​Rüstungsindustrie

Verkauf der Militärsparte von Airbus - Berlin bleibt skeptisch

Airbus will seine Militärsparte "Orlando" verkaufen - im Rennen sind nur noch die Finanzfirmen Carlyle und KKR. In der deutschen Regierung hält sich die Begeisterung darüber in engen Grenzen.

Symbolbild: Airbus.

Wie von INDUSTRIEMAGAZIN.at mehrfach gemeldet läuft bei Airbus gerade der Verkaufsprozess der Sicherheits- und Elektroniksparte. Hier ist unter dem Namen "Orlando" das Elektronikgeschäft mit Radarkomponenten, Optronik, Grenzkontrollsystemen und Komponenten zur elektronischen Kriegsführung zusammengefasst. Airbus will sich im Geschäft mit Kriegsgerät in Zukunft auf Flugzeuge, Raketen und Satelliten konzentrieren.

Ende Dezember berichteten Eingeweihte, dass beim Rennen um die Sparte die beiden angelsächsischen Finanzinvestoren Carlyle und KKR inzwischen als Bieter unter sich seien. Dagegen sei der von Teilen der deutschen Bundesregierung bevorzugte Käufer Rheinmetall sowie der Bremer Raumfahrtkonzern OHB nicht mehr im engeren Kreis der Kandidaten, hieß es damals.

Jetzt gibt es neue neue Informationen dazu, die diese Aussage in ein anderes Licht rücken. Denn von politischer Seite her läuft es für Airbus offenbar nicht so glatt, wie es sich der europäische Rüstungskonzern wohl gewünscht hätte.

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Noch kein grünes Licht für den Verkauf aus Berlin

Die deutsche Bundesregierung hat am heutigen Dienstag Berichten widersprochen, wonach es in Berlin bereits grünes Licht für den milliardenschweren Verkauf gegeben habe. Zuvor hatte das "Handelsblatt" von Schlussverhandlungen zu der Transaktion und von einem Kaufangebot von über 1,3 Milliarden Euro berichtet. Diese Darstellung sei falsch, sagten dazu mehrere Regierungsvertreter.

In anderen Worten: Die Genehmigung für die milliardenschwere Transaktion in einem sicherheitspolitisch hochsensiblen Bereich an zwei Finanzfirmen steht noch aus.

Dazu machte die deutsche Regierung deutlich, dass es ihr grundsätzlich wichtig ist, welche Auswirkungen ein solches Geschäft auf den Erhalt von Sicherheitstechnologie, Arbeitsplätzen und technologischen Kernfähigkeiten in Deutschland hat. Daher werde man den Prozess weiterhin aufmerksam begleiten und auch entsprechende Gespräche führen.

Bereits in der Vergangenheit wurde deutlich, dass Teile der Bundesregierung eine deutsche Lösung bevorzugen würden. Der Staat hat als Aktionär von Airbus und als einer der größten Auftraggeber Einfluss auf den Verkauf. Wenn die Sparte an einen Bieter aus dem Ausland ginge, muss die Regierung zudem prüfen, ob deutsche Sicherheitsbelange berührt sind.

Airbus-Chef Tom Enders will in Kürze über den Zuschlag entscheiden. Der Konzern will sich von Randbereichen trennen, um sich im Rüstungsgeschäft auf Flugzeuge, Raketen und Satelliten zu konzentrieren. Im Kerngeschäft erwartet Airbus Defence Electronics in diesem Jahr ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 90 Millionen Euro.

Genehmigung Berlins erst nach Vertragsabschluss möglich

Deutschlands erst Eine Prüfung, ob ein etwaiger Verkauf nach dem deutschen Außenwirtschaftsgesetz genehmigungsfähig ist, ist dem Wirtschaftsministerium zufolge derzeit noch nicht möglich. Schließlich liege noch kein Vertragsabschluss vor. Daher gebe es auch noch keinen entsprechenden Antrag der neuen Eigentümer.

Airbus-Strategiechef Marwan Lahoud hatte jüngst erklärt, sein Unternehmen mache gute Fortschritte bei dem Verkaufsvorhaben. Zuvor war bekanntgeworden, dass der europäische Konzern den Kreis der Kaufinteressenten, mit denen er vertieft verhandeln wollte, auf KKR und Carlyle beschränkt habe.

Milliardenschwere Abbestellung in Polen droht

Unterdessen muss Airbus nach der Veröffentlichung eines neuen Auslieferungsrekords für 2015, mit dem auch der Erzrivale Boeing überholt wurde, möglicherweise einen milliardenschweren Rückschlag in Polen hinnehmen.

Es sei "sehr wahrscheinlich", dass die neue polnische Regierung von dem 2,8 Milliarden Euro schweren Kauf von Airbus-Militärhubschraubern zurücktrete, sagte Vize-Verteidigungsminister Bartosz Kownacki der Zeitung "Rzeczpospolita".  (red/Reuters/APA)