Stahlindustrie

Voestalpine: Stabile Gewinne, eine teure Reparatur - und der Brexit

Der heimische Stahlriese Voestalpine kann beim Gewinn im ersten Quartal das Niveau des Vorjahres halten. Teuer wird es bei einer komplexen Reparatur eines Hochofens in Linz - auch der Brexit sei erstmals spürbar, berichtet Konzernchef Wolfgang Eder.

Der börsennotierte Stahlkonzern Voestalpine hat seinen Gewinn im ersten Quartal 2018/19 auf dem Niveau des Vorjahres gehalten - der Überschuss nach Steuern verharrte bei 294,3 Mio. Euro (plus 0,6 Prozent). Die Hochofen-Großreparatur in Linz reduzierte die Produktionsmenge. Hinzu kommt eine Wartungsunterbrechung in der riesigen HBI-Anlage in Texas, wie das Unternehmen mitteilt.

Insgesamt sei das Marktumfeld zunehmend durch handelspolitischen Protektionismus geprägt - Stichwort Straf- und Vergeltungszölle. Dennoch entwickelten sich die großen Volkswirtschaften im Berichtszeitraum weiter auf hohem Niveau. In Europa hätten sich heuer im ersten Halbjahr allerdings bereits erste ökonomische Auswirkungen des derzeit laufenden EU-Ausstiegs der Briten bemerkbar gemacht.

Heute zum Unternehmen:
Voestalpine gibt das "Kernstück" des Edelstahlwerks in Kapfenberg in Auftrag >>

White Paper zum Thema

Umsatz im Quartal gestiegen

Der Umsatz der Voestalpine stieg im Auftaktquartal des Geschäftsjahres 2018/19, das Ende März 2019 endet, um 6,7 Prozent auf 3,47 Mrd. Euro. Ausschlaggebend dafür war vor allem die beschleunigte Nachfrage aus der Automobilindustrie. Bei der Voestalpine wirkten sich inmitten der "hervorragenden Automobilkonjunktur" die Hochläufe neuer Anlagen in Nordamerika auf den Ertrag aus. Daneben zeigten auch die Abnehmerbranchen Öl- und Gas eine steigende Dynamik, der Bau- und Maschinenbausektor sei robust. Erstmals seit längerem habe auch der Eisenbahninfrastrukturbereich wieder positive Tendenzen gezeigt - allerdings nur im Nachfragevolumen, nicht bei den Preisen, die hier erzielbar sind.

Operatives Ergebnis sinkt

Im operativen Geschäft ließ die Voestalpine im ersten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres etwas nach - der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich geringfügig um 0,2 Prozent auf 513 Mio. Euro, die EBITDA-Marge ging von 15,8 auf 14,8 Prozent zurück. Der operative Gewinn (EBIT) sankt um 1,5 Prozent oder 5 Mio. Euro auf 323,8 Mio. Euro. Die EBIT-Marge verschlechterte sich von 10,1 auf 9,3 Prozent. Der Gewinn je Aktie stieg dennoch um 2,5 Prozent von 1,18 auf 1,21 Euro. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) verbesserte sich im Jahresabstand von 53,8 auf 49 Prozent.

Gute Konjunktur hält bis Ende 2018 an

Die gute Konjunktur wird laut Einschätzung der Voestalpine auch im Herbst und bis zum Ende des Kalenderjahres 2018 anhalten. Die einzige Gefahr sei der zunehmende Protektionismus im internationalen Handel. Für das gesamte Geschäftsjahr 2018/19 rechnet das Management mit einem EBITDA und EBIT "in etwa auf Vorjahresniveau".

Voestalpine, Linz, PCI, Stahl, Stahlindustrie, Oberösterreich © Voestalpine

Teure Großreparatur eines Hochofens in Linz

Die Voestalpine hat über den Sommer eine Hochofen-Großreparatur laufen, die turnusmäßig etwa alle 14 Jahre fällig ist und normalerweise 100 bis 110 Tage dauert. Start war Anfang Juni. Der Eingriff verschlingt Investitionen in Höhe von 180 bis 185 Mio. Euro. Der Gewinn wird dadurch um 150 Mio. Euro gedrückt. "Daran ändert sich nichts", so Konzernchef Eder.

Ursprünglich sollten die Arbeiten Mitte September erledigt sein, jetzt rechnet die Voest mit einer Wiederinbetriebnahme Anfang Oktober, also etwa zwei Wochen später. "Wir sind nicht weit weg von diesem Idealterminplan 100 bis 110 Tage", so der Konzernchef. Der Unsicherheitsfaktor sei immer der Beginn der Reparatur, der sogenannte "Sauabstich", wenn der Hochofen nach über einem Jahrzehnt aufgemacht wird. "Bei diesem 'Sauabstich' haben wir einige Tage länger gebraucht, den Hochofen auszuräumen", berichtete Eder. Die Herausforderung sei immer diese erste Phase, wenn man den Hochofen öffnet. "Diese Überraschungen haben sich in Grenzen gehalten."

"Jetzt sind wir in einem Aufholprozess"

Die Reparaturkosten werden den Angaben zufolge zum Teil mit positiven Entwicklungen in anderen Geschäftsbereichen kompensiert. "Die negativen Auswirkungen auf das Ergebnis belaufen sich auf etwa 150 Mio. Euro", bekräftigte der Voestalpine-Chef frühere Angaben. "Wir haben erste Auswirkungen in dieser Richtung", meinte er im Hinblick auf das Quartalsergebnis, das heute präsentiert wurde und das trotz höherer Umsätze auf Vorjahresniveau verharrte.

"Am Anfang haben wir einige Tage verloren, jetzt sind wir in einem Aufholprozess", so Eder. Aus jetziger Sicht rechnet er bis spätestens 5. Oktober mit der Wiederinbetriebnahme des Hochofens. Bis dahin stehen die Produktionskapazitäten nicht zur Verfügung.

Politics, referenda, TOPSHOTS, Horizontal, Brexit, England, Grossbritannien, Britannien, London © LEON NEAL / AFP / picturedesk.com

Eder: Zum ersten Mal wirkt sich der Brexit aus

Welche wirtschaftlichen Folgen der EU-Austritt der Briten genau nach sich zieht, kann zurzeit noch niemand abschätzen. "Das ist auch abhängig davon, ob es zu einem harten Brexit oder einem vernünftig ausverhandelten Brexit kommt", so Eder. Erste Auswirkungen gebe es aber bereits.

Die Voestalpine beschäftigt weltweit rund 52.000 Mitarbeiter und betreibt in Großbritannien sieben Produktionsstandorte. "Die Entwicklung der Umsätze und der Erwartungen ist in England anders als in der Europäischen Union", so Eder. "Jetzt sehen wir erstmals wirkliche Auswirkungen." Kundenzurückhaltung ortet er etwa im Automobilbereich, "wo die Zulassungen in Europa steigen, in England haben wir sinkende Zahlen".

Dasselbe gelte für den Baubereich, in dem die Voest in England den Angaben zufolge 350 Mitarbeiter unter Vertrag hat. "Die Intensität der Neuaufträge lässt nach und in der britischen Industrie spürt man generell Verunsicherung", stellte der Konzernchef fest. "Man spürt, dass es ernst wird, und dass die Menschen vorsichtiger werden."

Für die Voestalpine selbst gab Eder vorerst vorsichtige Entwarnung: "Wenn man die Auftragsbücher ansieht, sollten wir heuer davon keine negativen Konsequenzen haben." Für das kommende Jahr bleibe abzuwarten, ob es zu einem harten Brexit kommt oder nicht. (APA/red)

Verwandte tecfindr-Einträge