"Vor voller Schüssel verhungern"

Energiesparende Wochenendarbeit, Auslastung bei 50 Prozent: Rudolf Jurak, der Mehrheitseigentümer des Stahlerzeugers Breitenfeld AG und sein Vorstandschef Franz Kailbauer erklären im IM-Interview, warum 2010 schwieriger als 2009 wird.

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Jurak, Sie haben am 14. Jänner Ihren Vorstandsvorsitz zurückgelegt und sind in den Aufsichtsrat gewechselt. Warum haben Sie sich entschieden, die Breitenfeld nicht selbst durch die Wirtschaftskrise zu führen?

Rudolf Jurak: Auf Grund meiner mehr als fünfzigjährigen Berufstätigkeit wollte ich mich eigentlich schon Ende 2008 aus dem operativen Bereich zurückziehen. Aber mein Nachfolger, Herr Kailbauer, konnte nicht vorzeitig aus seinem Vorstandsvertrag bei der Energie Steiermark aussteigen, so dass ich meine Entscheidung um ein Jahr verschieben musste.

Mit der Estag hat Herr Kailbauer in einem staatsnahen Unternehmen gearbeitet, wo andere Regeln gelten als in der Privatwirtschaft. Warum haben Sie sich dennoch für ihn entschieden?

Rudolf Jurak: Herr Kailbauer ist ein Generalist, was hier im Hause sehr wichtig ist. Und zudem war er viele Jahre im internationalen Anlagenbau tätig, der auch Höhen und Tiefen durchlebt hat. 

Franz Kailbauer: Natürlich erfolgt mein Wechsel zur Breitenfeld in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Die Entscheidung fiel allerdings bereits Mitte 2008, also in der absoluten Hochkonjunktur. Ich habe daran festgehalten, weil ich mir im Laufe meines Berufslebens zur Devise gemacht habe, einmal gemachte Verträge auch einzuhalten. Seit 1. August 2009 bin ich im Vorstand der Breitenfeld, seit Mitte Jänner Vorstandschef. Mir geht es jetzt vor allem darum, aus der aktuell schwierigen Situation das Beste zu machen.

Schwierig ist die Situation auch deshalb, weil das neue Stahlwerk mitten in der Rezession fertig wurde. Dadurch haben sich Ihre Kapazitäten verdoppelt. Wie viel davon können Sie derzeit überhaupt nutzen?

Rudolf Jurak: Unsere durchschnittliche Auslastung in der Produktion liegt bei rund 50 Prozent. Unsere Aufträge sind zwar lediglich um rund 30 Prozent zurückgegangen, aber unser Umsatz ist noch stärker eingebrochen. Das lag insbesondere an den niedrigeren Rohstoff- und Schrottpreisen, die wir  an unsere Kunden weitergeben mussten. Derzeit wäre es sogar möglich, die eine oder andere Menge dazu zu bekommen. Allerdings sind die Preise so schlecht, dass wir nicht mal Fixkosten abdecken könnten. Solche Aufträge nehmen wir erst gar nicht an. In Zeiten wie diesen muss man aufpassen, dass man nicht vor der vollen Schüssel verhungert.

Franz Kailbauer: Ich würde zwar sagen, dass wir die Talsohle erreicht haben. Aber es macht schon einen Unterschied, ob man einen Tag Zahnweh hat oder mehrere Monate. Derzeit beobachten wir eine deflationäre Logik. Immer mehr Investoren verschieben ihre Großprojekte, weil sie darauf setzen, dass sie billiger werden. 2010 wird ein schwieriges Jahr, sogar noch herausfordernder als das vergangene.

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