Autoindustrie

VW, Daimler und BMW könnten von sinkenden Zöllen in China profitieren

Auf Druck der USA hat Peking angekündigt, die Einfuhrzölle auf Komponenten und Autos aus dem Ausland deutlich senken zu wollen. Besonders Europas große Konzerne könnten davon profitieren.

Auf Druck der USA und anderer Handelspartner hat China angekündigt, die Einfuhrzölle für ausländische Autobauer deutlich senken zu wollen. Wie das Finanzministerium in Peking mitteilte, sollen die Importabgaben für Autos vom 1. Juli an von 25 Prozent auf 15 Prozent verringert werden. Für Autoteile ist eine Senkung von derzeit zwischen 8 und 25 Prozent auf 6 Prozent geplant. Weitere Eckdaten dazu: China senkt Zölle auf Autos und Autoteile >>

Autobauer Europas können billiger anbieten

China, das bereits seit langem vom Ausland aufgefordert wird, für faireren Wettbewerb auf seinen Märkten zu sorgen, hatte den Schritt auf dem Volkskongress im März angedeutet. Zunächst waren aber keine weiteren Details genannt worden.

Die Zollsenkung dürfte deutschen Firmen zum Teil helfen, ihre Modelle im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz günstiger zu verkaufen. China ist der weltgrößte Automarkt und gerade für die deutschen Hersteller enorm wichtig, weshalb Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen am Dienstag an der Börse mit Kurszuwächsen reagierten.

Die Situation heute

Bisher müssen die Autobauer in China entweder gemeinsam mit einem chinesischen Partner ihre Autos produzieren und den Gewinn dann teilen oder auf importierte Fahrzeuge hohe Zölle zahlen.

Als weitere Erleichterung hatte Peking bereits im April angekündigt, dass internationale Autofirmen bald mehr als 50 Prozent an chinesischen Zweigstellen besitzen dürfen und nicht mehr zwangsweise Gemeinschaftsfirmen gründen müssen, um in Chinas Automarkt mitzumischen.

BMW-Sprecher: "Es ist ein starkes Zeichen"

Volkswagen lieferte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 4,18 Millionen Autos in China aus, von denen 189.000 Stück importiert wurden. Einen deutlich größeren Anteil an Importfahrzeugen gibt es bei BMW, wo von knapp 600.000 verkauften Autos im vergangenen Jahr etwa ein Drittel importiert wurde. Beide Hersteller teilten mit, die weitere Öffnung des chinesischen Marktes zu begrüßen.

"Es ist ein starkes Zeichen, dass China seinen Weg der Öffnung fortsetzt", sagte ein BMW-Sprecher, der davon ausging, dass sich der chinesische Markt nun noch dynamischer entwickeln werde.

Druck der USA wirkt

Beobachter werteten die Senkung der Zölle auch als ein Zugeständnis Pekings im Handelsstreit mit den USA. "Durch die niedrigeren Zölle kann das Handelsbilanzdefizit mit anderen Ländern reduziert werden", sagte Cui Dongshu von der Vereinigung der chinesischen Pkw-Hersteller.

Im Handelskonflikt war Peking bereits am Wochenende einen Schritt auf Washington zugegangen. Beide Seiten seien übereingekommen, dass China künftig erheblich mehr amerikanische Güter und Dienstleistungen erwerben wolle, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Besuch von Chinas Vizepremier Liu He in den USA. Dieser bezeichnete die getroffene Vereinbarung als "Win-Win-Wahl".

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump gedroht, China mit Strafzöllen von bis zu 150 Mrd. US-Dollar (rund 128 Mrd. Euro) überziehen zu wollen. Peking kündigte Vergeltungsmaßnahmen an. (dpa/apa/red)

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