Luftfahrt

Vueling hat das Nachsehen: Lauda bekommt Niki zurück

Das kam überraschend: Niki Lauda nutzte seine dritte Chance, die insolvente Airline Niki zurückzubekommen - und kam zum Zug. Laudamotion sei als Bestbieter hervorgegangen, heißt es.

Niki geht an den ursprünglichen Besitzer zurück.

Lauda bekommt Niki zurück: Das teilten die beiden Insolvenzverwalter Ulla Reisch und Lucas F. Flöther in einer gemeinsamen Aussendung mit. "Aus einem transparenten Bieterprozess ist heute in den frühen Morgenstunden die Laudamotion GmbH als Bestbieter hervorgegangen“, heißt es darin. "Der österreichische Gläubigerausschuss hat sich einstimmig für das Angebot der Laudamotion GmbH ausgesprochen. Es wird von einer kurzfristigen insolvenzrechtlichen Genehmigung der Transaktion in Österreich und in Deutschland ausgegangen."

Airline-Gründer Lauda hatte eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit dem Reiseveranstalter Thomas Cook und dessen Fluggesellschaft Condor geboten. In der Vorwoche hatte er in einem offenen Brief für sich Stimmung gemacht. Darin machte er allen Niki-Mitarbeitern ein "Job-Angebot" und betonte, dass die Flugzeuge für den Neustart ebenso wie die Operations "bereits gesichert" seien.

Kann Lauda sein Versprechen halten?

Seine Firma Laudamotion habe die Betriebsbewilligung und könne daher die Start- und Landerechte (Slots) übernehmen. "Niki wird im März 2018 als österreichischer Carrier mit Headquarter und Hub in Wien und Fokus auf den österreichischen Markt wieder aufleben", versprach Lauda. "Falls mein Anbot das überzeugendste sein sollte, werden wir gemeinsam wieder Schwung in die Bude und den österreichischen und europäischen Luftverkehr bringen!"

Ende Dezember hatte der deutsche Insolvenzverwalter Flöther in dem in Berlin angelaufenen Niki-Insolvenzverfahren bereits einen Kaufvertrag mit der britisch-spanischen Airlinegruppe IAG/Vueling ausverhandelt. Mitte Jänner wurde allerdings auch in Österreich Konkurs über Niki eröffnet. Das Bieterverfahren wurde nun durch die österreichische Insolvenzverwalterin wiederholt.

Lauda hatte scharfe Kritik an den beiden in Deutschland durchgeführten Insolvenzverfahren geübt. So warf er den Insolvenzverwaltern Frank Kebekus (Air Berlin) und Flöther (Niki) vor, seine Angebote abgelehnt beziehungsweise ignoriert zu haben.

IAG hat das Nachsehen

Die International Airline Group (IAG) bzw. deren Billigflugtochter Vueling hatte vergangene Woche auf ihr unverändertes Interesse zur Übernahme wesentlicher Niki-Teile verwiesen, allerdings auch auf eine umgehende Entscheidung gedrängt. Ansonsten würde das Kaufangebot zurückgezogen.

Interesse an Niki-Teilen hatte vor einigen Tagen auch der Billigflieger Ryanair geäußert. Von den Iren gab es zuletzt aber ebenso wenig öffentliche Äußerungen wie von anderen kolportierten Kandidaten. 

Niki-Betriebsrat: „Lauda hat nachgebessert“

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits erklärte im Ö1-Morgenjournal, dass Niki Lauda sein Angebot nachgebessert hätte, zumindest was die Mitarbeiter betrifft. Er habe sich zum Standort bekannt, Gesprächsbereitschaft über einen Kollektivvertrag signalisiert sowie erklärt, dass alle rund 1.000 Beschäftigten ein Angebot erhalten werden.

Der Kauf beinhalte auch die Finanzierung der Gehälter bis zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs, erklärte Tankovits. Zwischen 1. und 12. Jänner werden die Gehälter vom Insolvenzentgeltfonds getragen. Laut Tankovits haben bisher 50 bis 100 Flugbegleiter Niki verlassen, sehr viele der rund 220 Piloten seien derzeit in Auswahlverfahren und hätten Angebote von anderen Fluggesellschaften.

Der Belegschaftsvertreter sagte weiters, er sei nun "fast überzeugt, dass das Angebot hält", aber "so langsam glaubt man an gar nichts mehr als Niki-Mitarbeiter". Die österreichische Air-Berlin-Tochter war nach der Insolvenz der Mutter vergangenen Sommer insgesamt dreimal verkauft worden. Niki war, nachdem die AUA-Mutter Lufthansa den Kauf absagte, im Dezember 2017 ebenfalls in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert.

"Müssen mit dem Ergebnis arbeiten"

Im zweiten Bieterverfahren in Deutschland, wo IAG/Vueling den Zuschlag erhielt, habe unter anderen Parametern stattgefunden. Zu diesem Zeitpunkt sei das Angebot des spanisch-britischen Luftfahrtkonzern am stimmigsten gewesen.

Im österreichischen Verkaufsprozess habe Lauda sein Angebot verbessert. "Insofern denke ich, es hat der Bestbieter gewonnen", kommentierte Tankovits, dass der Ex-Rennfahrer Lauda das Rennen um Niki gemacht hat. "Dementsprechend werden wir jetzt mit dem Ergebnis arbeiten müssen." (apa)