Autoindustrie

VW will Anteile verkaufen - Familien Porsche und Piech dagegen

Überraschend bekommt Konzernchef Matthias Müller bei seinen neuen Verkaufsplänen ein Veto - von ganz oben. "Es gibt wichtigere Themen", sagt Wolfgang Porsche als Sprecher der Familie Porsche.

Die von Volkswagen-Chef Matthias Müller ins Spiel gebrachte Trennung von Unternehmensteilen stößt bei den Familieneigentümern auf Widerstand. "Aktuell sehe ich keine Notwendigkeit, sich von Teilen des Konzerns zu trennen", sagte Wolfgang Porsche, Sprecher des Familienclans, dem "Spiegel" am Rande der VW-Auftaktshow zur Automesse IAA in Frankfurt.

"Das steht derzeit nicht im Fokus. Das Thema ist im Aufsichtsrat auch noch nicht behandelt worden." Sein Cousin Hans Michel Piech sieht ebenso keinen Handlungsbedarf. "Ich bin mit der jetzigen Struktur zufrieden", sagte der Bruder des einstigen Konzernpatriarchen Ferdinand Piech. "Wenn es Vorschläge für Abspaltungen von Seiten der Konzernspitze gibt, schauen wir uns das an."

VW-Chef Müller will Konzernteile gerne abstoßen

Volkswagen-Chef Müller hatte vergangene Woche mit seinen Aussagen in einem Interview für Unruhe im Wolfsburger Konzern gesorgt. Ein neues Team des Autobauers arbeite aktiv am Verkauf mehrerer Bereiche, die nicht länger zum Kerngeschäft zählten, sagte er dem "Wall Street Journal". Diese machten bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes von Volkswagen aus: Volkswagen treibt Verkauf von Konzernteilen voran >>

Später relativierte ein VW-Sprecher die Aussagen: Müller habe sich nicht konkret geäußert, sondern lediglich von einer Faustregel für große Unternehmen gesprochen, bei denen das Verhältnis etwa bei 80:20 liege. Bei VW liege der Anteil des Kerngeschäfts eher etwas höher.

Familienoberhaupt Porsche bügelte Verkaufspläne vorerst ab. "Es gibt wichtigere Themen", sagte er. Es sei vorerst zentral, dass der mit den Arbeitnehmervertretern für die Marke VW ausgehandelte Zukunftspakt in allen Bereichen umgesetzt werde. "Wir sollten den Fokus auf die Profitabilität des Konzerns richten. Die Marke VW hat zwischenzeitlich viel erreicht, aber man darf jetzt nicht nachlassen." (reuters/apa/red)

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Hintergrund zu den aus Österreich stammenden Familien Porsche und Piech:

Warten auf die Neuen: Machtübergabe in den zwei Familien hinter VW >>
Zwei aus Österreich stammenden Familien gehört die Mehrheit am weltgrößten Autobauer. Nach dem Abgang von Ferdinand Piëch steht der Generationenwechsel in der mächtigen Holding hinter Volkswagen weiter aus.