Metallverarbeitung

Voestalpine: Neues Zentrum für additive Fertigung in Düsseldorf

Die Linzer wollen die komplexe Technologie des 3D-Drucks mit Metall in einem neuen Forschungszentrum in Düsseldorf weiter vorantreiben. Die speziellen Metallpulver liefern die Tochterfirmen Böhler Edelstahl und Uddeholms AB. Auch eine Erweiterung nach Nordamerika und China sei geplant, so Konzernchef Wolfgang Eder.

In der Special Steel Division am Standort Düsseldorf sind rund 750 Mitarbeiter tätig. Der Jahresumsatz betrug zuletzt etwa 310 Millionen Euro.

Bei der Suche nach neuen Technologien will die Stahlbranche künftig verstärkt auf das 3D-Drucken mit metallischen Werkstoffen setzen. Am Mittwoch startete der Linzer Stahlkonzern Voestalpine in Düsseldorf ein Forschungszentrum für die neue Technologie ("Additive Manufacturing Center"). Ziel sei eine bessere Nutzung der neuen Technologie, erklärte Voestalpine.

Während der 3D-Druck auf Basis von Kunststoff längst Serienreife erreicht habe, stehe die weitaus komplexere Herstellung von metallischen Produkten noch ganz am Anfang. Der für den Prozess notwendige Werkstoff, ein speziell hergestelltes Metallpulver, soll von von den Tochterunternehmen Böhler Edelstahl (Österreich) sowie Uddeholms AB (Schweden) geliefert werden.

Die Voestalpine wolle auch in Zukunft bei der Entwicklung neuer Produktionsverfahren ganz vorne mit dabei sein, kündigte Vorstandschef Wolfgang Eder an. In einem nächsten Schritt sei eine Erweiterung um Kooperationen oder Standorte in Nordamerika und China geplant. Das für den Prozess notwendige Metallpulver werde von Gesellschaften aus Österreich und Schweden geliefert.

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Anwendungen im Autorennsport, Flugzeugbau und der Raumfahrt

Genutzt werden könne das neue Verfahren etwa zur Herstellung von Prototypen oder von Ersatzteilen für den Autorennsport, die so in Kleinserien wirtschaftlicher als bisher direkt vor Ort hergestellt werden könnten, teilte Voestalpine mit. Attraktiv sei das Verfahren auch für die Produktion gewichtssparender Bauteile für die Luft- und Raumfahrtindustrie. In der Medizintechnik sei ferner die Herstellung von individualisierten Hüftgelenken möglich.

Auch der größte deutsche Stahlkonzern Thyssenkrupp will ein Entwicklungszentrum für 3D-Druck eröffnen. Start werde in wenigen Wochen sein, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Nach einem Standort in Nordrhein-Westfalen werde noch gesucht.

Additive Fertigung bei Metall: Hochkomplexe Technologie

Die additive Fertigung, auch 3D-Druck genannt, ermöglicht die individuelle und flexible Umsetzung von Bauteilen mit völlig neuen Formen und Funktionalitäten, etwa Werkstücken mit Hohlräumen oder bionischen Strukturen, in nur einem Produktionsschritt.

Während der 3D-Druck auf Kunststoffbasis längst die Serienreife erreicht hat, steht die weitaus komplexere Herstellung von metallischen Produkten in diesem Prozess (Metal Additive Manufacturing) noch am Anfang.

Generell werden bei der additiven Fertigung Bauteile auf Basis eines 3D-Modells schichtweise aufgebaut. Im Gegensatz zu den klassischen Fertigungsverfahren wie Drehen und Fräsen aus einem Metallblock kommt es dabei zu keinem Materialverlust.

Als Ausgangsprodukt für Metal Additive Manufacturing dient Metallpulver in entsprechender Aufbereitung, etwa Edelstähle, Werkzeugstähle, Nickelbasis-, Titan- oder Kobalt-Chrom-Legierungen.

Voestalpine will am neuen Forschungszentrum auch neue Kennntnisse in der Produktion von Pulvern sammeln, die speziell für den Einsatz im 3D-Metalldruck geeignet sind. Dafür investieren die Linzer bei den Tochtergesellschaften Böhler Edelstahl in Österreich sowie Uddeholms AB in Schweden in spezielle Pulververdüsungsanlagen.

Der dort produzierte Werkstoff wird dann im voestalpine Additive Manufacturing Center in Düsseldorf mittels 3D-Druckern zu fertigen Bauteilen verarbeitet.

Chancen in spezialisierten Nischensegmenten

Das Zukunftspotenzial von Metal Additive Manufacturing liegt vor allem in Spezialanfertigungen und komplexen Bauteilen. In der Automobilindustrie etwa können damit Ersatzteile, Prototypen, Teile für Kleinserien oder den Rennsport wirtschaftlicher als bisher und direkt am Ort des Bedarfs hergestellt werden.

Attraktiv ist das Verfahren dank neuer Bauteilgeometrien auch für die Produktion gewichtssparender Luft- und Raumfahrtkomponenten. In der Medizintechnik eröffnet die individualisierte Fertigung von Implantaten wie etwa Hüftgelenken neue, effizientere und schonendere Behandlungsmöglichkeiten. Im Werkzeugbau ermöglicht der 3D-Druck hochkomplexe Formen, beispielsweise mit integrierten Kühl- und Temperierkanälen.

Eckdaten zur Voestalpine am Standort Düsseldorf

Düsseldorf ist einer der zentralen Standorte der Special Steel Division in Deutschland. Neben dem voestalpine Additive Manufacturing Center, finden sich hier auch die Tochterunternehmen Voestalpine Edelstahl Deutschland GmbH, Voestalpine Edelstahl Wärmebehandlung GmbH, Böhler-Uddeholm Deutschland GmbH, eifeler Werkzeuge GmbH und eifeler-Vacotec GmbH.

Die Division verfügt vor Ort über ihr Kompetenzzentrum für den 3D-Druck und den Bau der eigenen eifeler-Beschichtungsanlagen. Außerdem betreibt Voestalpine in Düsseldorf die größte Stahllogistik-Abteilung Europas und einen der größten Wärmebehandlungsöfen Deutschlands.

Rund 750 Mitarbeiter sind in der Special Steel Division am Standort Düsseldorf tätig. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug der Umsatz etwa 310 Millionen Euro.

(red/apa/dpa)

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