Kritik

Verbund-Vorstand will "Gleichbehandlung für Wasserkraft"

"Eine völlig in Schieflage geratene deutsche Energiepolitik zusammen mit einer falsch aufgesetzten CO2-Politik" auf europäischer Ebene seien schuld daran, dass es derzeit einen gewaltigen Rückstau bei interessanten Wasserkraft-Projekten gebe, kritisierte Verbund-Vorstand Günther Rabensteiner.

"Sie bekommen derzeit kaum ein Wasserkraftwerk in wirtschaftliche Dimensionen", sagte Rabensteiner bei der Präsentation einer Studie zur Bedeutung der Wasserkraft in Europa. Die verfehlte Energiepolitik habe zu gewaltigen makroökonomischen Problemen geführt, die "hochgelobte Solarindustrie in Deutschland" lege "einen Bankrott nach dem anderen" hin, auch große Windparks hätten bereits Bankrott angemeldet.

Zu den Leidtragenden gehöre auch die Wasserkraft als etablierte Erneuerbaren-Technologie. "Es gibt einen Kannibalisierungseffekt", sagte Rabensteiner. Durch die uneingeschränkte Erzeugung von Wind-und Solarenergie müssten sich Wasserkraft-Produzenten überlegen, ob sie das Risiko von Strafzahlungen auf sich nehmen sollen. "Es ist absurd, dass die neuen Erneuerbaren Wind und Sonne in zunehmenden Fällen die Wasserkraft verdrängen, das heißt, dass Wasser über die Wehranlagen abgegeben werden muss, ohne Strom zu produzieren." Es müsse eine Gleichbehandlung der Erneuerbaren geben, forderte Rabensteiner. Es sei absurd, "dass die einzige wirtschaftliche Art Strom zu produzieren - klammern wir einmal das Nuklearthema aus - Braunkohle geworden ist".

Image verbessern

Um das Image der Wasserkraft-Branche in der Öffentlichkeit zu verbessern, hat der Verbund gemeinsam mit 20 anderen europäischen Wasserkraftunternehmen und Verbänden eine Studie anfertigen lassen, die die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wasserkraft in Europa herausstreicht. "Wasserkraft ist die größte erneuerbare Energiequelle in Österreich und Europa", sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber bei der Präsentation der Studie. Demnach erzeugen die Wasserkraftanlagen in der EU jährlich rund 380 TWh Strom, das sind etwa 13 Prozent der gesamten Stromaufbringung. Berücksichtige man zusätzlich die Länder Norwegen, Schweiz und die Türkei, die über die Stromnetze mit der EU verbunden sei, so liege der Wert bei etwa 600 TWh bzw. bei 18 Prozent, sagte Christian Hewicker vom Beratungsunternehmen DNV.GL, das die Studie erstellt hat.

Der Beitrag der Wasserkraft zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung beträgt laut Studie pro Jahr rund 25 Mrd. Euro für die EU-28 bzw. 38 Mrd. Euro, wenn man Norwegen, die Schweiz und die Türkei dazuzählt. "Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Slowenien", sagte Herwicker. (apa)

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