Konjunktur

Verkauf von Motorrädern in Österreich sehr stark gesunken

In Österreich ist der Verkauf von Motorrädern im Zuge der Coronakrise massiv eingebrochen, während die Fahrradgeschäfte einen Boom melden. Kleinere Motorräder und Mopeds schneiden dabei besser ab als schwerere Maschinen.

Nicht nur die Autoindustrie leidet unter der Coronavirus-Pandemie, auch der Verkauf von Motorrädern ist eingebrochen. Bei den meisten Händlern hat sich der Umsatz heuer bisher mehr als halbiert. Bei Mopeds und Motorrollern ist der Rückgang geringer, aufgrund des neuen Mobilitätsverhaltens gibt es hier Nachzieheffekte. Der Fahrradhandel erlebt nach dem Lock-down eine erhöhte Nachfrage in Städten.

Die Motorradbranche sei die am stärkten betroffene Branche, sagte der Sprecher des Zweiradhandels, Ferdinand Fischer, zur APA. Am größten sei der Rückgang bei stärker motorisierten Krafträdern. Die Hilfen des Staates würden für die Zweiradindustrie nicht ausreichen.

"Wir verlieren fast eine ganze Saison, da ist die einmonatige Unterstützung nicht einmal der Tropfen auf den heißen Stein", so Fischer. Die Motorradhändler machen normalerweise 70 bis 80 Prozent des Umsatzes zwischen März und Juni. Laut einer Umfrage unter den Händlern beträgt der Rückgang des Umsatzes bis Ende April bei weit über einem Drittel der Händler 45-65 Prozent und bei knapp einem Drittel über 65 Prozent.

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Fahrräder stark gefragt

Anders sieht die Situation bei den Fahrradhändlern und -werkstätten aus. Auch sie hatten während der Zeit der Geschäftsschließungen keinerlei Umsatz. Seit den Öffnungen spüren sie aber eine verstärkte Nachfrage, vor allem in den Städten. "Es gibt urban sehr gute Verkäufe. Da merken wir einfach, dass sich die Leute vorbereiten auf ihre Mobilität in den nächsten Monaten", sagte Michael Nendwich, Obmann der Berufsgruppe Sportartikelhandel in der Wirtschaftskammer, zur APA.

Es seien vor allem alltagstaugliche Fahrräder, die nun verkauft würden. Auch Elektrofahrräder sind stark nachgefragt worden, der Anteil der E-Bikes sei in den ersten Tagen nach der Öffnung bei 60 Prozent gelegen, um auch längere Distanzen bewältigen zu können, so Nendwich. "Es ist definitiv erkennbar, dass die Leute sich Gedanken machen, wie sie ohne öffentlichen Verkehr in die Arbeit kommen."

Für die Fahrradbranche hat das Coronavirus noch einen zweiten Effekt. Die Terminkalender für Wartungen sind derzeit voll, dementsprechend komme es zu Wartezeiten. "Da stoßen gerade viele Händler an ihre Kapazitätsgrenzen", sagte Nendwich. Viele hätten nämlich ihre Fahrräder wieder aus dem Keller geholt. Schon während des Lock-downs sei dies erkennbar gewesen, weil die Werkstätten für dringende Reparaturen offen halten durften.

Auch in Deutschland werden die Fahrradhändler geradezu überrannt. Dort sind laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die verlorenen Umsätze schon vielfach wieder ausgeglichen worden. In Österreich dürfte am Jahresende beim Fahrradhandel dennoch ein Umsatzminus von rund 20 Prozent stehen. Dies hängt damit zusammen, dass die Fahrradbranche in Österreich stark vom Tourismus abhängig ist. In den Tourismusorten sei die Nachfrage nach Mountainbikes und Co. nach wie vor sehr schwach. (apa/red)