Industrieproduktion

Vorarlberger Industrie erwartet einen Konjunkturdämpfer

Jedes zweite der von der Industriellenvereinigung befragten Unternehmen in Vorarlberg bewertet die aktuelle Lage als gut. Die IV interpretiert das als Dämpfer.

Die Vorarlberger Industrie sieht laut der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) eine spürbare Abschwächung. Nur mehr 51 Prozent der befragten Unternehmen sahen eine derzeit gute Geschäftslage, die Geschäftslage in sechs Monaten wurde von 81 Prozent als durchschnittlich bewertet. Es sei quer über alle Branchen erstmals ein Dämpfer zu erkennen, so die IV.

Mehr als drei Viertel der Befragten bewerten die Lage als durchschnittlich

Der Geschäftsklimaindex, also der Mittelwert der Einschätzung zur derzeitigen Geschäftslage und jener in einem halben Jahr - er bewegt sich auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 - verringerte sich binnen eines Quartals von 30,90 auf 22,60. Das sei der schlechteste Wert seit drei Jahren und der drittschlechteste Wert der vergangenen sechs Jahre, erklärte IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher.

81 Prozent erwarten in kommender Zeit durchschnittliche Erträge

Die Ertragssituation beurteilten die Unternehmen derzeit zu 19 Prozent als gut, zu 73 Prozent als durchschnittlich und zu acht Prozent als schlecht. Die Erwartungen für die Erträge in sechs Monaten lagen deutlich darunter: Nur drei Prozent sahen eine steigende Entwicklung, 81 Prozent erwarteten durchschnittliche Erträge, 16 Prozent fallende. Der Beschäftigtenstand in drei Monaten wurde von 80 Prozent als gleichbleibend eingeschätzt, 18 Prozent wollten neue Mitarbeiter einstellen.

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Dass es schwieriger werde, zeige sich auch an den erwarteten Verkaufspreisen in drei Monaten, so die IV. 30 Prozent der befragten 43 Unternehmen mit rund 27.000 Beschäftigten rechneten mit sinkenden Verkaufspreisen, 68 Prozent hielten diese für stabil. Besonders betroffen vom Preisdruck sei die im Land starke Maschinen- und Metallindustrie, hier werde auch die Ertragslage deutlich negativer gesehen als noch im zweiten Quartal 2019.

Pessimismus in der Textilindustrie

Nicht gerade rosig sind die Zeiten laut der Umfrage nach wie vor für die Textilindustrie. Hier sahen 62 Prozent der Unternehmen die Geschäftslage als schlecht an, 97 Prozent beurteilten die Ertragssituation negativ. Keiner der Textilbetriebe erwartete in den kommenden Monaten eine höhere Produktionstätigkeit, bessere Verkaufspreise oder einen höheren Beschäftigtenstand. In einem halben Jahr hofften allerdings 53 Prozent auf steigende Erträge. Gemischte Signale kamen aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie, auch hier mehrten sich die negativen Anzeichen. Letztere benötige vor allem weitere Fachkräfte.

Frühe Signale des "sehr exportorientierten Industrielandes"

"Als sehr exportorientiertes Industrieland merken wir sofort, wenn es rund um uns dunkler am Konjunkturhimmel wird", erklärte IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher, der als Ursache den Handelskonflikt zwischen den USA und China, den Brexit und die schwächelnde deutsche Industrie nannte. Die Vorarlberger Betriebe schlügen sich aber nach wie vor hervorragend auf den Weltmärkten, eine Rezession sei "nach aktuellem Stand noch nicht zu erwarten".

Man hoffe rasch auf handlungsfähige Regierungen auf Europa-, Landes-und Bundesebene, die Entlastungen und Konjunkturimpulse setzten. "Eine stärkere Belastung für die Betriebe, überzogene Lohnabschlüsse oder weitere Hürden durch Auflagen wären angesichts der schwierigeren Konjunktur sehr kontraproduktiv", warnte Burtscher. (apa/red)