Eisenschwammproduktion

Voestalpine-Werk in Texas war offenbar sehr viel teurer

Offenbar hat das neue HBI-Werk der Voestalpine in Texas sehr viel mehr gekostet als bisher bekannt, nämlich rund 900 Mio. Euro, so Eingeweihte gegenüber dem "Standard". Die Voestalpine dementiert: Eine endgültige Bewertung der Kosten werde erst mit dem regulären Betrieb möglich sein.

Das neue Voestalpine-Roheisenwerk in Corpus Christi (Texas) soll weitaus mehr Geld verschlungen haben, als die 550 Mio. Euro, die bisher kommuniziert wurden. In Summe schlage die Direktreduktionsanlage zur Erzeugung von Eisenschwamm (HBI) mit "über 1 Milliarde Dollar", also umgerechnet rund 900 Mio. Euro, zu Buche, berichtet "Der Standard" unter Berufung auf Insider.

Plötzlicher Bauboom und massive Regenfälle

Als Gründe für die höheren Ausgaben werde in Voestalpine-Aufsichtsratskreisen der von der Schiefergas-Förderung angeheizte Bauboom in Texas genannt, der die Preise für Baustoffe wie Beton und Eisen in die Höhe getrieben habe.

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Auch die vorbereitende Bodenbearbeitung sei aufwendiger gewesen, als ursprünglich angenommen, zusätzliche Bohrungen seien notwendig gewesen. Hinzu kamen Anfang 2015 Überschwemmungen aufgrund massiver Regenfälle, die die Bauarbeiten wochenlang lahmlegten.

"Richtig ist, dass der Bauboom in Texas in diesem Ausmaß für uns überraschend gekommen ist", räumte Konzernsprecher Peter Felsbach in Reaktion auf den "Standard"-Artikel ein. Alleine in Corpus Christi, einer Stadt etwas größer als Linz, würden aktuell Investitionsprojekte im Volumen von über 40 Mrd. Dollar getätigt. Dass heftige Regenfälle die Bauarbeiten 2015 für einige Wochen lahmlegten, sei bereits bekannt.

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Die Zahlungen der laufenden Projektkosten erfolgten laut Felsbach entsprechend dem Investitionsfortschritt und seien daher auch bereits Teil in den Jahresabschlüssen 2012/13, 2013/14, 2014/15 und 2015/16 gewesen. Im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 werde "noch ein Restbetrag" fällig. "Eine endgültige Bewertung der Kosten wird erst mit dem regulären Betrieb angemessen möglich sein", so Felsbach.

550 Millionen Euro waren die "Basisinvestition"

An der "Basisinvestition" für die Anlage (Stand Projektentscheidung Ende 2012) von rund 550 Mio. Euro seien keine nennenswerten Veränderungen eingetreten. In den vergangenen vier Jahren sei aber naturgemäß bei tagesaktuellen Lieferungen und Leistungen wie Beton, Baustahl, Verrohrungen, Montagen - nicht zuletzt aufgrund des oben erwähnten Baubooms - "eine erhebliche Kosteninflation" eingetreten.

Gleichzeitig erfolgten während der Bauzeit "einige kleinere Ergänzungsinvestitionen", wie dies bei solchen Großvorhaben üblich ist - so etwa eine hochrentierliche Kaltbrikettieranlage mit einem Investitionsvolumen von rund 12 Mio. Dollar zusätzlich. (APA/red)

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