Stahlindustrie

Voestalpine Grobblech gewinnt größten Auftrag ihrer Firmengeschichte

Die Voestalpine meldet einen neuen Großauftrag - die Lieferung von "mehreren hunderttausend Tonnen Spezialbleche" für den Bau der russisch-europäischen Gasröhre "Nord Stream II". Der Lieferumfang liege sogar über den zuvor erwarteten 200.000 Tonnen.

Der Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine hat sich einen weiteren Auftrag beim russisch-europäischen Ostsee-Gaspipeline-Projekt "Nord Stream II" gesichert. Geliefert werden "mehrere hunderttausend Tonnen Spezialbleche, wie das Unternehmen mitteilt. Der Lieferumfang liegt damit deutlich über den kürzlich geäußerten Erwartungen von "möglicherweise sogar über 200.000 Tonnen".

"Das ist der höchste Auftrag im Bereich Grobbleche, den wir je hatten", sagte Konzernchef Wolfgang Eder bei einem Medientermin am Donnerstag in Wien. "Das wird sicher für eine gute Auslastung sorgen. Jetzt können wir bezüglich weiterer Aufträge in diesem Bereich sehr viel selektiver vorgehen."

Eder: "Der höchste Auftrag im Bereich Grobbleche, den wir je hatten"

Die Linzer haben bereits für "Nord Stream I", den ersten Teil der Gasröhre durch die Ostsee, hochfeste Röhrenbleche geliefert. Damals produzierte die Voestalpine Grobblech GmbH, ein Teil des Konzernbereichs Steel Division, 170.000 Tonnen hochfeste Röhrenbleche im Auftragswert von rund 60 Mio. Euro. Der Bau der Pipeline, die Erdgas vom sibirischen Gasfeld Juschno-Russkoje unter Umgehung mehrerer Transitländer direkt nach Ostdeutschland pumpt, wurde 2011 eingeweiht und 2012 in Betrieb genommen.

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Auch der Folgeauftrag zum Bau von "Nord Stream II", der Erweiterung der Röhre um zwei weitere Stränge, wird gemeinsam mit dem strategischen Partner, dem russischen Rohrspezialisten OMK, abgewickelt. Lieferzeitraum ist August 2016 bis Februar 2018. Die OMK habe seitens der Betreibergesellschaft zuletzt den Zuschlag für ein Drittel des Gesamtauftragsvolumens von "Nord Stream II" erhalten, teilte die Voestalpine mit.

Das Großprojekt ist in Europa nicht unumstritten, da es die Abhängigkeit von Russland als Energielieferant massiv erhöht und auf viele Jahre festigt. Eine endgültige politische Zusage auf EU-Ebene steht noch aus. Der russische Staatsmonopolist Gazprom ist bei der Errichtung der Gaspipeline Nord Stream II federführend; der österreichische Mineralölkonzern OMV sowie vier weitere westliche Unternehmen sind mit jeweils zehn Prozent an dem Baukonsortium beteiligt. Mehr zu Verhandlungen zwischen der OMV und Gazprom hier.

Grobblechproduktion der Voestalpine solide ausgelastet

Bei der Voestalpine überwiegt die Freude über den Zuschlag bei diesem Großauftrag, zu dem es bereits im Vorfeld dahingehende Gerüchte gab. "Angesichts des aktuell hoch kompetitiven Marktumfeldes bei Investitionen in der Öl- und Gasindustrie ist dieser Großauftrag äußerst erfreulich", so Herbert Eibensteiner, der für die Steel Division verantwortliche Vorstand bei der Voestalpine.

Und die Auslastung bei dieser Abteilung der Steel Division ist derzeit durchaus positiv. So sorgte im Vorjahr ein Auftrag über 95.000 Tonnen Röhrenbleche für ein Erdgasprojekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten für eine solide Auslastung. Zuvor hatten noch Lieferungen an das brasilianische Pipelineprojekt „Rota 3“ für eine weitgehende Vollbeschäftigung gesorgt. Die Voestalpine lieferte dabei für die Tiefseepipeline zu einem der größten Ölfelder der Welt nahe Rio de Janeiro 117.000 Tonnen an Röhrenblechen.

Eckdaten zum Unternehmen

Die Voestalpine Grobblech GmbH ist weltweit tätig und auf den Energiesektor fokussiert. Nach eigenen Angaben ist es der größte Hersteller von walzplattierten Blechen und Böden in Europa. Mit knapp 700 Mitarbeitern setzte Voestalpine Grobblech zuletzt 676 Millionen Euro im Jahr um. Die Exportquote betrug 84 Prozent.

Das Produktportfolio umfasst sauergasbeständige Röhrenbleche und hochfeste Tiefseebleche für den Pipelinebau sowie Konstruktionsstähle für Offshore-Plattformen. Das Unternehmen produziert auch Mantelbleche und Böden für den Kesselbau und beliefert auch die Fahrzeug-, Kran- und Bergbauindustrie mit hochfesten und verschleißfesten Stählen.

(red)

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