Im Überblick

Volkswagen unter Beschuss: Chronologie des Abgasskandals von 2015 bis heute

Mit der Anklage gegen Martin Winterkorn startet ein neues Kapitel in dem seit bald vier Jahre dauernden Feldzug der Anwaltskanzleien und Behörden der USA gegen Volkswagen auch nach Deutschland. Hier die Chronologie der wichtigsten Ereignisse.

Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn ist wegen des Dieselskandals nun auch in Deutschland angeklagt. Es ist der vorläufige Höhepunkt in einer Affäre, die sich bereits über Jahre hinzieht.

September 2015:

Die US-Umweltbehörde EPA teilt mit, dass VW Abgaswerte manipuliert hat. Knapp eine halbe Million Autos muss in den USA zurückgerufen werden. VW-Chef Winterkorn entschuldigt sich, und VW gibt zu, dass die Software in elf Millionen Fahrzeugen weltweit steckt. Der Konzern stellt 6,5 Mrd. Euro für Nachbesserungen zurück und veröffentlicht eine Gewinnwarnung. Winterkorn tritt schließlich zurück, Nachfolger wird Porsche-Chef Matthias Müller. Ende des Monats gibt die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen bekannt.

Oktober 2015:

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) schreibt Volkswagen den Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen vor. Der Konzern weitet die Aktion auf insgesamt 8,5 Millionen Wagen in Europa aus.

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Jänner 2016:

Das US-Justizministerium verklagt Volkswagen. Die im Auftrag der EPA eingereichte Klage bezieht sich auf fast 600.000 Dieselfahrzeuge der Marken VW, Audi und Porsche, die in den USA verkauft wurden.

Februar 2016:

Rund 200 VW-Kunden reichen Sammelklage in San Francisco ein. Richter Charles Breyer verlangt von VW einen Vorschlag zur Schadensbehebung.

April 2016:

Richter Breyer verkündet eine Grundsatzvereinbarung zwischen Volkswagen und den US-Behörden. VW meldet zudem einen Rekordverlust von knapp 1,6 Mrd. Euro. Grund sind Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und Mängelbeseitigung.

Juni 2016:

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Winterkorn und den damaligen VW-Markenchef Herbert Diess wegen des Anfangsverdachts auf Marktmanipulation. Sie sollen die Aktionäre zu spät über den Skandal informiert haben.

Oktober 2016:

US-Richter Breyer genehmigt einen milliardenschweren Vergleich zwischen VW und Besitzern von Dieselautos. Damit verpflichtet sich Volkswagen zur Zahlung von 14,7 Mrd. Dollar (rund 13 Mrd. Euro). Der Großteil ist zur Entschädigung von Autobesitzern vorgesehen.

Jänner 2017:

VW vereinbart einen weiteren Vergleich mit US-Justizministerium und Behörden. Er sieht Strafzahlungen von 4,3 Mrd. Dollar und ein Schuldbekenntnis vor. Vor dem Landgericht Braunschweig erhebt der Rechtsdienstleister Myright im Skandal um manipulierte Abgaswerte die erste Musterklage in Deutschland.

Juni 2017:

Die Staatsanwaltschaft München weitet ihre Ermittlungen gegen die VW-Tochter Audi aus - betroffen sind nun auch Geschäfte in Deutschland und Europa. Außerdem wird bekannt, dass auch Porsche seinen Cayenne mit einer Software zur Senkung der Abgaswerte ausgerüstet hat.

April 2018:

Müller wird durch den vergleichsweise unbelasteten Herbert Diess an der Konzernspitze ersetzt.

Juni 2018:

Der damalige Audi-Chef Rupert Stadler kommt in Untersuchungshaft. Er soll Zeugen manipuliert haben. Nach vier Monaten kommt er unter Auflagen wieder frei - seinen Chefposten verliert er allerdings an Bram Schot.

September 2018:

In Braunschweig beginnt der Anleger-Prozess gegen Volkswagen. Die Forderungen der mehr als tausend Kläger belaufen sich auf über neun Mrd. Euro Schadenersatz.

November 2018:

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Automobilclub ADAC reichen vor dem Oberlandesgericht Braunschweig stellvertretend für Zehntausende geschädigte Kunden eine Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen ein. Dieses Instrument wurde extra wegen des Skandals neu geschaffen.

März 2019:

Die US-Börsenaufsicht SEC verklagt Volkswagen und Winterkorn wegen Anlagebetrugs. Ihnen wird vorgeworfen, Anleihen über 13 Mrd. Dollar ausgegeben zu haben, obwohl sie schon über den Skandal Bescheid wussten.

April 2019:

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen Winterkorn und vier andere Führungskräfte.

(afp/apa/red)

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