Zulieferindustrie

Verkauf von Grammer an China: Vorstand dafür, Aktionäre dagegen

Autozulieferer Grammer hat Ningbo Jifeng aus China an Bord geholt, um den Angriff der bosnischen Firmengruppe Prevent abzuwehren. Jetzt wollen die Chinesen Grammer ganz - doch die Meinungen darüber gehen auf der Hauptversammlung auseinander.

Die Kleinanleger des deutschen Autozulieferers Grammer sehen das Übernahmeangebot aus China nicht so rosig wie die Firmenspitze. "Die Aktionäre sind nicht besonders glücklich über diese Wendung", sagte Günther Hausmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung in Amberg.

Würden die Hoffnungen Wirklichkeit, die der Vorstand in den bisherigen Großaktionär Ningbo Jifeng setze, stehe Grammer "eine goldene Zukunft" bevor. "Warum soll ich dann meine Aktien verkaufen?" Außerdem sei der Kurs mit gut 65 Euro höher als das Angebot der Chinesen mit 60 Euro plus Dividende von 1,25 Euro je Papier. "Das muss mir auch mal jemand erklären, wie so was funktionieren soll."

Übernahmen aus China häufen sich in Deutschland und Österreich massiv - vor allem in der Autoindustrie und bei ihren Zulieferern. Mehr dazu: "China kann uns überrollen": Forscher fordern Strategie gegen Firmenübernahmen >>

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Chinesen als Helfer gegen Prevent an Bord geholt

Der chinesische Interieurspezialist Ningbo Jifeng kam 2017 bei Grammer an Bord, um zu verhindern, dass der unbeliebte bosnische Großinvestor Hastor mit seiner Firmengruppe Prevent die Macht bei dem deutschen Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen, Mittelkonsolen und Nutzfahrzeugsitzen übernimmt.

Die Unternehmerfamilie ist auch außerhalb der Autobranche bekannt, seit ihr Zulieferer Prevent im Streit mit VW im Sommer 2016 die Produktion des Autobauers lahmlegte. An Grammer hält Hastor über zwei Investmentvehikel knapp ein Fünftel. Ningbo Jifeng kündigte Ende Mai an, auf eine Beteiligung von mindestens 50 Prozent aufstocken zu wollen. Hastor hält das gut 770 Millionen Euro schwere Offert für zu niedrig.

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Aktionärsvertreter Hausmann verwies darauf, dass in der Autobranche zur Ausweitung des Geschäfts in China nicht Übernahmen, sondern Gemeinschaftsunternehmen üblich seien.

Konzernchef für die Übernahme durch Ningbo Jifeng

Grammer-Chef Hartmut Müller argumentierte, das Offert schaffe eine "strategisch und rechtlich sichere Basis", vor allem beim Schutz des Know-hows. "Mit einem Joint Venture wäre das viel schwieriger gewesen."

Zudem werde Grammer dank Ningbo Jifeng mittelfristig mit chinesischen Herstellern ins Geschäft kommen und schneller deren Zulieferer für Elektroautos werden können. Außerdem seien die Chinesen bei den Kunden akzeptiert und hätten weitreichende Zugeständnisse an die Belegschaft gemacht: für die deutschen Standorte eine Garantie von 7,5 Jahren, für die anderen von fünf Jahren. "Mit keinem anderen Partner hätten wir diese Vorteile in dieser Geschwindigkeit umsetzen können", sagte Müller.

Hoffen auf neue Aufträge

"Wir alle hoffen natürlich, dass sich die Beteiligung der Ningbo Jifeng positiv auf die Auftragslage auswirkt", sagte Grammer-Betriebsrätin Nicole Schobert. Der Zulieferer hatte in der Vergangenheit geltend gemacht, dass wegen des Machtkampfs mit Hastor Kunden abgesprungen seien. Mehr dazu: Streit mit Prevent: Zulieferer Grammer fehlen die Aufträge >>

Schobert sagte weiter, trotz aller Zusicherungen der Chinesen habe die Belegschaft Sorgen. Vorstandschef Müller hielt dagegen, das Management werde auf "die strikte Einhaltung aller Zusagen" achten. "Wir sind nicht blauäugig." (reuters/apa/red)

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