Aktuelles zum VW-Skandal

Volkswagen setzt auf Manager der Konkurrenz

Die aktuelle Übersicht zum VW-Skandal: Thomas Sedran, Ex-Chef von Opel, wird neuer Chefstratege des Konzerns. Statt der Nachbesserungen könnten Eintauschprämien kommen. Und: Die EU hatte schon 2013 vor falschen Werten gewarnt.

In der Krise setzt Volkswagen auf neue Köpfe von außen: Am Montag kündigten die Wolfsburger an, den ehemaligen Opel-Chef Thomas Sedran an Bord zu holen. Der 51-Jährige werde von November an die Konzernstrategie von Volkswagen verantworten und direkt an den Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller berichten.

Sedran war von Juli 2012 bis Februar 2013 übergangsweise Chef des Rüsselsheimer Autobauers. Ab Juli 2013 war er für die Marken Chevrolet und Cadillac der Opel-Mutter General Motors (GM) in Europa verantwortlich. Im Sommer 2015 verließ er GM.

Das Anwerben des ehemaligen Konzernchefs von Opel ist die zweite externe Verpflichtung von Volkswagen seit Bekanntwerden des Abgasskandals. Vor wenigen Wochen hatten die Wolfsburger Christine Hohmann-Dennhardt gewinnen können, die derzeit bei Daimler Vorstand für Integrität und Recht ist. Die Juristin löst ihren Vertrag mit Daimler vorzeitig auf, um bei VW die gleiche Funktion wie in Stuttgart zu übernehmen.

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Eintauschprämien als mögliche Alternative zu Nachbesserungen

Volkswagen arbeitet derzeit den größten Skandal in seiner Unternehmensgeschichte auf. Der Konzern hat zugegeben, Abgaswerte von Dieselfahrzeugen durch eine Software manipuliert zu haben, die bei Tests zu einem niedrigeren Schadstoffausstoß führte als im Normalbetrieb. Weltweit wurde die Software in bis zu elf Millionen Autos eingebaut.

Um die Folgen der Abgasmanipulation zu beheben, denkt Volkswagen in Deutschland auch über Eintauschprämien als Alternative zu Nachbesserungen nach. Betroffene Kunden könnten dann ihren Wagen in Zahlung geben und zusätzliche Anreize von VW bekommen, wenn sie einen Neuwagen kaufen. Noch sei die Idee aber nur eine unter vielen, sagte ein VW-Sprecher.

VW verliert den ersten Platz wieder an Toyota

Im Kampf um Platz eins unter den internationalen Autobauern fiel Volkswagen unterdessen wieder hinter Toyota zurück. Von Jänner bis September zählte Toyota mehr als 7,49 Millionen Verkäufe; VW verkaufte im gleichen Zeitraum 7,43 Millionen Fahrzeuge. Der Manipulationsskandal hatte allerdings noch keinen Einfluss auf die Verkaufszahlen. Volkswagen hatte auf einigen Märkten Probleme, darunter China und Brasilien.

Matthias Müller fliegt mit Kanzlerin Merkel nach China

Um den wichtigen chinesischen Markt kümmert sich VW-Chef Müller diese Woche persönlich: Er sei Teil einer Wirtschaftsdelegation, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrer Reise ins Reich der Mitte begleiten werde, hieß es aus Regierungskreisen. Um den Abgas-Skandal dürfte es bei Merkels Staatsbesuch aber nur am Rande gehen, weil VW in China kaum Diesel-Autos verkauft hat.

Sehr im Zeichen der VW-Affäre steht dagegen der USA-Besuch des deutschen Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU). Er will sich dort unter anderem mit US-Verkehrsminister Anthony Foxx und mit der US-Umweltbehörde EPA treffen, die den Skandal öffentlich gemacht hatte.

Vertreter der EU-Kommission haben schon 2013 gewarnt

Die EU-Kommission war der Zeitung "Financial Times" zufolge schon länger über die große Diskrepanz zwischen gemessenen Abgaswerten bei Tests auf dem Prüfstand und realen Ausstößen im Straßenverkehr alarmiert.

Schon 2013 habe der damalige EU-Umweltkommissar Janez Potocnik davor gewarnt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Kommissions-Dokumente. In einem Brief an den damaligen EU-Industriekommissar Antonio Tajani habe Potocnik geschrieben, dass Minister aus einigen EU-Ländern glaubten, die Luftverschmutzung würde sich auch deshalb nicht bessern, weil Autos in Wirklichkeit deutlich mehr Schadstoffe ausstießen als unter Testbedingungen. Geschehen sei dennoch nichts. (dpa/apa)

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