Klimawandel

Voest-Chef Eder: "Europa kann die Welt nicht sanieren"

"Europa kann die Welt nicht sanieren", sagt Voest-Chef Eder und fordert einmal mehr klarere Vorgaben bei CO2. China ist inzwischen der mit Abstand größte und USA der zweitgrößte Emittent von Klimagasen. Hierzulande kommt der größte Anteil von der Voest.

China ist der mit Abstand größte und die USA inzwischen der zweitgrößte Emittent von Klimagasen. Europa ist mit "nur" zehn Prozent am weltweiten Ausstoß beteiligt. In Österreich entfällt die Hälfte des gesamten Ausstoßes des Landes auf die Voestalpine.

"Europa kann die Welt nicht sanieren", meint dazu Wolfgang Eder, Vorstandschef des oberösterreichischen Stahlkonzerns Voestalpine. Einmal mehr fordert Eder mehr Klarheit bei den Vorgaben zu den Emissionen. 

Auf der Weltklimakonferenz COP24 in der polnischen Stadt Katowice wird dieser Tage um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens gerungen. "Es ist die Stimmung dort eigentlich erstaunlich positiv", meinte Voestalpine-Chef Wolfgang Eder kürzlich in Wien. Die Erklärung des US-Präsidenten Donald Trump, aus dem Abkommen aussteigen, tritt offenbar in den Hintergrund. Die interessante Frage werde sein, ob es in den USA eine völlige Abwendung vom Pariser Abkommen geben werde oder nicht. Trump hat den Austritt aus dem Pariser Abkommen erklärt, der allerdings noch nicht wirksam ist.

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China, USA, und weit dahinter Europa

Die USA seien der weltweit zweitgrößte CO2-Emittent - nach China. Europa hingegen sei nur für weniger als 10 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. "Europa kann die Welt nicht sanieren", sagte der Vorstandschef des oberösterreichischen Stahlkonzerns.

"Was wir (die Stahlindustrie, Anm.) in Europa dringend brauchen, sind klare Rahmenbedingungen - wir halten eine Dauerdiskussion über permanente Verschärfungen nicht aus." Man müsse sich "in absehbarer Zeit festlegen, was die Benchmarks sind". "Bis 2030 sind die Dinge klar", dazu habe sich die Stahlindustrie auch festgelegt, so Eder.

Hälfte industrieller Emissionen Österreichs kommt allein von der Voestalpine

Die Voestalpine sei "für die Hälfte des industriellen CO2-Ausstoßes in Österreich verantwortlich". Zur Vorstellung, die CO2-Emissionen im Vergleich zu heute um 30 bis 50 Prozent senken zu können, meinte Eder: "Vor 2040 sicher nicht." Zum 80-Prozent-Ziel der EU sei er "skeptisch - es sei denn, man stellt uns 50 Prozent des österreichischen Strombedarfs zur Verfügung". Die Stahlindustrie zählt ebenso wie etwa die Zementindustrie zu den energieintensivsten Industriezeigen und damit auch zu den größten Umweltverschmutzern.

Wasserstoff als Hoffnungsträger

Die Voestalpine forscht intensiv an umweltfreundlicheren Technologien. Im Frühling nimmt der Konzern in Kooperation mit anderen Partnern wie etwa Siemens und dem Verbund am Standort Linz eine Wasserstoffpilotanlage in Betrieb.

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Der Konzern will Wasserstoff anstelle von Kohle und Koks in der Stahlindustrie einsetzen. "Aber mit wie wenig Koks man am Ende auskommen kann, das wissen wir noch nicht", räumte Eder ein. Wenn sich die Anlage bewähre, werde das Unternehmen in fünf oder sechs Jahren eine etwa zehn Mal so große bauen und in 15 Jahren eine "große industrielle Anlage" mit größeren Auswirkungen auf die CO2-Emissionen.

Extreme Verbesserungen in den letzten Jahren

In den vergangen 25 Jahren hat die Voestalpine ihre Staubemissionen laut Eder um 95 Prozent gesenkt und die spezifischen CO2-Emissionen um 22 Prozent. "Das heißt, da ist wahnsinnig viel weitergegangen - jedes Prozent erfordert unglaubliche Forschung und Entwicklung", betonte der Voest-Chef. Die Klimaziele geben aber weitere Reduktionen vor.

"Mit herkömmlichen Technologien geht das nicht - wir brauchen die 'Breakthrough-Technologie' (den technologischen Durchbruch, Anm.)", so Eder. Positiv vermerkte der Konzernboss, dass die EU die Forschung in der Stahlindustrie massiv fördere. "Wir brauchen einen Schwenk in Richtung neue Technologien." (apa/red)

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