Kollektivverträge

Verhandlungen zum Metaller-KV stecken fest

Die Arbeitgeber der Metallindustrie üben harte Kritik an der österreichischen Wirtschaftspolitik: Der Vorsprung gegenüber Deutschland sei verspielt, das Bildungssystem gehöre reformiert, Anreize zu Investitionen seien gering. Die Kritik ist nicht ganz uneigennützig - schließlich laufen gerade Verhandlungen zum Metaller-KV.

Die Arbeitgeber in der Maschinen- und Metallbauindustrie sind heute mit der Wirtschaftspolitik des Landes hart ins Gericht gegangen: Der Vorsprung gegenüber Deutschland wurde innerhalb von ein paar Jahren verschenkt, die Bürokratie und das dringend reformbedürftige Bildungssystem sowie mangelnde Investitionsanreize lassen das Land im globalen Vergleich immer weiter zurückfallen.

Diesen Rückfall teile sich Österreich mit Italien, während Polen und Tschechien ihre Wirtschaft erheblich gestärkt hätten. Aber auch die Niederlande und die Schweiz hätten sich besser entwickelt.

Arbeitgeber haben noch überhaupt kein Angebot vorgelegt

Wie schlecht es laufe, zeige auch, dass die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen nach unten geschraubt haben, so Fachverbandsobmann Christian Knill vor Journalisten. Wobei das Datum nicht zufällig gewählt war: Doe Kollektivvertragsverhandlungen für die knapp 120.000 Beschäftigten des Fachverbandes der Maschinen- und Metallbauindustrie (FMMI) sind in die dritte Verhandlungsrunde gegangen, bis dato sind sich die Sozialpartner noch keinen Millimeter näher gekommen.

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Bei den traditionell sehr schwierigen und langwierigen KV-Verhandlungen des Verbandes spießt es sich heuer daran, dass die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt haben, wie viel Lohn- und Gehaltserhöhung sie anbieten. Die Industriellen, in den meisten Fällen Familienbetriebe, wollen, dass zuerst die Gewerkschaften von ihrer 3-Prozent-Forderung herunter steigen.

"Die drei Prozent sind willkürlich", so Knill. Gibt es morgen keine Einigung, dann wird es - wie schon in den Jahren zuvor - Betriebsversammlungen als gelinde Vorstufe zum Streik geben, haben die Chefverhandler der Gewerkschaften, Rainer Wimmer (Pro-GE) und Rudi Wagner (GPA), schon nach der zweiten ergebnislosen KV-Runde angekündigt.

FMMI: Lohnplus bei allen Industriebranchen unter 1,5 Prozent

Wie viel diese Betriebsversammlungen der Industrie kosten, konnte Knill heute nicht beziffern. Ein Gehaltserhöhung um ein Prozent koste der Branche jedenfalls rund 60 Mio. Euro.

Spannend wird, wie jedes Jahr, der Streit um die Inflationsrate. Traditionell wird dazu die Rate der vergangenen zwölf Monate herangezogen, für die heurigen KV-Gespräche wären das 0,8 Prozent. Da die Teuerungsrate aber zuletzt wieder angezogen hat und das WIFO für die kommenden fünf Jahre eine Inflation von 1,7 Prozent prognostiziert, schielen die Arbeitnehmervertreter lieber Richtung künftiger Teuerung.

FMMI-Geschäftsführer Bernd-Thomas Krafft betonte vor Journalisten, dass die Industriebranchen heuer alle unter 1,5 Prozent Lohn- und Gehaltsplus abgeschlossen hätten. Und Ulrich Schuh, wissenschaftlicher Vorstand des EcoAustria-Institutes für Wirtschaftsforschung, ergänzte, dass die ursprünglichen Wachstumsprognosen der Forscher sehr optimistisch gewesen seien und nun bereits nach unten revidiert wurden. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass sich Österreich von der Wirtschaftskrise des Jahres 2008 noch nicht erholt habe. Das Produktivitätswachstum sei "über Jahre hinweg schlecht". Dazu käme noch eine überdurchschnittlich hohe Abgabenquote, so Schuh. (apa/red)

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