Rohstoffe

Unsicherheiten im Milliardendeal zwischen der OMV und Gazprom

Die heimische OMV und der russische Staatsmonopolist Gazprom haben sich bisher beim milliardenschweren Tausch von Vermögenswerten in der Nordsee gegen Förderrechte in Sibirien nur auf Eckdaten geeinigt. Danach hat auch Norwegen ein entscheidendes Wort mitzureden - und am Ende könnte der Deal sogar ganz scheitern.

Der geplante Tausch von Öl- und Gasfeldern der OMV in der Nordsee gegen eine Beteiligung an der Gasförderung des russischen Gazprom-Konzerns in Sibirien könnte sich noch bis Ende 2018 hinziehen. Das sagte OMV-Chef Rainer Seele gegenüber dem Radiosender Ö1 des ORF.

Bisher habe man sich mit Gazprom nur über die Struktur des Tauschs geeinigt. Erst, wenn man sich auch wirtschaftlich geeinigt habe und klar sei, welchen Anteil die Gazprom an welchen Unternehmen bekommt, werde man den Genehmigungsprozess bei den norwegischen Behörden einleiten, sagte Seele.

Deal könnte ganz scheitern

"Wir haben als Ziel, dass wir bis zum Ende des Jahres die Eckpfeiler einrammen werden. Dann wird es sicherlich noch ein, zwei Jahre dauern, um die ganzen Behördengenehmigungen einzuholen und dann hoffen wir, dass wir den Deal finalisieren können."

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Kürzlich hat die "Presse" berichtet, dass der milliardenschwere Deal auch scheitern könnte, weil die Anrainerstaaten Norwegen und Großbritannien über die Vergabe von Explorationsrechten in der Nordsee mitentscheiden. Dem Bericht nach hat Gazprom keine Genehmigung, vor Norwegen tätig zu werden. Und gerade die Behörden in Norwegen könnten dem Tausch nicht zustimmen.

Auswirkungen von Brexit offen

Wie sich die Brexit-Entscheidung auf die OMV auswirken könnte, lässt sich laut Seele derzeit schwer einschätzen. England habe in letzter Zeit die Steuerbelastung für die Industrie deutlich zurückgenommen. "Das hat dazu geführt, dass man das eine oder andere Projekt noch einmal neu rechnen kann", sagte Seele.

Allerdings habe die OMV bereits eine sehr große Position in der Nordsee. "Wir haben derzeit also keinerlei Gedanken, dass wir weitere Projekte jetzt in England machen werden auf Grund der veränderten Rahmenbedingungen." (apa/red)

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