Stahlindustrie

Voestalpine als Kronzeuge: Kartellstrafe gegen sechs Edelstahlkonzerne

Das deutsche Kartellamt hat eine Millionenstrafe gegen sechs Edelstahlkonzerne verhängt. Die oberösterreichische Voestalpine tritt als Kronzeuge auf und bleibt deshalb straffrei.

Das deutsche Bundeskartellamt hat gegen sechs Edelstahlunternehmen, einen Branchenverband und zehn verantwortliche Personen eine Geldstrafe von in Summe rund 205 Mio. Euro wegen illegaler Preisabsprachen und des Austauschs wettbewerblich sensibler Informationen verhängt, wie die Behörde mitteilt. Die Voestalpine diente als Kronzeuge und geht daher straffrei aus.

Kronzeugenantrag von der Voestalpine

Das Kartellverfahren wurde mit einer branchenweiten Razzia im November 2015 infolge eines Kronzeugenantrags des oberösterreichischen Stahlkonzerns, zu dem der ehemals eigenständige Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm gehört, eingeleitet. "In Anwendung der Bonusregelung des Bundeskartellamtes wird gegen die voestalpine keine Geldbuße verhängt", erklärte die Behörde.

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Um diese Firmen geht es

Bei den betroffenen Unternehmen handelt es sich um die ArcelorMittal Commercial Long Deutschland GmbH (Köln), die Dörrenberg Edelstahl GmbH (Engelskirchen), die Kind & Co. Edelstahlwerke GmbH & Co.KG (Wiehl), die Saarstahl AG (Völklingen), die Schmidt + Clemens GmbH + Co. KG (Lindlar) und die Zapp Precision Metals GmbH (Schwerte). Weiters abgestraft wurde die zwischenzeitlich aufgelöste Edelstahl-Vereinigung e.V.

Gegen vier weitere Unternehmen und einen Verband dauern die Ermittlungen laut Bundeskartellamt noch an.

Untersuchungen auch bei Autozulieferern

Das deutsche Kartellamt hat seit längerem die Stahlunternehmen im Visier. Seit Ende 2015 läuft ein Verfahren im Bereich Edelstahlproduktion und -vertrieb. Im Sommer 2016 wurden sechs Firmen im Bereich des Einkaufs von Stahl durch die Automobil- und Automobilzulieferindustrie durchsucht. Im Juni 2017 durchleuchtete die Behörde drei Autozulieferer aus der Schmiedebranche.

Hohe Strafen möglich

Theoretisch kann das Kartellamt Firmen mit bis zu 10 Prozent ihres Jahresumsatzes belangen - in der Praxis schöpft die Behörde diesen Rahmen aber nicht aus. Die konkrete Höhe des Bußgeldes ist abhängig von der Schwere und der Dauer der Tat.

Rekordbußgelder in einer Höhe von mehr als 700 Mio. Euro verhängte die Behörde etwa 2003 gegen die Mitglieder eines Zementkartells. Gerichte reduzierten die Strafsumme später aber deutlich auf rund 400 Mio. Euro. (APA/Reuters/red)

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