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Verkauf von GE Jenbacher fixiert - Finanzfirma Advent verspricht jetzt Investitionen

Der Hersteller mit Sitz in Tirol geht an die Finanzfirma Advent. Die Zeit der Ungewissheit unter General Electric ist damit zu Ende - doch was die Beteiligungsfirma mit dem Hersteller vor hat, ist offen. Hier die Eckdaten zu Advent und erste Ansagen der Finanzfirma.

Die Übernahme des Gasmotorenherstellers GE Jenbacher mit Hauptsitz in Tirol ist fixiert. Wie von INDUSTRIEMAGAZIN.at gestern gemeldet, hat der amerikanische Industrieriese General Electric die Sparte an die amerikanische FInanzfirma Advent International verkauft. Der Verkauf betrifft Standorte in Österreich, Kanada und den USA. Am Standort in Tirol arbeiten rund 1.600 Menschen.

Es wurde "eine verbindliche Vereinbarung zum Kauf des Distributed Power-Geschäfts von General Electric für 3,25 Mrd. US-Dollar (2,6 Mrd. Euro, Anm.) unterzeichnet", teilte das Unternehmen mit.

Die Transaktion umfasse die Produktlinien Jenbacher und Waukesha der Distributed Power-Sparte sowie Produktionsstandorte in Österreich, Kanada und den USA, hieß es. Der Abschluss der Übernahme werde vorbehaltlich der gängigen Transaktionsbedingungen und regulatorischen Genehmigungen im vierten Quartal 2018 erwartet.

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Finanzfirma Advent will jetzt investieren

GE hatte zuletzt im Energiegeschäft mit Umsatz- und Gewinnrückgängen zu kämpfen. Konzernchef John Flannery hatte bereits im November des vergangenen Jahres angekündigt, dass sich das Unternehmen von Aktivitäten im Volumen von insgesamt mindestens 20 Mrd. Dollar trennen werde. Am Standort in Tirol arbeiten rund 1.600 Menschen.

Carlos Lange, Präsident der Distributed Power Unternehmenssparte, zeigte sich über die Übernahme erfreut und meinte: "In Advent International haben wir einen Partner, der die Leidenschaft unseres Teams teilt, herausragende Kundenergebnisse zu erzielen." Advent werde dazu beitragen, das Wachstum zu beschleunigen, fügte er hinzu.

"Wir planen maßgebliche Investitionen in bedeutende Bereiche wie das Produktportfolio, Servicenetzwerk und die Digitalisierung, um Distributed Power bei der nachhaltigen Stärkung ihrer Marktposition zu unterstützen", erklärte Ranjan Sen, Managing Partner bei Advent. GE Jenbacher verfüge über erhebliches Wachstumspotenzial auf globaler Ebene und habe talentierte Mitarbeiter auf der ganzen Welt.

Nach dem Verkauf des Gasmotorenherstellers will GE nun auch die lukrative Medizintechnik und die Belieferung der Ölindustrie abspalten. Lesen Sie dazu hier mehr: General Electric: Nur drei Sparten bleiben 

Eckdaten zu Jenbacher

Die Firma GE Jenbacher in Tirol ist eine Tochter des US-Industriegiganten General Electric (GE) und einer der führenden Hersteller von Gasmotoren und Blockheizkraftwerken. GE Jenbacher ging aus den ehemaligen Jenbacher Werken hervor, die Dieselmotoren und Lokomotiven produzierten. Im Jahr 2003 erfolgte schließlich die Übernahme durch GE. Jetzt steht das Unternehmen offenbar vor dem Verkauf.

Die Produktpalette umfasst hoch effiziente, treibstoffflexible Industrie-Gasmotoren, die mit einer Leistung von je 100 kW bis 10 MW Strom und Leistung für zahlreiche Branchen weltweit erzeugen. Über 15.500 Gasmotoren von GE Jenbacher sind laut Angaben des Unternehmens in mehr als 100 Ländern in Betrieb.

Ein aktuelles Beispiel für die Arbeit der Tiroler:
GE Jenbacher liefert 20 riesige Gasmotoren nach Kiel >>

GE, Jenbacher, Zentrale © TANZER Richard / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com

Jenbacher war ein führender Anbieter innerhalb von GE

Bei GE war die Sparte "Distributed Power" ein führender Anbieter von Kolbengasmotoren, Energieanlagen und Dienstleistungen mit Fokus auf Stromerzeugung und Gasverdichtung nahe bzw. an der Verwendungsstelle.

Die Produktpalette der Sparte umfasst hoch effiziente, treibstoffflexible Industrie-Gasmotoren, die mit einer Leistung von je 200 kW bis 10 MW Strom und Leistung für zahlreiche Branchen weltweit erzeugen. Das Distributed Power-Geschäft erzielte laut eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 1.317 Mio. US-Dollar.

Eckdaten zu Advent

Advent International ist eine in Boston an der Ostküste der USA ansässige Finanzfirma, die mit privatem Beteiligungskapital arbeitet und dieses in Unternehmen anlegt.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, investiert Advent in den Finanzsektor, in die Gesundheitsbranche, in die herstellende Industrie sowie in den Handel. Die Firma bietet auch Dienste im Bereich Kapitalverwaltung und Wirtschaftsprüfung an.

Gründung der Firma erfolgte 1984. Seither hat Advent nach eigenen Angaben rund 40 Milliarden Dollar in rund 500 Unternehmen investiert. Rund 130 Unternehmen brachte Advent an internationale Börsen.

Finanzfirmen: Immer den "Exit" im Blick

Grundsätzlich ist es das Ziel von Beteiligungsfirmen, möglichst gewinnbringend aus der jeweiligen Beteiligung wieder auszusteigen. Der Unterschied unter den Finanzfirmen liegt in ihrer Strategie auf dem Weg dorthin. Etwa bei der Frage, wie viel sie in das übernommene Unternehmen investieren und wie schnell sie wieder aussteigen wollen.

Über Advent etwa ist zu hören, dass die Finanzfirma je nach Situation auch eigene Mitarbeitern ins Management übernommener Unternehmen einsetzt oder die Entscheidungen mit "regionalen Beiräte" abstimmt.

Allerdings gibt es auch Finanzfirmen, die eine langfristige Strategie verfolgen und Jahre an einem Unternehmen beteiligt bleiben.

(red mit apa)

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