Autoindustrie

Volkswagen: Ob das neue Werk in der Türkei kommt, ist weiter offen

VW ändert sein Bonussystem für Vorstände und jetzt auch für das mittlere und obere Management. Die Entscheidung zum gestoppten Bau des neuen Werks in der Türkei ist weiter offen. Die Salzburger Porsche Holding hat heuer ihr Geschäft ausgebaut.

Die Salzburger Porsche Holding, Generalimporteur für den VW-Konzern hat ihre aktuellen Zahlen präsentiert. Mit einem Marktanteil von 34,9 Prozent ist die Porsche Holding nach wie vor unangefochtener Marktführer in Österreich und konnte in dem schwierigen Autojahr 2019 den Anteil noch um 0,6 Prozentpunkte ausbauen. Nach dem Mineralölkonzern OMV ist die Porsche Holding das umsatzstärkste Unternehmen des Landes und nach Eigenangaben Europas größtes Autohandelshaus.

Die meistgekauften Marken in Österreich: Skoda Oktavia, VW Golf, VW Polo

Das Großhandelsvolumen der Holding in Österreich reduzierte sich um 1,9 Prozent auf 365.000 Fahrzeuge, im Einzelhandel hingegen gab es ein Plus von 5,8 Prozent auf 392.400 Kfz. Trotz des Abgasskandals ist Österreich nach wie vor ein "VW-Land". Meistverkauftes Auto heuer über alle Marken hinweg ist der Skoda Oktavia, gefolgt vom VW Golf und VW Polo.

Absatz legt deutlich zu

Der Gesamtabsatz der zwölf VW-Konzernmarken zog auch im November an. Weltweit wurden 988 800 Fahrzeuge verkauft - 5,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Aufs ganze bisherige Jahr gesehen, liegt die Gruppe damit um 0,3 Prozent im Plus (9,94 Millionen Autos). hatte die Kernmarke 3,9 Prozent mehr Auslieferungen für den vergangenen Monat gemeldet. In der Summe könnte 2019 ein Höchststand erreicht werden, Analysten halten knapp 10,9 Millionen Fahrzeuge für möglich.

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Entscheidung zur Türkei offen

Volkswagen strukturiert im Rahmen seiner Elektro-Investitionen die Produktion in verschiedenen Werken um. Ob die geplante neue Fabrik nahe der türkischen Stadt Izmir kommt, ist aber weiterhin nicht entschieden. Man werde hier frühestens ab der Mitte des ersten Quartals 2020 zu einem Beschluss kommen, hieß es aus Firmenkreisen.

Die "Automobilwoche" hatte vor einer Entscheidung "nicht vor Februar" berichtet. VW hatte eigentlich im Herbst Klarheit schaffen wollen, die Vertragsunterzeichnung wegen der Militäraktionen der Türkei in Nordsyrien aber auf Eis gelegt. Es gab Kritik an dem Vorhaben, in einem Land mit heikler Menschenrechtslage einen Standort zu eröffnen.

VW ändert Bonussystem auch für den Mittelbau

Nach dem Umbau des Bonussystems für die Vorstände ändert VW auch für das mittlere bis obere Management die Berechnung der Bezüge - mit einer Garantie für Boni über die kommenden drei Jahre. Dies geht aus einem Brief zu einem "neuen Vergütungssystem" von Personalvorstand Gunnar Kilian und Konzernchef Herbert Diess an die betreffenden Mitarbeiter hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die zugesicherte Mindesthöhe schmilzt demnach aber schrittweise ab. 2020 wird das aktuelle Gehaltsniveau für die weltweit rund 18.000 Führungskräfte noch beibehalten, in den beiden Jahren darauf sind dann 90 und 80 Prozent der Gesamtsumme garantiert. Die Verkäufe der Konzernmarken legen weiter zu, es könnte auch 2019 einen Absatzrekord geben. Ob das geplante neue Werk in der Türkei kommt, bleibt unklar.

Diess und Kilian verbinden mit der Gehaltsreform in ihrem Schreiben das Ziel, den "gemeinsamen Unternehmenserfolg" und die "dauerhafte Rentabilität" stärker zu betonen. So soll es den individuellen "persönlichen Leistungsbonus" vom neuen Jahr an nicht mehr geben.

Stattdessen werden zwei neue variable Gehaltskomponenten eingeführt: Der "Jahresbonus" orientiert sich nicht mehr an der absoluten Höhe des Betriebsergebnisses, sondern an relativen Werten zu operativer Umsatz- sowie Kapitalrendite. Der "Langzeitbonus" wird umgestellt von Rendite, Absatz, Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit auf Gewinn pro Aktie, Kursentwicklung der Vorzugspapiere und Dividende. So soll die "Wertentwicklung" des Konzerns anstelle von kurzfristigen Gewinnen maßgeblich werden. Zuvor hatte auch der "Spiegel" darüber berichtet.

VW hatte nach dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals bereits die variablen Gehaltsbestandteile für das Top-Management umgebaut - nach Kritik an der Vergütungshöhe, die etwa im Jahr 2011 für den damaligen Konzernchef Martin Winterkorn auf bis zu 17,5 Mio. Euro gestiegen war. Neben einem fixen Sockelgehalt gibt es auch hier einen erfolgsabhängigen Langzeitbonus ("Long Term Incentive") in weitgehend derselben Struktur, die nun für tiefer angesiedelte Manager gilt. Im Fall von Fehlverhalten oder schweren Pflichtverletzungen kann das Unternehmen Abzüge oder Rückforderungen von Bonuszahlungen vornehmen.

Nach "Dieselgate" entschied man 2016, 30 Prozent der variablen Vergütung zunächst einzubehalten und - in Aktien umgewandelt - zu parken. Seit dem vergangenen Mai zahlt VW die Boni für ehemalige und aktuelle Vorstandsmitglieder wieder aus. Bei anderen Autoherstellern schließen Sparprogramme derzeit das Leitungspersonal ein. So soll bei Daimler jede zehnte Management-Stelle gestrichen werden. (apa/dpa/red)