Stahlindustrie

Voestalpine-Manager Bernscher übernimmt Führung von British Steel

Der Voestalpine-Manager Peter Bernscher wechselt von der Geschäftsleitung der Division Metal Forming in Krems zum britischen Stahlhersteller British Steel - hier die Hintergründe.

Der Voestalpine-Manager Peter Bernscher wechselt von der Geschäftsleitung der Division Metal Forming in Krems zum britischen Stahlhersteller British Steel. Bernscher übernimmt bei British Steel ab Anfang Mai die Aufgabe des Konzernchefs, wie das Unternehmen mitteilt.

Bernscher absolvierte die Universität Linz und die Linzer Management Akademie. Der 48-Jährige war 30 Jahre lang für die Voestalpine tätig, unter anderem als Leiter der Voestalpine Polynorm in den Niederlanden.

"Peter Bernscher ist dieser Richtige"

"Wir haben uns mit der Suche eines Konzernchefs Zeit gelassen, weil wir die richtige Person finden wollten - und Peter Bernscher ist dieser Richtige", so Roland Junck, der das Unternehmen noch bis Jahresende gemeinsam mit Bernscher führend wird.

In den "Oberösterreichischen Nachrichten" wird Bernscher mit der Aussage zitiert, die Umstrukturierung von British Steel habe ihn "tief beeindruckt": "Das Erbe der Marke und der frische Zugang zum aktuellen Geschäft waren für mich ein wichtiger Grund, das Angebot anzunehmen."

British Steel: Ein seinerzeit stolzer Name

Tatsächlich handelt es sich um eine stolze Marke - allerdings sieht die jüngere Vergangenheit des Unternehmens mehr als durchwachsen aus.

Vor genau 50 Jahren fusionierten mehrere staatliche Stahlwerke zu einem Konzern, den die konservative Premierministerin Margaret Thatcher dann 1988 privatisierte. 2007 übernahm der indische Großkonzern Tata die Gruppe. Im vergangenen Frühjahr verkündete Tata wiederum, ganz aus dem Stahlgeschäft in Großbritannien mit 15.000 Beschäftigten aussteigen zu wollen. Ein Teil dieses Plans sind die bis heute andauernden Verhandlungen mit Thyssenkrupp über eine Zusammenlegung von Standorten in Europa.

Finanzfirma zahlt einen Pfund als Kaufpreis

Für die Sparte "Long Products Europe" im nordenglischen Scunthorpe mit 4.400 Beschäftigten fand sich relativ zeitnah ein Käufer, allerings keiner aus der Branche - sondern die Finanzfirma Greybull Capital. Sie zahlte den Indern einen Kaufpreis von einem Pfund, jedoch verbunden mit Investitionszusagen von umgerechnet 500 Millionen Euro. Die Sparte bekam den altehrwürdingen Namen "British Steel", der vor zwei Jahrzehnten aus dem Firmenregister verschwand.

Niedergang im Mutterland der Industrialisierung

Tatsächlich veranschaulicht die Firmengeschickte von British Steel auch die Entwicklung der einst so stolzen Stahlindustrie im Mutterland der Industrialisierung. Mit der Politik der Konservativen unter Thatcher habe in den 1980er Jahren der Niedergang der Branche eingesetzt - und er halte bis heute an, sagen Kritiker.

Auch für das Abstimmungsergebnis pro Brexit machen viele Beobachter die Linie des konservativen Premierministers David Cameron gegenüber der Stahlindustrie mitverantwortlich. Cameron habe nicht genug für den Schutz dieser Branche getan, sagen sie.

Heute ist Cameron Geschichte, die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens wird es bald sein. British Steel dagegen könnte die gegenwärtigen Turbulenzen des Marktes überleben - wenn alles gut geht.

(red)

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