließt noch härtere Sanktionen

Auslöser der Kritik sind laut "Handelsblatt" die kürzlich vom US-Senat beschlossenen Sanktionen gegen Russland. Demnach sollen sämtliche Unternehmen mit Sanktionen belegt werde, die dabei helfen, russische Gas- und Ölpipelines zu bauen, zu betreiben oder auch nur zu warten. Die Unternehmen sollten so gezwungen werden, ihre Russland-Aktivitäten einzustellen. Die Maßnahme treffe damit gleichzeitig Europa, weil sie die Versorgung mit russischem Gas und Öl empfindlich stören könnte. Das US-Repräsentantenhaus muss den Plänen noch zustimmen.

Im Juni hatten der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel und Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) die neuen US-Sanktionen gegen Russland kritisiert. "In bemerkenswerter Offenheit beschreibt der US-Gesetzentwurf, worum es eigentlich geht: um den Verkauf amerikanischen Flüssiggases und die Verdrängung russischer Erdgaslieferungen vom europäischen Markt", kritisierten die beiden Sozialdemokraten. Ziel sei es, Arbeitsplätze in der Erdgas- und Erdölindustrie der USA zu sichern. (reuters/apa/red)

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