Standort

Vorarlberger Industrie fordert "mutigere" Entscheidungen zum Standort

"Es läuft großteils gut bei unseren Betrieben in der Vorarlberger Industrie. Damit das auch so bleibt, brauchen wir gerade in Wahlkampfzeiten und auch danach deutlich mutigere standortpolitische Weichenstellungen", so Martin Ohneberg, Chef der Industriellenvereinigung in Vorarlberg.

Industriellenvereinigung Standort Vorarlberg Martin Ohneberg

Im Bild der Bau des vor drei Jahren fertiggestellten Wasserkraftwerks Illspitz an der Mündung der Ill in den Rhein.

Die Vorarlberger Industrie bewertet ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als zuletzt, sieht aber die Entwicklung der Industrie-Konjunktur ein wenig pessimistischer. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage (zweites Quartal 2017) hervor, die jetzt vorgestellt wurde. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg fordert "deutlich mutigere standortpolitische Weichenstellungen".

Die aktuelle Geschäftslage wurde von etwa 70 Prozent der 43 befragten Unternehmen mit rund 23.000 Beschäftigten als gut beurteilt. Lediglich für ungefähr drei Prozent war sie schlecht. Der daraus folgende Saldo von plus 66 Prozentpunkten lag damit sieben Punkte höher als im ersten Quartal 2017 und auf demselben Niveau wie im vierten Quartal 2016. Ein ähnliches Bild ergab sich beim aktuellen Auftragsbestand (aktueller Saldo: 68; erstes Quartal 2017: 57), bei den Auslandsaufträgen (67; 62) und der aktuellen Ertragssituation (41; 39).

Der Blick in die Zukunft auf die Geschäftslage in einem halben Jahr hat sich hingegen ein wenig verdüstert. Den 20 positiven Prozentpunkten aus dem ersten Quartal standen im zweiten Quartal nur noch 12 Prozentpunkte gegenüber. Folglich blieb der Geschäftsklimaindex (der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - er bewegt sich auf einer Skala von minus 100 bis plus 100) - praktisch auf demselben Wert wie zuletzt. Er fiel minimal von 39,60 Punkten im ersten Quartal auf nunmehr 39,50 Punkte im zweiten Quartal. Das bedeutete den vierthöchsten Wert seit Jahresbeginn 2014.

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Deutlich pessimistischer als zuletzt beurteilten die Unternehmen die Produktionstätigkeit in drei Monaten (26; 41) und die Produktionskapazität in drei Monaten (21; 41). Die Ertragssituation in einem halben Jahr (9; 3) und die Entwicklung der Verkaufspreise in drei Monaten wurden ein wenig positiver gesehen als im ersten Quartal (0; -19), praktisch keine Veränderung gab es bei der Einschätzung des Beschäftigtenstands in drei Monaten (33; 32).

"Es läuft großteils gut bei unseren Betrieben in der Vorarlberger Industrie. Damit das auch so bleibt, brauchen wir gerade in Wahlkampfzeiten und auch danach deutlich mutigere standortpolitische Weichenstellungen", betonte Industriellenvereinigung Vorarlberg (IV)-Präsident Martin Ohneberg. Als Schwerpunkt-Themen für die neue Bundesregierung nannte Ohneberg - gestützt auf eine Mitgliederbefragung in Vorarlberg - den Bürokratieabbau, die Arbeitszeitflexibilisierung, Steuern sowie Fachkräfte und Lohnnebenkosten. "Nur wenn diese Themen angegangen werden, können wir die gute aktuelle Konjunktur in einen anhaltenden Aufschwung überführen", sagte Ohneberg.

Die im vergangenen April durchgeführte Mitgliederbefragung - rund ein Drittel der Unternehmen nahm daran teil - zeigte darüber hinaus einen desaströsen Vertrauensverlust der Geschäftstreibenden in die (noch aktuelle) Bundesregierung. Rund einen Monat vor der Rücktrittserklärung des damaligen ÖVP-Chefs und Vizekanzlers Reinhold Mitterlehner waren mit der Bundesregierung 56 Prozent der Befragten weniger zufrieden und 31 Prozent gar nicht zufrieden - sehr zufrieden war hingegen niemand. Deutlich besser fiel die Bewertung der Vorarlberger Landesregierung aus: 38 Prozent waren sehr zufrieden mit ihr, 44 Prozent zufrieden. (apa/red)