Automobilindustrie

VW-Chef fordert höhere Dieselsteuer - Verkehrsminister reagiert irritiert

Matthias Müller, seines Zeichens Chef des weltgrößten Autobauers Volkswagen, fordert eine höhere Steuer auf Dieselautos. Der Vorstoß kommt trotz der Rolle von VW in der Dieselkrise völlig überraschend.

Die Vorschläge von VW-Konzernchef Matthias Müller zu einer stärkeren Besteuerung von Dieselsprit und Einführung von Umweltplaketten entzweien Regierung und Umweltverbände. Während Umweltschutzorganisationen mehrheitlich Zustimmung für die Ideen signalisierten, reagierte der geschäftsführende deutsche Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) irritiert darauf.

"Dass die Automobilindustrie Fahrverbote fordert, verwundert sehr", sagte Schmidt der Nachrichtenagentur dpa. Die blaue Plakette bedeute "nichts anderes als die kalte Enteignung von Millionen von Diesel-Besitzern". Die Branche stehe "sehr deutlich in der Verantwortung", mehr Mobilität bei weniger Emissionen zu schaffen.

Schmidt betonte, er sehe derzeit darüber hinaus keinen Anlass, an der Besteuerung etwas zu ändern. Auch Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte, die Bundesregierung habe gegenwärtig "keine Pläne" dazu.

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Dieselmotor hat zentrale Bedeutung für den Standort

Der Diesel ist für die deutschen Autobauer extrem wichtig. Ein Grund für den hohen Dieselanteil hierzulande ist die deutlich niedrigere Besteuerung des Kraftstoffs. Dieselwagen stoßen bei vergleichbarer Leistung weniger CO2 aus als Benziner, sind aber im Schnitt stärker motorisiert. Zudem stoßen sie viel schädliche Stickoxide aus.

VW-Betriebsrat: Die Rede ist von einer schrittweisen Umstellung

Der Betriebsrat von Volkswagen hob hervor, dass es sich bei den Vorschlägen Müllers um ein abgestuftes Modell handle. "Er hat nicht davon geredet, dass man das in einem Schritt macht, sondern von schrittweiser Umstellung vom Diesel hin in Richtung Elektromobilität", stellte der oberste Mitarbeitervertreter Bernd Osterloh klar. "Das wird wie gesagt nicht von heute auf morgen passieren. (...) Das ist nicht das Ende des Diesels."

Lob von Branchenexperten

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hatte Müller umgehend gelobt. "Hut ab", sagte der Leiter des CAR-Centers der Universität Duisburg-Essen am Sonntag der dpa. Er hätte nicht damit gerechnet, dass ein deutscher Autobauer so eine mutige Forderung erheben würde. Die Vorschläge könnten in dieser Form der schwächelnden E-Mobilität tatsächlich wirksam helfen. Seitens der Industrie habe er das nicht erwartet. "Und jetzt sagt das endlich einer. Das ist wirklich beeindruckend." (dpa/apa/red)

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