Energieversorger

Verbund muss "revolutionären Umbrüchen" am Strommarkt trotzen

Während die Preise im Stromgroßhandel weiter fallen, müssen Energieerzeuger die Frage lösen, wie man mit 22,4 Euro pro Megawattstunde noch wirtschaftlich produzieren kann. Verbund-Chef Anzengruber gibt sich trotzdem zuversichtlich: "Der Verbund hat keine Großbaustellen mehr".

Der Energieversorger Verbund will seine Bemühungen um Kostensenkung und Effizienzsteigerung angesichts des verzerrten Marktes mit extrem niedrigen Großhandelspreisen fortsetzen. Das kündigte Generaldirektor Wolfgang Anzengruber in der Hauptversammlung des Energieversorgers vor wenigen Tagen an.

Auch Verbund-Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg nannte den Strommarkt angesichts von Eingriffen wie den Ökostrom-Förderungen "verzerrt". Der gesamte Markt leide darunter, und die Branche befinde sich in einer ganz schwierigen Situation.

"Der Verbund hat keine Großbaustellen mehr"

Die klassischen Erzeugungsinvestitionen sind beim Verbund gesunken, Geld wird im wesentlichen nur noch in Effizienzsteigerungen und in die Netze gesteckt, sagte Anzengruber. Bei 22 Euro je Megawattstunde Marktpreis decke gegenwärtig keine Form der Stromerzeugung die Vollkosten, das sei schon eine "Skurrilität". Ein System, das nur auf der Förderung von erneuerbaren Energien basiere, werde nicht aufrecht erhalten werden können.

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Der Verbund werde es schaffen, auch mit diesen Rahmenbedingungen zu Rande zu kommen, selbst im schwierigen Vorjahr habe man EBITDA und Konzernergebnis gesteigert, so Anzengruber. "Der Verbund hat keine Großbaustellen mehr", betonte er. "Wir können uns mit Effizienzsteigerungen und der Zukunft beschäftigen."

Kompletter Ausstieg aus fossiler Stromerzeugung geplant

Den Weg zum CO2-freien Stromproduzenten werde der Verbund weitergehen, so Anzengruber. Schon heute sei die vom Verbund erzeuge Elektrizität zu 93 Prozent CO2-frei, und dieser Anteil werde - durch den Wegfall Dürnrohrs - heuer weiter steigen.

Die Umweltorganisation Global 2000 begrüßte den vom Verbund bis 2020 geplanten Ausstieg aus fossiler Stromerzeugung. Derzeit verstrome der Verbund aber noch nach wie vor große Mengen an Kohle. Das klare Enddatum sei daher zu begrüßen, so Johannes Wahlmüller, Energiesprecher der Organisation.

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Für den Verbund-Stromkonzern werden die nächsten Jahre angesichts der weiter verfallenden Stromgroßhandelspreise "eine große Herausforderung". Deshalb werde der Fokus auf Maßnahmen gelegt, die den Konzern stärken sollen, um gegen die Effekte des widrigen Umfelds ankämpfen zu können, kündigte Finanzvorstand Peter Kollmann auf der Hauptversammlung an.

Gemeinsamer Markt Österreich-Deutschland soll bleiben

Für 2017 seien die Großhandelspreise schon im Vorjahr von 31,5 auf 26,6 Euro je Megawattstunde verfallen, heuer in den ersten drei Monaten aber nochmals weiter auf 22,4 Euro pro MWh. "Da sehen Sie, welche Herausforderungen sich ergeben", so der CFO zu den Aktionären.

Jeder Euro Stromerlös pro MWh weniger schmälert das operative EBITDA des Verbund um 25 Mio. Euro, solcherart seien voriges Jahr durch Preisrückgänge von 39 auf 35 Euro/MWh in Summe 100 Mio. Euro beim EBITDA verloren gegangen, rechnete Kollmann vor; unterm Strich wuchs es aber dennoch um ein Zehntel auf 889 Mio. Euro, für heuer werden 750 Mio. Euro erwartet, bekräftigte er den bisherigen Ausblick - bezogen auf eine durchschnittliche Wasserkrafterzeugung; jedes Prozent über dem Mittel kann das EBITDA um 4,5 Mio. Euro steigern.

Anzengruber: "Revolutionäre Umbrüche"

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber sprach auf der HV von einem "sehr sehr herausfordernden" Energiemarkt und geradezu "revolutionären Umbrüchen" speziell am gemeinsamen Elektrizitätsmarkt von Deutschland und Österreich, der unbedingt erhalten werden müsse.

Die Energie- und CO2-Wende "wird uns noch in den nächsten Jahren beschäftigen", meinte Anzengruber. Der Fokus werde auf niedrigen Erzeugungskosten liegen müssen, denn die Stromgroßhandelspreise könne man nicht beeinflussen.

Nach 35 Euro je MWh im Vorjahr erzielte der Verbund laut Kollmann bisher für heuer durch Hedgings Erlöse von 32,5 Euro/MWh, bei bisherigen Geschäften fürs kommende Jahr 2017 aber nur mehr 29,8 Euro je MWh. Es werde durch das schwierige Umfeld auch mehr Druck auf Mitarbeitern des Verbund lasten, sagte Anzengruber. (APA/red)

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