Was macht eigentlich...? Martin Lenz

Der ehemalige Vorstand zahlreicher Industrie- und Handelsunternehmen wollte zuletzt die insolvente Quelle kaufen. Jetzt konzentriert er sich auf das Beteiligungsgeschäft.

„ Die Quelle hätte mich wirklich gereizt“, sagt Martin Lenz, Ex-Vorstand und Ex-Bieter für das in die Pleite geschlitterte Versandhaus in Österreich. Vor einigen Monaten hatte er dem Masseverwalter ein Fortführungskonzept für das Versandhaus vorgelegt, Mitte Februar machte er dann  - so seine Version - einen Rückzieher. „Ich musste erkennen, dass die Reaktivierungskosten für das Unternehmen in keinem Verhältnis zu den Umsatzerwartungen stehen und habe mein Angebot zurückgezogen.“ Andere sprechen von einer Niederlage im Kampf um die Übernahme.  In jedem Fall steht nun der neue Eigentümer des insolventen Versandhauses fest: Es ist der ehemalige Börsen-Profi Mike Lielacher, der das Unternehmen für kolportierte 35 Millionen Euro und mit einer prominenten Investorengruppe im Rücken kauft. „Man darf nicht zu viele Emotionen in so ein Projekt stecken“ , sagt Lenz und ist dabei ganz Profi.

Spot.
Doch der Ex-Manager war in seinem Leben nicht nur Quelle-Vorstand, sondern hatte auch zahlreiche Führungspositionen in der österreichischen Industrie und im Handel inne. Ab Anfang der 90er Jahre war er Vorstand von Wolfort, Quelle, Lenzing, Vogel & Noot, Swarco und  Rewe. Seine letzten Kurzzeit-Chef-Posten hatte er bei Neckermann in Frankfurt. „Ich war 30 Jahre angestellter Manager, das ist eine lange Zeit“ sagt Lenz, der sich heute nicht mehr vorstellen kann, einen Vorstandsposten anzunehmen. Gegen weitere Aufsichtsratsmandate hätte er hingegen nichts einzuwenden. Bis dato sitzt er in einem Kontrollgremium in Wien – und zwar bei der Spot AG. Dabei handelt sich um eine Gesellschaft, die sich an angeschlagenen Firmen aus den Bereichen Medien, Mode und IT beteiligt. Das Portfolio umfasste zeitweise mehr als eine handvoll Firmen, von denen aber die meisten in den vergangenen beiden Jahren veräußert wurden. Derzeit besitzt die Spot nur noch Anteile an einer Modekette und einem  Medien-Unternehmen. „Wir sind zunehmend als Berater tätig“, sagt Lenz. Schließlich hat sich das Unternehmen beachtliches Know-how zusammengesammelt. Mit Winfried Braumann, dem Ex-Chef der B&C-Holding sitzt beispielsweise ein Industrie-Experte im Aufsichtrat, mit Herbert Paierl ein ehemaliger Manager und Fast-Wirtschaftsminister.

ESC.
Nach dem Vorbild er Spot AG hat Lenz jetzt ein Unternehmen in der Schweiz aufgezogen. Dieses heißt ESC Capital Group, ist in Zug angesiedelt und soll sich auf den Handel konzentrieren. „Die ESC ist ein offenes Investitionsvehikel, wo man also keinen Exit planen muss“, erklärt Lenz. Derzeit schaut er sich nach interessanten Firmen um, schweigt aber, wenn es darum geht, potenzielle Übernahmekandidaten zu nennen. Unterstützt wird er dabei  von einem Kollegen aus seiner Neckermann-Zeit. In einer bewegten Karriere kommt man eben mit vielen hilfreichen Leuten zusammen.

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