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Was kostet die Cloud?

Macht der Einsatz von Cloud-Computing immer Sinn? Was ist bei der Entscheidung für die Cloud zu berücksichtigen? Und vor allem – rechnet sich das Ganze auch?

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Immer mehr Unternehmen überlegen, ob sie ihre IT in die Cloud verlegen sollen. Kein Wunder, denn Speicherplatz und Web-Applikationen oder ganze Teile der IT-Infrastruktur zu mieten und von überall aus zu verwalten, ist für CIO eine interessante Alternative zum Inhouse-Betrieb. Aber eine Investitionsentscheidung für ein Cloud Produkt gegen die unternehmenseigene IT-Landschaft zu fällen – ist nicht ganz so einfach, wie es klingt. Da sich die beiden Modelle stark unterscheiden, sollten für die Entscheidung, welches System besser für die Bedürfnisse eines Unternehmens geeignet ist, nicht nur die Kosten, sondern auch Qualität und Leistung analysiert werden.

Ganz vornan stehen meistens Gedanken zu den Kosten: Inhouse-Lösungen verursachen einmalige Anschaffungskosten, denn Unternehmen müssen in Infrastruktur und Software investieren. Zudem erfordern die Systeme zur Pflege und Überwachung den kontinuierlichen Einsatz von qualifiziertem Personal. Bei einer Cloud-Lösung hingegen verwandeln sich die fixen Kosten in variable Kosten. So treten an die Stelle einer langfristigen Kapitalbindung laufende Kosten, welche sich je nach Geschäftsverlauf anpassen lassen. Beispielsweise kann die Leistungsfähigkeit eines Onlineshop-Systems jederzeit automatisiert an die Kundennachfrage angepasst werden. Von Vorteil ist hier, dass die Kosten mit der Auslastung sowohl steigen als auch wieder sinken. Hinzu kommt, dass die üblicherweise alle drei bis fünf Jahre stattfindende Aktualisierung der Hardware entfällt.

Schneller, höher, weiter

Neben dem Kostenaspekt bieten Cloud-Lösungen vor allem mehr Flexibilität. Dauert bei konventionellen IT-Projekten die Beschaffung eines Servers oft mehrere Wochen, so lässt sich in der Cloud zusätzliche Serverleistung innerhalb von nur wenigen Stunden bereitstellen. Bei einem höheren Bedarf lässt sich die entsprechende Serverkapazität automatisiert zuschalten, sodass Unternehmen auf interne und externe Anforderungen viel schneller reagieren können. Und die Kosten entstehen nur während der Benutzung der IT-Ressourcen (Pay-per-Use-Modell). Die Flexibilität von Cloud-Lösungen basiert auf der Kombination aus Infrastruktur-Elastizität und Skalierbarkeit. Hinzu kommt die freie Skalierbarkeit, die in vertikalen und horizontalen Varianten verfügbar ist.

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Von vertikaler Skalierbarkeit spricht man, wenn Anwendungen, die mehr Kapazitäten benötigen, zu einer größeren virtuellen Maschine transferiert werden oder wenn eine virtuelle Maschine für die entsprechende Anwendung vergrößert wird. Von der vertikalen Skalierbarkeit kann grundsätzlich jede Anwendung profitieren, allerdings erfordert diese Vorgehensweise in der Regel einen Neustart der Applikation oder der VM.

Horizontale Skalierbarkeit bedeutet, dass mehr logische Einheiten verfügbar gemacht werden. Das geschieht zum Beispiel durch das Hinzufügen von weiteren VMs oder Containern. Im Gegensatz zur vertikalen Skalierung sind der horizontalen Skalierung keine hardwarebedingten Grenzen gesetzt. Die Effizienz der horizontalen Skalierbarkeit ist zudem stark von der implementierten Software abhängig. Nicht jede Software lässt sich gleich gut parallelisieren.

Nicht alles geht

Eine Anwendung kann von einer Cloud-Infrastruktur jedoch nur dann profitieren, wenn sie vollständig horizontal skalierbar ist. Es reicht nicht aus, lediglich eine bestehende Anwendung auf einer VM zu installieren. Das Anwendungsdesign und die Systemarchitektur müssen für den Cloud-Betrieb ausgelegt sein. Nur dann können sich Unternehmen den Effekt des „Pay per Use“ zunutze machen. Denn nur bei einer vollständigen dynamischen Skalierung, die ja durch das flexible Hinzufügen und wieder Entfernen von IT-Ressourcen entsteht, setzt der gewünschte Effekt ein. Die Inhouse-Betriebskosten lassen sich mit den laufenden Kosten des Cloud-Modells gut vergleichen. Hierfür bieten sich gängige Zeiträume von Abschreibungen und Lebenszeiten von IT-Systemen als Hilfsmittel an. Die Gesamtkosten über den vollständigen Lebenszyklus können für beide Modelle bestimmt werden. Ein Vergleich ist somit relativ einfach 
möglich.

Vergleich nach Total Cost of Ownership (TCO)

Ein Kostenvergleich geschieht üblicherweise mittels des Ansatzes Total Cost of Ownership (TCO). Anders als bei einem PC oder einem Verbraucherprodukt geschieht der Kostenvergleich hier nicht über das Preisschild. Für die Ermittlung von Vergleichswerten für IT-Infrastrukturen ist mehr als das erforderlich. Die Kosten für IT-Ressourcen untergliedern sich in „direkte Kosten“ (zum Beispiel Anschaffungskosten, Betriebskosten und Kosten für die Verwaltung) und „indirekte Kosten“ (zum Beispiel Entwicklungskosten, Trainingskosten und Kosten für entgangene Geschäftstätigkeiten).
Viele Cloud-Anbieter stellen für solche Analysen Rechenmodule zur Verfügung. Die Eingabemaske fragt ab, welche Services benötigt werden. Die Berechnung bezieht zudem die Laufzeit eines Projekts sowie den gewünschten Standort des Rechenzentrums mit ein. Microsoft bietet außerdem ein Tool an, das ein internes Netzwerk nach Servern scannt und diese Daten anschließend an den Rechner überträgt: das Microsoft Assessment and Planning Toolkit.

Sicherlich sind die Ergebnisse der Cloud-Anbieter nicht immer hundertprozentig realistisch. In unserem Unternehmen haben wir jedoch mit diesen Tools gute Erfahrungen gemacht. Sie bieten eine gute Basis, die eine Anpassung der eigenen Werte und Berechnungsgrundlagen ermöglicht und den Vergleich einer Cloud-Lösung mit den bisherigen Inhouse-Kosten erleichtert.

∙    Vergleich für Amazon Web Services: awstcocalculator.com
∙    Microsoft Azure Rechner:  tco.microsoft.com 
∙    Microsoft Assessment and Planning Toolkit: aka.ms/mapdiscovery 

Auch weiche Faktoren berücksichtigen

Bei der Entscheidung, ob Inhouse-Projekte in Zukunft in die Cloud gehen, sollten auch weiche Faktoren Berücksichtigung finden. Eventuell gibt es Widerstände der eigenen Belegschaft gegenüber neuen Technologien. Oder ein erhöhter Migrationsaufwand lohnt sich, weil die Qualität durch vorgefertigte Design Patterns aus der Cloud erheblich gesteigert werden kann. Je mehr dieser Faktoren berücksichtigt werden, desto besser lässt sich im Einklang mit der Unternehmensstrategie eine Entscheidung herbeiführen.

Fazit

Die aufgeführten Aspekte machen deutlich, ganz so einfach ist die Entscheidung nicht. Denn beim Vergleich von Inhouse-Strukturen mit Cloud-Anwendungen spielen nicht nur Kosten, sondern auch Faktoren wie Qualität, Unternehmensstrategie oder Personalressourcen eine wichtige Rolle. Des Weiteren trägt die horizontale Skalierbarkeit wesentlich dazu bei, die Flexibilität der Cloud kosteneffizient nutzen zu können. Nur wenige Inhouse-IT-Strukturen lassen sich 1:1 in die Cloud übertragen, Cloud-Strukturen erfordern vielmehr ein spezielles Anwendungsdesign. Zudem müssen in die Kostenanalyse direkte und indirekte Kosten einfließen. Ob sich das Ganze lohnt, kann man mit den verfügbaren Online-Rechnern der Cloud-Anbieter gut abschätzen.

Stephan Flöther ist Senior Consultant Cloud bei Adacor Hosting.