Autoindustrie

"Very bad": Schwere Irritationen in Berlin nach Trumps Aussage

"Fürchterlich. Wir werden das stoppen", soll US-Präsident Trump gesagt und damit auf die Autoindustrie in Deutschland gezielt haben - oder auf die Wirtschaft des Landes insgesamt? Bei einer Nachfrage jedenfalls sagt Trump einfach kein Wort.

US-Präsident Donald Trump soll nach Medienberichten bei einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk mit Blick auf den Handelsüberschuss und insbesondere dem Absatz deutscher Autobauer in den USA gesagt haben, dies sei "bad, very bad".

Der "Spiegel" hatte Trump unter Berufung auf Teilnehmer des Spitzengesprächs mit Trump mit den Worten weiter zitiert: "Schauen Sie sich die Millionen von Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen."

Trump nimmt derzeit am G-7-Gipfel in Taormina in Sizilien teil. Zuvor hat er sich mit Spitzenpolitikern der Europäischen Union und der Nato in Brüssel getroffen. Dabei sind auch die zitierten Aussagen gefallen.

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Bei einer Nachfrage schweigt Trump einfach

Deutsche Medien haben darüber berichtet und damit eine schwere Irritation in Berlin ausgelöst. Dabei haben Medien das Zitat "very bad" unterschiedlich übersetzt: als "schlecht, sehr schlecht" oder auch "Deutschland ist böse, sehr böse".

Am heutigen Freitag wurde Trump dann am Rande des G-7-Gipfels in Taormina nach Angaben von anwesenden Journalisten gefragt: "Haben Sie gesagt, dass Deutschland sehr schlecht (very bad) ist?" Daraufhin sagte Trump einfach kein Wort.

Juncker bestätigt die Wortwahl, relativiert aber

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Wortwahl Trumps inzwischen grundsätzlich bestätigt. Er wies aber die wörtliche Übersetzung zurück. "Ich bin kein Spezialist in Englisch, wie man weiß. Aber 'bad' heißt nicht böse. Schlecht reicht ja", so der Kommissionspräsident zu den Trump-Aussagen. Es habe "keine aggressiven Aussagen Trumps" zu den deutschen Überschüssen gegeben. "Das muss man richtigstellen, da wird ja übertrieben." Juncker sagte dazu auch: "Bad heißt nicht 'böse', 'schlecht' reicht."

Der aus Polen stammende EU-Ratspräsident Donald Tusk relativiert ebenfalls und kritisiert indirekt die Medien. "Ich will nicht Teil einer neuen politischen Kultur sein, die von permanenten Leaks (Indiskretionen in der Presse, Anm.)" lebt. "Das ist mein Eindruck. Heute ist professionelle Diplomatie wichtiger als Indiskretionen. Ich möchte das nicht kommentieren."

Berlin: Das Maß an Vertrauen gegenüber den USA "nicht verändert"

Das deutsche Außenminister sieht nach dem Nato-Gipfel keinen Knick in den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA, es räumt aber Unsicherheiten in der Zusammenarbeit mit Präsident Donald Trump ein.

Das Maß an Vertrauen gegenüber den US-Regierung habe sich "nicht verändert", sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin. Es gebe "auf politischer Ebene gut funktionierende, auch vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen". Allerdings sei es so, "dass manches eben schwer berechenbar ist und bleibt."

Auch die US-Regierungsvertreter hätten am Vortag beim NATO-Spitzentreffen zu spüren bekommen, dass Präsident Donald Trump "manchmal etwas unberechenbar" sei

Einige Fakten zu Autoherstellern in den USA

Schon kurz vor seinem Amtsantritt heuer im Jänner hatte Trump mit Strafzöllen gedroht für Autos, die aus Mexiko in die USA eingeführt werden und dabei speziell BMW genannt. Insgesamt wurden 2016 auf dem US-Markt 17,5 Millionen neue Fahrzeuge verkauft - Pkw und Light Trucks, das sind etwa die beliebten Pick-ups.

Nach Daten des deutschen Branchenverbandes VDA kamen die deutschen Autobauer Mercedes, BMW, VW & Co in den USA im vergangenen Jahr auf einen Gesamtabsatz von 1,33 Millionen Fahrzeugen - das war ein Rückgang von 4 Prozent.

Die wirkliche Zahl

Die deutschen Autobauer verkaufen also - auf einen Jahresabsatz bezogen - nicht "Millionen von Autos". Ihr Marktanteil in den USA insgesamt liegt bei etwas mehr als sieben Prozent, so ein Fakten-Check der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Platzhirsche auf dem US-Automarkt sind demnach nach Daten des Fachblatts "Automotive News" die US-Autokonzerne General Motors mit einem Marktanteil von 17,3 Prozent sowie Ford mit 14,8 Prozent. Dahinter folgen der japanische Hersteller Toyota mit einem Marktanteil von 14 Prozent, der italienisch-amerikanische Konzern Fiat Chrysler mit 12,9 Prozent sowie der japanische Autobauer Honda mit 9,3 Prozent.

Gemischtes Bild beim Absatz in den USA

Bei den deutschen Autobauern ergab sich 2016 beim US-Absatz ein gemischtes Bild. Während die VW-Töchter Audi und Porsche zulegten, verzeichneten BMW sowie die Marke VW - vom Abgasskandal gebeutelt - ein Minus. Bei Daimler gab es ein Mini-Plus. Stark sind die deutschen Hersteller vor allem im Oberklasse-Segment, hier lag ihr Marktanteil in den USA 2016 nach VDA-Daten bei mehr als 40 Prozent.

Die deutschen Autobauer mit Werken in den USA wie BMW, Daimler und VW produzierten im vergangenen Jahr rund 850.000 Autos in den USA. Seit 2009 ist die Produktion demnach vervierfacht worden. Nur 41 Prozent der in den USA gebauten Fahrzeuge werden aber laut VDA in den Vereinigten Staaten verkauft, jeweils etwa ein Viertel geht nach Europa und Asien.

(red mit dpa, APA, AFP)

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