Stahlindustrie

Voestalpine halbiert den Gewinn - Schuld ist nicht nur die Konjunktur

Der Nettogewinn des Linzer Stahlkonzerns hat sich in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres halbiert. Neben der sich eintrübenden Konjunktur sind einige Probleme durchaus hausgemacht.

Gewinn eingebrochen: Die Konjunktur spielt der Voestalpine nicht mehr in die Hände.

Die gute Nachricht zuerst: Die Umsatzerlöse des Linzer Stahlkonzerns Voesalpine sind in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2018/2019 um 5,2 Prozent auf knapp 10 Mrd. Euro gestiegen. Doch das operative Ergebnis (EBIT) fiel im gleichen Zeitraum um 37 Prozent, der Nettogewinn sank um rund 50 Prozent von 556 auf 276 Mio. Euro. Ein Grund: Die Konjunktur spielt der Voestalpine - der Vormaterialienhersteller spürt gesamtwirtschaftliche Veränderungen relativ früh - nicht mehr in die Hände. Nach einer "soliden wirtschaftlichen Entwicklung" im ersten Geschäftshalbjahr hätten sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen im dritten Quartal "eingetrübt" sagt Voestalpine-CEO Wolfgang Eder bei der Präsentation der Zahlen. Die Energie- und Rohstoffpreise seien gestiegen. Der Konzern hat zudem Auswirkungen der globalen Handelskonflikte laut Eigenangaben erstmals deutlich zu spüren bekommen. Hinzu kommt "die zunehmende Eskalation um den EU-Ausstieg Großbritanniens".

Linz, Corpus Christi, Bonn.

Doch neben gesamtwirtschaftlichen Bedingungen sind nur ein Teil der Erklärung, einige Umstände sind hausgemacht: Neben der umfassende Erneuerung eines Großhochofens in Linz im Sommer kam es im Herbst zu unwetterbedingten Produktionseinstellungen im HBI-Werk im texanischen Corpus Christi. Zudem ist die Voestalpine in Deutschland mit schwerwiegenden Kartellvorwürfen im Bereich Grobbleche konfrontiert. Aufgrund der Ermittlungen des Bundeskartellamtes in Bonn mussten entsprechend hohe Rückstellungen gebildet werden. Daneben drückten "signifikant höhere Hochlaufkosten" am US-Automotive-Standort Cartersville und "eine damit verbundene Rückstellung aufgrund externer Auftragsverlagerungen" auf den Gewinn.

Der Gewinn je Aktie (EPS) sackte von 2,95 auf 1,40 Euro ab. Gestiegen sind dafür der Umsatz und der Personalstand. Die Verkaufserlöse erhöhten sich um 5,2 Prozent auf 9,95 Mrd. Euro, die Zahl der Mitarbeiter (per Ende Dezember 2018) wurde um 1,6 Prozent auf weltweit 51.472 ausgeweitet. Den Ergebnisausblick für das gesamte Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende März) hat die voestalpine Mitte Jänner (nach einer ersten Gewinnwarnung im Herbst) erneut zurückgestutzt - statt eines operativen Gewinns (EBIT) in Höhe von knapp 1 Mrd. Euro sei nun nur noch mit 750 Mio. Euro zu rechnen. Ursprünglich war der Konzern von 1,18 Mrd. Euro ausgegangen.

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