Energieversorger

Verbund weiter unter Druck - Jobabbau angekündigt

Der heimische Energieriese Verbund muss wegen des Strompreisverfalls weiter sparen: Bis 2020 werden weitere 175 Stellen abgebaut. Das Effizienzprogramm zur Stärkung der Ertragskraft wird ausgeweitet.

Der börsennotierte Verbund muss wegen des Strompreisverfalls weiter sparen: Weitere Jobs werden bis Ende des Jahrzehnts gestrichen, Investitionen gekürzt. Es handle sich um ein Gesamtpaket zur Stärkung des Ertragskraft sowie des Free Cashflow und damit der Verschuldung, betonte der Vorstand bei der Halbjahres-Pressekonferenz. 2017 wird ein weiterer Absatzpreis-Rückgang erwartet.

Bis 2020 werden weitere 175 Stellen abgebaut, hatte der Verbund bereits vor zehn Tagen anlässlich der Anhebung der Ergebnisprognose für 2016 bekanntgegeben. Rund zwei Drittel des zusätzlichen Stellenabbaus würden relativ bald 2017/18 erfolgen, so Verbund-Chef Anzengruber heute. Er betonte, dass der Stellenabbau sozialverträglich erfolge. Insgesamt fallen beim Verbund damit im Zeitraum 2013 bis 2020/21 rund 800 Stellen weg. Im ersten Halbjahr beschäftigte der Verbund 2.940 Mitarbeiter, um 5,1 Prozent weniger als im Jahr davor. Das Effizienzprogramm werde erweitert und sei eine Ergänzung zum bereits bestehenden Programm. Als Ziel gibt der Verbund ein Halten des Kostenniveaus (Personal und sonstiger betrieblicher Aufwand) von 2015 bis ins Jahr 2019 an.

Die Investitionen werden im Zeitraum 2016 bis 2019 um eine halbe Milliarde auf rund 1 Mrd. Euro gekürzt. Die Wachstumsinvestitionen werden nun mit rund 400 Mio. Euro angegeben, die Instandhaltungsinvestitionen mit rund 560 Mio. Euro.

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Bei den Großhandels- und Absatzpreisen für Strom sieht der Verbund kurzfristig keine Erholung. Der durchschnittliche Absatzpreis lag 2015 noch bei 35 Euro je Megawattstunden (MWh), im ersten Halbjahr waren es 30,7 Euro/MWh. Für 2017 geht der Verbund von einem weiteren Absinken auf 28,7 Euro/MWh aus. Und auch 2018 müsse man damit rechnen, dass die Strompreise im schwierigen Umfeld weiter sinken könnten, so Finanzvorstand Peter Kollmann. Eine Veränderung des durchschnittlichen Absatzpreise um 1 Euro/MWh verändert das Verbund-Ergebnis (EBITDA/Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um plus/minus 25 Mio. Euro. Eine Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone würde laut Verbund wohl zu höheren Preisen in der kleineren Zone führen.

Als Gründe für die Erhöhung der Gewinnprognose für 2016 nannte Kollmann heute Verbesserungen im Stromgeschäft, ein höheres Ergebnis im Netzbereich, Kosteneinsparungen wegen bereits erfolgter Restrukturierungsmaßnahmen, flexible Produkte sowie eine Reduktion bei den thermischen Verlusten. Die geplante Reduktion der Ausschüttungsquote von 50 auf 30 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses sei im Zusammenhang mit dem Gesamtpaket und ziele auf den Free Cashflow sowie die Schuldenreduktion. Zu einer möglichen Satzungsänderung zur Dividende sagte Anzengruber, eine solche werde diskutiert.

Der Verbund setzt verstärkt auf Dienstleistungen und Kooperationen. Neben der gestern bekanntgegebenen Sechs-Jahres-Kooperation mit der voestalpine wies Anzengruber heute unter anderem darauf hin, dass Verbund der erste österreichische Kooperationspartner von Tesla Energy Power Wall sei und auch mit Kommunen zusammenarbeitet. Der E-Mobilitätsanbieter Smatrics, eine gemeinsame Tochter mit Siemens, hat österreichweit bereits 400 Ladestationen, davon 200 Highspeed. (APA/red)

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