Breitere Gesellschafterbasis: Kapital sucht Stimme

Der Schritt bestimmt für Jahre das Denken und Handeln der Familienmitglieder. Ob interne Nachfolge, familienfremdes Management, oder (Teil-)Verkauf: Wie Sie die Weitergabe Ihres Unternehmens planen – und welche Stolpersteine Sie umgehen sollten.

Dass Hubert Palfinger ein graphologisches Gutachten erstellen ließ, als er „im Trauerjahr 1996“ (O-Ton Palfinger bei einer Pressekonferenz 2001) Kaus Schützdeller als seinen Nachfolger installierte, darf bezweifelt werden. Denn der Rückzug aus der operativen Führungsspitze fiel dem damals 57jährigen Firmenpionier schwer. Besonders, weil der neu ins Boot geholte Mittelstandsfinanzierer UIAG (hielt damals einen 25-Prozent-Anteil) den damals 40jährigen Maschinenbauingenieur Schützdeller als Wunschkandidaten ins Unternehmen mitbrachte. Die Aufgabe Schützdellers: Schnelle Expansion, um das Unternehmen mittelfristig an der Börse platzieren zu können. Der Machtkampf der beiden war legendär. Immerhin: Schützdeller durfte sich von November 1997 bis April 1998 als vollständiger Vorstandssprecher, alleine vertretungsbefugt, fühlen. Am 9. April 1998 Tag entzog ihm Palfinger diese Vollmacht wieder. „Er gibt die Prioritäten vor, die in den  Gremien abgestimmt werden", beschrieb Palfinger-Vorstand Klaus Schützdeller die Entscheidungsstruktur damals. Und die trug durchaus humoristische Züge – etwa, wenn es Hubert Palfinger wieder einmal gelang, sich um ein gemeinsames Foto mit dem ungeliebten Nachfolger drücken.

Loslassen.
So verführerisch die Aussicht, einen Teil des gebundenen Vermögens realisieren zu können (oder in schwierigen Unternehmenssituationen mit Sanierungscharakter frisches Kapital zu bekommen) auch ist, die Verbreiterung der Gesellschafterbasis ist unweigerlich mit Machtverlust verbunden. Im Gegensatz zum Gesamtverkauf, die zu einer endgültigen Trennung von der Eigentümer- und Führungssphäre und zum erzwungenen Loslassen führt, sind hier Konflikte, die weit in das Unternehmen getragen werden, vorprogrammiert.
Im Falle Palfingers entspannte sich die Situation wohl durch eine Mischung aus Gewöhnung, Bescheidenheit und Erfolg. Vorstandschef Schützdeller blieb auch nach dem Exit des Finanzinvestors im Amt und wurde  sogar geadelt: „Ich habe noch nie einen so starken Umsetzer gehabt wie ihn“ sagte Palfinger dereinst. Wenige Monate und eine katastrophale Zwischenbilanz später war Schützdeller Geschichte*.

*Die Palfinger AG, zu rund 65 Prozent in Familienbesitz notiert heute an der Wiener Börse. Gröbere Konflikte mit dem Management (2003-2008 Wolfgang Anzengruber, derzeit Verbund-Chef, seit 2008 Herbert Ortner) sind nicht bekannt. Die Anleger honorieren den starken familiären Einfluss trotz geringer Liquidität der Aktie.   

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