Rohstoffindustrie

Virus-Sorgen versetzen Rohstoffmärkte in Aufruhr

An den Rohstoffmärkten ist der von der Hoffnung auf ein Abflauen der Coronakrise getragene Konjunkturoptimismus verflogen. Was nun gegen den aufkommenden Pessimismus getan wird.

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Stattdessen macht sich plötzlich eine zunehmend pessimistische Stimmung breit, was massive Preiseinbrüche bei wichtigen Rohstoffen zur Folge hat. Vor allem die schnelle Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus treibt den Anlegern die Sorgenfalten auf die Stirn.

Unter anderem hat China für den Welthandel wichtige Hafenanlagen geschlossen, als Coronafälle aufgetreten waren. Der Konjunkturpessimismus trifft nahezu alle Anlageklassen auf dem weltweiten Rohstoffmarkt.

Vergleichsweise heftig fällt der Einbruch der Ölpreise aus. Seit der Wochenmitte hat die jüngste Talfahrt der Ölpreise wieder Fahrt aufgenommen. In zwei Handelstagen sackte der Preis für US-Öl mittlerweile um fast 4 Dollar und erreichte zeitweise den tiefsten Stand seit Mai. Mit der Notierung für Öl aus der Nordsee ging es seit Mittwochnachmittag auch um etwa 4 Dollar nach unten. Am Donnerstag erreichte der Brent-Preis bei 65,90 Dollar (56,21 Euro) ebenfalls den tiefsten Stand seit Mai.

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Dollar profitiert von Coronakrise und wird immer stärker

Hinzu kommt, dass der Dollar von den Coronasorgen profitieren kann. Die Anleger setzen verstärkt auf die US-Währung, die als vergleichsweise sicher gilt. Die Folge: Die Weltreservewährung gewinnt im Handel mit allen anderen wichtigen Währungen an Stärke. Da viele Rohstoffe auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt werden, verteuert ein starker Dollar Rohstoffe in Ländern außerhalb des Dollarraums und bremst so die Nachfrage.

Ein weiteres Alarmsignal für den Handel mit Rohöl hängt ebenfalls mit der Entwicklung in den USA zusammen. Die US-Regierung meldete einen für Experten überraschenden Anstieg der Benzinreserven in der vergangenen Woche. Das ist ungewöhnlich, weil die Nachfrage nach Treibstoff an den US-Tankstellen in den Ferienmonaten in der Regel vergleichsweise hoch ist. Auch hier zeigten sich die Folgen der Corona-Krise. "Bis auf wenige Wochen lag die Benzinnachfrage niedriger als vor der Pandemie", erklärte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Pessimismus macht sich breit

Auch beim Handel mit Industriemetallen macht sich plötzlich Pessimismus breit. Einen besonders starken Einbruch zeigte sich am Donnerstag bei den Notierungen für Eisenerz. An der Börse in Singapur brach der Preis für eine Tonne Eisenerz um 10 Prozent auf 134 US-Dollar ein.

Beim Preisrutsch für Eisenerz spielen zudem politische Entscheidungen in China eine Rolle. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt will die Stahlproduktion drosseln. Mit der Aufforderung an Stahlwerke des Landes, die Produktion zu senken, sollen Emissionen eingedämmt werden. Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Ole Hansen von der dänischen Saxo Bank ist der Handel mit Eisenerz generell besonders abhängig von der Entwicklung in China. Wenn sich die Wirtschaftsleistung hier abschwäche, gerate Eisenerz "sofort in die Schusslinie".

Aber auch bei den übrigen Industriemetallen zeigten sich mehr oder weniger starke Preisrückgänge. Überdurchschnittlich heftig fielen die Verluste auch bei Kupfer aus. Hier rutschte die Notierung bis auf 9.000 Dollar je Tonne und damit auf den tiefsten Stand seit April.

Noch ruhen die Hoffnungen vieler Anleger an den Rohstoffmärkten auf dem robusten Aufschwung in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt. Hier sorgen umfangreiche staatliche Hilfsprogramme für einen Anstieg der Wirtschaftsleistungen. Allerdings droht eine entscheidende Stütze des Aufschwungs in den USA wegzubrechen. Die US-Notenbank Fed hat zuletzt mehr oder weniger deutliche Signale geliefert, die auf einen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik hindeutet. Damit dürfte ein weiterer Preistreiber für die Rohstoffmärkte an Kraft verlieren. (apa/red)

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