Handelsabkommen

Verschärfung der NAFTA-Regeln schmerzt deutsche Autobauer kaum

Die Handels-Einigung zwischen USA und Mexiko soll die Automobilproduktion in den USA wieder attraktiver machen. Die geplante Verschärfung der Regeln für Import-Autos treffen dabei auch die deutschen Autobauer - doch Experten rechnen nicht mit gravierenden Folgen.

Nafta USA Mexiko Automobilindustrie

Die deutschen Hersteller und Zulieferer haben in der Vergangenheit sehr vom Freihandelsabkommen NAFTA profitiert. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) verdreifachten sie seit Ende der 90er Jahre die Zahl ihrer Standorte im NAFTA-Raum - zu dem auch Kanada gehört - auf mehr als 430. Insgesamt produzierten BMW, Mercedes-Benz und die Volkswagen-Gruppe in Nordamerika im vergangenen Jahr mehr als 1,2 Millionen Autos.

Für die Autohersteller ist es nun wichtig, dass auch Kanada einem neuen Abkommen beitritt. "Die Wertschöpfungsketten in den drei Ländern sind eng verflochten", erklärt VDA-Präsident Bernhard Mattes. "Bis zum fertigen Fahrzeug passieren Teile mehrfach die Grenzen." Deshalb sei es wichtig, dass der Warenverkehr nicht durch Zölle eingeschränkt werde. "Jede Maßnahme, die den Warenaustausch beschränkt oder erschwert, würde diese Lieferketten für die USA empfindlich treffen", warnt Mattes.

Die Regelung

Die letzten Signale aus Kanada und den USA waren optimistisch, was eine Einigung angeht - auch bezüglich der neuen Regeln für Autoproduzenten. Wie genau die Regeln auf Kanada ausgeweitet werden, steht aber noch nicht fest.

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Bisher hat das Büro des US-Handelsbeauftragten bisher lediglich mitgeteilt, dass künftig 75 Prozent der Teile eines Autos aus den USA oder Mexiko kommen müssen, damit ein Auto aus Mexiko zollfrei in die USA eingeführt werden darf. Aktuell liegt die Schwelle bei 62,5 Prozent.

"Die Veränderung dieser 'Rules of Origin' würde vor allem Automobilhersteller sanktionieren, die Fahrzeugteile aus anderen Ländern, insbesondere aus Asien oder Europa, nach Nordamerika einführen, um sie dort zu verbauen", erklärt der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, Stefan Reindl. "Davon profitieren würden vor allem US-amerikanische Automobilhersteller."

Effekte heben sich auf

Aber auch für die deutschen Hersteller mit Werken in Mexiko sei die neue Regelung im Prinzip vorteilhaft, so Reindl weiter. Viele produzieren dort nämlich für den US-Markt. Allerdings führen die Hersteller auch komplette Fahrzeuge nach Nordamerika ein, auf die Zölle fällig werden. "Ich gehe davon aus, dass sich beide Effekte größtenteils gegeneinander aufheben könnten."

Dem Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, zufolge könnte die neue Regelung zudem bewirken, dass deutsche Zuliefererfirmen in Mexiko ihre Präsenz ausbauen müssen.

Löhne sind auch ausschlaggebend

Eine weitere Bestimmung ist, dass künftig 40 bis 45 Prozent der Autoteile in einer Fabrik hergestellt werden müssen, in der Arbeiter mindestens 16 Dollar (13,7 Euro) pro Stunde bekommen. "Auf den ersten Blick stützt diese Regelung so die US-amerikanische Automobilwirtschaft", erklärt Reindl. "Mexikaner verdienen im eigenen Land lediglich ein Viertel US-amerikanischer Arbeitnehmer, die in der Automobilindustrie durchschnittlich rund 30 Dollar je Stunde erhalten."

Allerdings könnten die Autohersteller Reindl zufolge auch den niedrigen Zollsatz von 2,5 Prozent akzeptieren, der bei Nichteinhaltung der Quote droht. "Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit der in Mexiko produzierenden Unternehmen wohl nur geringfügig beeinflussen."

Auch Dudenhöffer hält die Auswirkungen auf Volkswagen, BMW und Daimler für gering. "Solche Löhne werden in den Fabriken der deutschen Hersteller ohnehin bezahlt", sagt er. Für Autobauer in Kanada ist diese Regelung ohnehin unproblematisch - die Löhne dort sind ähnlich hoch wie in den USA.

Sollte es wider Erwarten zu keiner Einigung mit Kanada kommen, wäre das laut Reindl aber vor allem für US-Hersteller nachteilig. Diese exportieren relativ viele Fahrzeuge nach Kanada. (apa/afp)

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