Medizintechnik

US-Technologieriese stoppt Lieferungen nach China - wegen Verbrechen am Volk der Uiguren

Der wenig bekannte, aber milliardenschwere amerikanische Hersteller Thermo Fisher stoppt die Lieferung seiner Technologien an China. Der Konzern ist damit einer der sehr wenigen in der westlichen Großindustrie, die auf die Verbrechen Chinas gegen das Volk der Uiguren reagieren. Laut UN-Schätzungen wird heute eine Million Uiguren in Lagern festgehalten. Doch das stört in der westlichen Industrie praktisch niemanden.

Das US-Technologieunternehmen Thermo Fisher stellt die Lieferung von Geräten an China ein, mit der die Volksrepublik eine DNA-Datenbank der Minderheit den Uiguren erstellt.

Einen entsprechenden Bericht der "New York Times" bestätigte das Unternehmen. Ein Firmensprecher sagte, als "weltweit führender Partner der Wissenschaft" müsse sich das Unternehmen damit befassen, "wie unsere Produkte und Dienstleistungen von unseren Kunden genutzt werden - oder genutzt werden könnten".

Eine in der Großindustrie sehr selten gewordene Entscheidung

Der Industrieriese ist mit diesem Schritt einer der sehr wenigen westlichen Hersteller, die auf die Verbrechen Chinas gegen das Volk der Uiguren reagieren. Andere Großkonzerne aus Europa und den USA ignorieren die anhaltenden Menschenrechtsverbrechen des Landes inzwischen weitgehend - und begeben sich mit einem immer umfangreicheren Engagement in China in immer größere Abhängigkeit vom autokratischen Regime. 

UNO-Schätzung: China hat eine Million Uiguren in Lagern interniert

Die mehr als zehn Millionen Uiguren sind eine turkstämmige muslimische Minderheit und leben mehrheitlich in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Nach UN-Schätzungen werden bis zu eine Million Uiguren und andere turkstämmige Muslime willkürlich in Internierungslagern festgehalten und dort politisch und kulturell indoktriniert. In den vergangenen Jahren weitete China zudem die Überwachung der Minderheit massiv aus - auch mit Hilfe modernster Technologie.

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Seit 2016 gibt es immer Berichte über Blutentnahmen in Xinjiang. Wie die "New York Times" berichtete, haben chinesische Behördenvertreter die Blutproben als Teil von kostenlosen Gesundheitsuntersuchungen dargestellt. Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua haben rund 36 Millionen Menschen an dem Programm teilgenommen - also mehr als nur die Minderheit den Uiguren.

Peking will gesamte DNA des Volkes

Im Frühjahr 2017 hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet, China habe Geräte zum Ausbau von DNA-Sequenzanalysen gekauft. Das US-Wissenschaftsmagazin "Nature" bestätigte diese Angaben und nannte die US-Firma Thermo Fisher. Die "New York Times" berichtete, bei den Überwachungsmaßnahmen stütze sich die Volksrepublik auch auf "amerikanisches Know-how".

Thermo Fisher: Ein Konzern mit 21 Milliarden Euro Umsatz

Thermo Fisher kündigte daraufhin an, keine Geräte mehr nach Xinjiang zu liefern. Obwohl Thermo Fisher in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, handelt es sich um einen Technologieriesen mit einem Umsatz von 24,3 Milliarden Dollar (21,4 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr. (afp/apa/red)