Stahlindustrie

Voestalpine zu Strafzöllen: Zuversicht in Linz

Der oberösterreichische Stahlriese wäre mit maximal drei Prozent des Umsatzes von US-Strafzöllen betroffen - und eine eigene "Taskforce USA" sorgt dafür, eventuelle Verschlechterungen am Markt abzufedern. Trotzdem sind die neuen Zölle auch für die Voest keine gute Nachricht.

US-Präsident Donald Trump hat im Weißen Haus im Beisein von Stahlarbeitern zwei Proklamationen unterzeichnet. Demnach treten in 15 Tagen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf eingeführten Stahl und von zehn Prozent auf Aluminium in Kraft - "sobald die Produkte unsere Grenze überschreiten", wie Trump sagt.

"Wenn ihr Steuern vermeiden wollt, produziert in Amerika", rief er potenziellen Investoren zu. Vorläufig ausgenommen sind nur die NAFTA-Partner Kanada und Mexiko. Weitere Ausnahmen könnten folgen.

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Trump will Amerikas Steuern an die Steuersätze anderer angleichen

Trump kündigte ferner an, "Spiegel-Steuern" einführen zu wollen. Das heißt: gleiche Steuersätze für gleiche Produkte im gegenseitigen Warenverkehr. "Wenn wir ein Auto nach China liefern, zahlen wir 25 Prozent. Für ein chinesisches Auto, das zu uns kommt, verlangen wir 2,5 Prozent - das muss sich ändern", so Trump. "Amerikanische Unternehmen werden nicht fair behandelt."

China hat die von Trump verhängten Strafzölle stark kritisiert. Sie seien ein "schwerer Angriff" auf die internationale Handelsordnung, schrieb das Pekinger Handelsministerium am Freitag in einer Mitteilung. China werde "wirksame Maßnahmen" ergreifen und seine legitimen Rechte und Interessen verteidigen.

Wolfgang Eder: Investitionen in den USA werden "überprüft"

Die Voestalpine hat dazu mitgeteilt, mit maximal drei Prozent des gesamten Umsatzes von den Strafzöllen betroffen zu sein.

Den Umsatz des Vorjahres in den USA beziffert die Voest mit rund 1,2 Milliarden Euro, davon kamen zwei Drittel aus den USA selbst. Der potenzielle wirtschaftliche Schaden sei daher überschaubar.

„Trotz der nur eingeschränkten Auswirkungen der Strafzölle auf unseren Konzern veranlasst uns die aktuelle Vorgangsweise der US-Administration dazu, alle geplanten weiteren Investitionen in Nordamerika einer kritischen Überprüfung in Bezug auf ihre wirtschaftliche und politische Sinnhaftigkeit zu unterziehen", so Voestalpine-CEO Wolfgang Eder. Nach Einschätzung der Voest werde es "einige Wochen" dauern, bis Details und mögliche Ausnahmen geklärt seien und weitere Schritte Washingtons zu erwarten seien.

Zuversicht in Linz

Zusammenfassend heißt es bei der Voestalpine zu den neuen Schwierigkeiten im internationalen Außenhandel: "Wir gehen derzeit davon aus, dass die Sachlage in den nächsten Tagen und Wochen klarer werden sollte. Auch betreffend der möglichen Ausnahmeregelungen sind wir – auf Basis unserer vielfältigen und sehr spezialisierten Hightech-Aktivitäten in den USA – guter Dinge entsprechende Lösungen für die Voestalpine zu finden."

Folgend weitere Details zu Strafzöllen und der Voestalpine:

Das Problem sind indirekte Folgen für Europa

"Wir haben die nun fixierten Beschlüsse des amerikanischen Präsidenten zur Kenntnis zu nehmen. Es ist davon auszugehen, dass eine unmittelbare wirtschaftspolitische Reaktion auf Ebene der EU und weiterer Wirtschaftsregionen folgen wird. Die möglichen Konsequenzen auf die globalen Märkte und den Freihandel sind aufgrund der Komplexität der globalen Wirtschaftsstrukturen nicht ohne weiteres abschätzbar. Wirtschaftliche Auswirkungen für alle Beteiligten – wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen – sind aber unvermeidlich. Die EU wird sich in diesem Zusammenhang vor allem mit der Frage befassen müssen, welche Maßnahmen und Instrumente notwendig sind, um eine unangemessene Umleitung globaler Handelsströme nach Europa zu verhindern", so Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine AG.

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Voestalpine bereitet sich schon länger auf Verschlechterung vor

Die Voestalpine befasst sich bereits seit dem vergangenen Jahr intensiv mit möglichen Konsequenzen derartiger Maßnahmen auf ihr Geschäft in den USA bzw. auf ihre Beziehungen mit den USA.

Da eine Reihe von Punkten in dem von Trump unterzeichneten Papier noch einer weiteren Präzisierung bedarf und möglicherweise doch bisher noch nicht näher definierte Ausnahmeregelungen folgen könnten, werde dieser Klärungsprozess realistischerweise einige Wochen in Anspruch nehmen, heißt es bei der Voestalpine. Erst danach könne eine entsprechende Vorgehensweise abschließend definiert werden.

Die Voestalpine hat bereits vor einem Jahr eine „Taskforce USA" zur Beobachtung der US-Entwicklungen eingerichtet. Das Team besteht aus elf Mitarbeitern aus den USA und Österreich, welches von US-Rechtsanwaltskanzleien, aber auch US-Partnerunternehmen und politischen Entscheidungsträgern vor Ort unterstützt wird.

Überblick: Voestalpine in den USA

Die Voestalpine-Aktivitäten tragen in den USA mit insgesamt 49 Standorten wesentlich zur regionalen Wertschöpfung sowie einer entsprechenden Arbeitsplatzschaffung und –sicherung bei. Der Konzern hat in den letzten Jahren in den USA konkret 1,4 Milliarden USD in die Herstellung von High-Tech-Produkten investiert und damit rund 3.000 anspruchsvolle lokale Arbeitsplätze mit nachhaltig positiven Effekten generiert.

Die Voestalpine tätigt etwa zwei Drittel ihrer US-Umsätze von rund 1,2 Milliarden Euro (2017) als lokaler Erzeuger in den USA und ist daher mit dem Großteil ihrer Aktivitäten von den geplanten Maßnahmen nicht direkt berührt. In wieweit die übrigen Umsätze von den Importrestriktionen betroffen sind, ist derzeit in eingehender Prüfung.

Maximal drei Prozent des Konzernumsatzes betroffen

Faktum ist damit aber bereits auf Basis dieser Ziffern, dass maximal etwa 3 Prozent des aktuellen Voestalpine-Konzernumsatzes von den US-Zöllen betroffen sein können und das wirtschaftliche Risiko damit selbst in einem Extremfall sehr überschaubar bleibt.
 
Zudem zählt der Voestalpine-Konzern aufgrund seiner technologieorientierten Ausrichtung längst nicht mehr zu den „klassischen" Stahlherstellern und ist auch in den USA ausschließlich Premiumanbieter von hochqualitativen Produkten, die an 23 Produktionsstandorten für anspruchsvollste Industriesektoren gefertigt und bearbeitet werden, d.h. auch nichts mit klassischem Stahl- und Stahlhandelsgeschäft zu tun haben.

Strafzölle für stahlbasiertes Vormaterial

Die 3 Prozent am vom 25-prozentigen Strafzoll möglicherweise betroffenen Konzernumsatz sind überwiegend in Nordamerika nicht oder kaum verfügbare High-Tech-Stähle, aus denen in den USA anspruchsvolle Halbfertig- oder Fertigprodukte erzeugt werden. Dazu zählt etwa aus Österreich importiertes, hochqualitatives Stahlband, das in den USA zu höchstfesten Karosserieleichtbauteilen und Automobilkomponenten weiterverarbeitet wird.

Die dafür zuständige „Voestalpine Automotive Components" in Cartersville (Georgia) gilt dabei mit ihrer phs-Technologie als einer der führenden Hersteller von höchstfesten Leichtbaukomponenten im NAFTA-Raum und beliefert namhafte Automobilproduzenten – vor allem aus Europa – in der Region. Das Vormaterial für diese hochspezialisierten Produkte steht in den USA in dieser Qualität anderweitig nicht zur Verfügung.

Auch anspruchsvolle Nahtlosrohre vor allem für die Öl- und Gasexploration werden nach dem gleichen organisatorischen Muster in Österreich (Kindberg) vorproduziert und in den USA zu Spezialprodukten weiterveredelt. Dabei kommen sowohl der bei dieser Fertigung eingebundene Joint-Venture-Partner als auch die Kunden aus den USA.

Weitere Werkstoffe und Spezialteile für die Öl- und Gasindustrie sowie höchstbelastbare Flugzeugkomponenten aus der High Performance Metals Division haben ebenfalls ihren Ursprung in den europäischen bzw. brasilianischen Voestalpine-Werken. Die Division ist darüber hinaus als Weltmarktführer bei Werkzeugstahl ein wichtiger Partner der US-Werkzeugindustrie und damit ein wesentlicher Faktor für deren Wettbewerbsfähigkeit.

Zwei Drittel der Produktion in den USA von Strafzöllen unberührt

Originäre US-Produktionsstätten sind von den direkten Auswirkungen der Strafzölle nicht berührt. Bekanntestes Voestalpine-Beispiel ist hier der Standort Corpus Christi, Texas. Dort betreibt der Konzern seit 2016 die weltweit modernste und größte Direktreduktionsanlage, die hochqualitatives Vormaterial (Eisenschwamm) für die Stahlerzeugung produziert.

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Beliefert werden damit Kunden weltweit – natürlich in hohem Maße auch im NAFTA-Raum – sowie die österreichischen Voestalpine-Standorte in Linz und Donawitz.

Im Bereich von Eisenbahnweichen ist die Voestalpine mit 7 Standorten ihrer US-amerikanischen Konzerngesellschaft „Voestalpine Nortrak" sogar führender Anbieter in Nordamerika und ebenfalls von den Strafmaßnahmen nicht betroffen.

(red)

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