Was Finanzminister Josef Pröll in diesem Monat lesen sollte

„Anhand akribisch recherchierter Einzelschicksale entwirft die Autorin ein plastisches, wahrlich spannendes Bild der großen Depression. Und weist nach, wie manipulativ Geschichtsdeutung sein kann.“

Josef Pröll Top 1000 Manager

Amity Shlaes: Der vergessene Mann. Eine neue Sicht auf Roosevelt, den New Deal und den Staat als Retter.
Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2011

 
New Deal und Präsident Roosevelts keynesianische Wirtschaftspolitik sind in den jüngsten Wirtschaftskrise ausführlich diskutiert worden. Kein sehr probates Vorbild, meint Amity Shlaes. Ihr Buch war im Original bereits 2007 erschienen, ist also unverdächtig, einen auf kontrovers aufgemachten Krisentitel verfasst zu haben. In der Geschichte der Großen Depression ist vom Zusammenbruch des Kapitalismus die Rede, dem mit staatlicher Intervention wieder auf die Beine geholfen wurde. Doch Roosevelt, wie auch sein Vorgänger Herbert Hoover, gängelten die Wirtschaft. Die Interventionen der Regierung waren von kommunistischen oder faschistischen Modellen inspiriert, sie schufen nachgerade aus einer Depression die Große Depression, so Shlaes. Lohnerhöhungen, Zölle und Steuererhöhungen hätten die wirtschaftliche Erholung abgewürgt, Aufsichtsbehörden und Sozialämter richteten durch rigide Regelungen großen Schaden. Die überfallsartigen Enteignungsversuche gegenüber Versorgungsunternehmen veranlassten sogar Keynes, zu protestieren. Anhand akribisch recherchierter Einzelschicksale entwirft die Autorin  ein spannendes Bild jener Jahre, die Amerika für immer traumatisieren sollten. Und weist nach, wie manipulativ Geschichtsdeutung sein kann.