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IM-Expertenpool: Elektromobilität

Vehicle 2 Grid: Smartes Energiemanagement der Zukunft

Österreich konnte von 2017 auf 2018 die Anzahl der Elektrofahrzeuge und der zugehörigen Ladestationen signifikant steigern. Um den weiteren Fortschritt angemessen zu begleiten, braucht es allerdings weitere Maßnahmen, die dem erhöhten Strombedarf der Zukunft entgegenkommen und die Energiewende unterstützen. In diesem Zuge muss die Vehicle-2-Grid-Technologie (V2G) stärker ausgebaut werden, die sich derzeit noch in den Kinderschuhen befindet. Erich Schuller von Eaton erklärt den Status Quo und wie der Umstieg gelingen kann.

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6.749 Zulassungen von E-Pkw gab es im Jahr 2018. Damit ist Österreich im EU-Vergleich auf dem zweiten Platz hinter den Niederlanden. Dazu kommt das Wachstum an öffentlichen Ladeanschlüssen von 2017 um 30 Prozent auf insgesamt 4.866 sowie die Ankündigung der Regierung, in den kommenden zwei Jahren 93 Millionen Euro zur Förderung der E-Mobilität bereitzustellen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, um das angestrebte Ziel, bis 2030 nur noch Autos mit emissionsfreien Antrieb zuzulassen. Um dieses Vorhaben zu unterstützen reicht es nicht, einfach nur mehr Ladestationen bereitzustellen.

E-Autos als mobile Kraftwerke

Zwei Gründe halten Autokäufer häufig noch davon ab, sich Elektroautos anzuschaffen: Die im Vergleich zu Verbrennungsmotoren hohen Anschaffungskosten und lange Ladezeiten. Zudem wird häufig davor gewarnt, das Stromnetz sei nicht in der Lage, den zunehmenden Bedarf an elektrischer Energie zu decken. Mit der Vehicle-2-Grid-Technologie (V2G) stünde eine Lösung bereit, die ein intelligenteres und effizienteres Energiemanagement erlaubt und besonders Privathaushalten mit Photovoltaik-Anlagen entgegenkommt. Als mobiler Energiespeicher kann das Elektroauto Energie speichern, die gerade nicht benötigt wird und bei Bedarf an den Haushalt oder das Netz abgeben. 

Hierfür sind allerdings die noch wenig verbreiteten bidirektionalen Schnittstellen nötig, die es nicht nur erlauben, Strom zu tanken, sondern auch in das Netz einzuspeisen. Auf diese Weise würden sich Autos als aktive Teilnehmer am Energiemarkt etablieren, da sie Überschüsse und Bedarfsspitzen besser ausgleichen können – sei es im eigenen Zuhause oder in das öffentliche Stromnetz. Für letzteres würden Autobesitzer zusätzlich noch Geld verdienen. Ein Experiment in Deutschland aus dem vergangenen Jahr von The Mobility House, Enervie, Amprion und Nissan zeigte, dass ein Fahrzeug mit bidirektionalem Anschluss als Teil des Energiemarktes funktionieren kann. Hochgerechnet hätte der getestete Nissan Leaf 1.000 Euro im Jahr verdient.

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Infrastruktur zukunftsfähig machen

Auf lange Sicht kommt der V2G-Technologie also eine entscheidende Rolle bei der weiteren Entwicklung der Elektromobilität zu und kann einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Damit dies gelingen kann, müssen Hersteller und Politik jedoch die nötigen gesetzlichen und infrastrukturellen Veränderungen auf den Weg zu bringen. Bidirektionale Schnittstellen sind noch in den wenigsten Elektroautos verbaut, hier sind Hersteller gefragt, nachzurüsten. Bisher war nur der asiatische Chademo-Anschluss in der Lage, Energie nicht nur zu tanken, sondern auch einzuspeisen. Europäische Hersteller ziehen mit dem CCS allerdings nach. 

Zusätzlich muss in privaten Wohnanlagen auch die Möglichkeit bestehen, bidirektionale Ladestationen im Einsatz zu haben. Laut dem Bundesverband Elektromobilität Österreich erfolgen Ladevorgänge zu 80 Prozent zuhause. Wer aber über keine dedizierte E-Ladestation verfügt, muss auf die normale Steckdose zurückgreifen. Das ist nicht nur auf die Autos mit entsprechendem Schukostecker beschränkt, sondern dauert bei einer Leistung von 2,4 kW auch entsprechend lang.

Heute schon die Zukunft vorbereiten

Elektromobilität wird in den kommenden Jahren zum dominanten Faktor im Straßenverkehr. Um den Umstieg angemessen zu begleiten und das Energienetz darauf vorzubereiten, muss der V2G-Technologie künftig mehr Bedeutung beigemessen werden. E-Autos können als Bestandteil des Energiemarktes einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten, Geld verdienen und die Bedarfsschwankungen des Stromnetzes ausgleichen. Es gilt daher, bereits heute die nötigen Schritte in die Wege zu leiten, um die Infrastruktur ganzheitlich vorzubereiten.
 

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