Automobilindustrie

VW-Zulieferstreit: Diese Fakten sind bekannt - und diese nicht

Der laufende Machtkampf zwischen dem Weltkonzern Volkswagen und zwei Zulieferfirmen ist in der Autoindustrie beispiellos. Viele zentrale Details in dem Konflikt sind inzwischen bekannt - einige liegen bis jetzt im Dunkeln. Hier der Überblick.

WAS WIR WISSEN:

Weil zwei Zuliefererfirmen wichtige Teile nicht liefern, ruht bei Volkswagen die Produktion mancher Modelle. Betroffen sind nach Konzernangaben mehrere VW-Werke - alle voran das Stammwerk Wolfsburg mit der gestoppten Produktion des wichtigsten Modells Golf. Für insgesamt 27.700 Mitarbeiter seien "Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit" ergriffen worden.

Bei den Zulieferern handelt es sich um die sächsischen Firmen ES Automobilguss und Car Trim. ES stellt Getriebeteile her, Car Trim Sitzbezüge.

Beide Firmen gehören zur Prevent-Gruppe. Die Prevent-Gruppe hat ihren deutschen Sitz in Wolfsburg, den offiziellen Konzernsitz in Slowenien und ist eigentlich in Bosnien-Herzegowina beheimatet, wo das Unternehmen zu den größten des Landes gehört. Einzelne Firmen der Gruppe beliefern heute die Autoindustrie, andere bauen auch Möbel und Jachten. Hinter Prevent steht der Unternehmer Nijaz Hastor, der vor dem Bosnienkrieg als Ingenieur bei Prevent tätig war und danach bei der Privatisierung den Zuschlag bekam.

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VW ist bei den Komponenten, die nun nicht mehr geliefert werden, offensichtlich von den Zulieferern abhängig - vor allem bei dem wichtigen Getriebeteil. Nach dpa-Informationen hat sich VW bei dem Teil für das Erfolgsmodell Golf in weiten Teilen auf nur einen Zulieferer verlassen. Das Prinzip ist in der Branche bekannt als "Single Sourcing" (Einzelquellenbeschaffung).

Volkswagen hat vor Gericht bisher Erfolge errungen. Das Landgericht Braunschweig erließ einstweilige Verfügungen, welche die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten. Im Fall des Getriebe-Lieferanten findet am 31. August eine Verhandlung über einen Widerspruch der Firma statt.

Trotz der ersten Erfolge könnte VW allerdings mit den einstweiligen Verfügungen in der Hand frühestens Ende dieser Woche seine Ansprüche per Gerichtsvollzieher durchsetzen und die Teile holen lassen. Vorher steht nämlich noch eine finale Entscheidung des Gerichts aus, das aktuell auf eine Stellungnahme der VW-Gegenseite wartet.

Für die Endkunden könnte es laut VW zu Verzögerungen bei der Auslieferung ihrer bestellten Fahrzeuge kommen - Einzelheiten sind nicht bekannt.

WAS WIR NICHT WISSEN:

Wie lange der Streit noch andauert, ist nicht vorauszusagen. Es laufen Verhandlungen über eine gütliche Einigung - Ausgang offen.

Die genauen Ursachen des Streits sind unklar. Die Absage eines Zukunftsprojektes mit Car Trim soll zumindest eine Wurzel der Querelen sein. Nach dpa-Informationen war VW dabei prinzipiell zu einem finanziellen Ausgleich bereit. Aber die Forderungen des Zulieferers sollen unrealistisch gewesen sein. Beide Parteien wollen sich offiziell nicht äußern. Warum die Lage eskalierte, ist unklar.

Die Zulieferer argumentieren, VW zwinge sie zu dem Lieferstopp, da der Autobauer "frist- und grundlos" Aufträge gekündigt habe und einen finanziellen Ausgleich dafür ablehne. Es geht dabei um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Der Lieferstopp geschehe zum Selbstschutz und im Kampf um die Zukunft der eigenen Mitarbeiter.

Ob hinter dem Konflikt eigentlich ein Preiskampf steht, ist unklar - darüber wird aber spekuliert. Wegen der immensen Belastungen durch den Abgasskandal muss der Konzern einen Sparkurs vor allem bei der renditeschwachen Konzern-Kernmarke VW verschärfen.

Unklar ist die Höhe des Schadens für Volkswagen durch den Produktionsstopp. Dies hängt wesentlich davon ab, wie lange der Konflikt noch andauert. Welche mittel- und langfristigen Folgen der Streit für die Komponentenstrategie bei VW hat, ist offen. (dpa/apa/red)

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