Justiz

Vier Kärntner haben illegal tausende Tonnen Baumaterial verkauft

In Klagenfurt sind drei Kärntner verurteilt worden, weil sie im großen Stil Schotter verkauft haben - illegal. Das Urteil gegen Mitarbeiter eines Steinbruchs, einen Lkw-Fahrer und einen Bauunternehmer ist nicht rechtskräftig.

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Wegen Untreue sind vier Kärntner am Landesgericht Klagenfurt zu Geldstrafen und drei von ihnen auch zu bedingten Haftstrafen verurteilt worden. In dem Prozess war es um im großen Stil abgezweigten und weiterverkauften Schotter gegangen. Die Angeklagten waren geständig, die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Illegaler Verkauf lief über drei Jahre

Ein Disponent eines Steinbruchs, ein Lkw-Fahrer und drei Bauunternehmer hatten sich vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Christian Liebhauser-Karl verantworten müssen. Während sich zwei der Unternehmer - genauso wie der Disponent und der Kraftfahrer - schuldig bekannten, beteuerte einer der Unternehmer seine Unschuld. Der Prozess gegen ihn wurde ausgeschieden und wird an einem anderen Termin fortgesetzt.

Dreieinhalb Jahre lang war das illegale Geschäft mit mehreren 1.000 Tonnen Baumaterial gelaufen. Der Disponent, der für den Handel mit Schotter und Steinen zuständig war, hatte laut Anklage insgesamt 781 Fahrten auf eigene Faust in Auftrag gegeben, das Geld dafür selbst eingesteckt und mit dem beteiligten Lkw-Fahrer geteilt. Dem Betrieb sei ein Schaden von mindestens 165.000 Euro entstanden, rechnete am Donnerstag ein Sachverständiger vor.

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Geständnis vor dem Chef vor zwei Jahren

Im Jahr 2016, als die Geschichte aufzufliegen drohte, hatte der Haupttäter ein umfassendes Geständnis abgelegt - und zwar zuerst direkt vor seinem Chef. Die angeklagten Unternehmer hätten bei ihm angefragt, ob sie den Schotter denn nicht stark verbilligt bekommen könnten - so habe alles begonnen, sagte der Haupttäter aus. Seine Taten habe er sehr leicht verschleiern können, erzählte er: "Zu Spitzenzeiten hatten wir 400 Fuhren am Tag, da habe ich eine oder zwei von meinen durchgeführt." Dabei sei ihm auch zugutegekommen, dass das EDV-System der Firma, mit der die Aufträge für die Fuhren erteilt werden konnten, manipulierbar war.

Die Aussage des Disponenten hatte die Sache erst ins Rollen gebracht. Seine Ehrlichkeit hatte damals auch seinen Chef beeindruckt: Der Angeklagte arbeitet nach wie vor als Disponent in dem Steinbruch und hat bereits 55.000 Euro Schadenswiedergutmachung geleistet.

Nachdem sich der angeklagte Lkw-Fahrer und einer der Unternehmer am ersten Verhandlungstag im Mai nur teilweise schuldig bekannt hatten, änderten die beiden ihre Verantwortung und waren geständig.

Diese Geständnisse wurden auch als mildernd anerkannt, sagte Liebhauser-Karl in seiner Urteilsbegründung. Dennoch habe der Disponent als Drahtzieher seine Taten unter "Ausnützung eines Vertrauensverhältnisses" begangen, was erschwerend ins Gewicht fiel. "Es gibt also zwei Seiten der Medaille - einer sehr dunkle und eine helle, von der zu hoffen ist, dass sie auch so bleibt", so der Richter.

Der Disponent wurde zu einer Geldstrafe von 5.600 Euro und sechs Monaten bedingter Haft verurteilt, der Lkw-Fahrer und einer der Unternehmer zu 2.200 Euro Geldstrafe und vier Monaten bedingter Haft. Der andere Unternehmer, "das kleinste Rad", so Liebhauser-Karl, fasste 2.400 Euro Geldstrafe aus.

Die Angeklagten nahmen die Urteile an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. (apa/red)

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