Chemieindustrie

Wacker Chemie: Milliarden mit Biotech-Produkten

Moderne Medizin und Zusätze für Nahrungsergänzungsmittel: Wacker Chemie will von Trends wie einem gesünderen Lebensstil und einer alternden Gesellschaft künftig stärker profitieren.

Das Geschäft rund um Biotech-Produkte und Feinchemikalien der Sparte Biosolutions soll sich bis 2030 im Vergleich zu 2020 vervierfachen.

Konkret kalkuliert der Chemiekonzern dann mit einem Umsatz von einer Milliarde Euro, wovon mehr als ein Viertel als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hängen bleiben soll, wie das Management um Konzernchef Christian Hartel auf einem Kapitalmarkttag am Donnerstag erklärte.

Mit einem Umsatz von 246 Mio. Euro und einer operativen Gewinnmarge von 15,5 Prozent im Jahr 2020 ist Biosolutions aktuell noch die kleinste Sparte, aber der erklärte Wachstumsbereich des Konzerns, der 2020 insgesamt einen Umsatz von 4,7 Mrd. Euro erzielte. Der Umsatzanteil von gut fünf Prozent dürfte daher bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich zulegen.

Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung des Körpers

So bietet Wacker etwa Zusatzstoffe für Nahrungsergänzungsmittel an, die dem Körper unter anderem helfen sollen, diese besser aufzunehmen, oder die den Blutzuckerspiegel senken können. Bei der wichtigen Aminosäure L-Cystein, die in einigen Medikamenten vorkommt, aber auch von der Backwarenindustrie verwendet wird, setzt das Unternehmen auf einen Herstellungsprozess ohne die sonst üblichen tierischen Grundstoffe, was den Trend hin zu veganen Produkten bedient.

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In der Öffentlichkeit am stärksten im Fokus steht aktuell indes wohl das Geschäft rund um die Impfstoff- und Medikamentenherstellung, auch weil Wacker Chemie für das Tübinger Unternehmen Curevac dessen Corona-Impfstoff herstellen soll. Trotz der Mitte Juni vorgelegten, eher enttäuschenden Wirksamkeitsdaten zu dem Vakzin hält Wacker an den Produktionsplänen fest.

mRNA-Impfsstoffproduktion

Aktuell gebe es keine Änderungen, die Verträge stünden, sagte die Biosolutions-Chefin Susanne Leonhartsberger. Curevac hatte jüngst betont, weiter gute Chancen auf eine Zulassung zu sehen.

In den Niederlanden hat Wacker Chemie bereits eine Produktion für den mRNA-Impfstoff aufgebaut. Ziel ist es, 100 Millionen Dosen pro Jahr herzustellen. Und selbst wenn es mit der Auftragsproduktion für Curevac nichts werden sollte, wären die finanziellen Folgen eher gering, sagte die Managerin. Die Produktionsplattform könne auch zur Herstellung von Impfstoffen anderer Hersteller oder ganz anderer mRNA-Medikamente genutzt werden.

Um das Wachstum des sogenannten CDMO-Geschäfts anzutreiben, das die Bandbreite von der Entwicklung von Produktionstechnologien bis hin zur Herstellung von Medikamenten für Pharmaunternehmen umfasst, haben die Bayern erst im Februar den US-amerikanischen Pharma-Auftragshersteller Genopis gekauft. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Plasmid-DNA spezialisiert, die für bestimmte Gentherapien genutzt oder als Basis für die Herstellung etwa von mRNA verwendet werden kann. (apa/red)