Krise bei Thyssenkrupp

„Unsere Performance war zu schwach“

Man hatte es schon erwartet, nun ist es amtlich: Thyssenkrupp zählt nicht mehr zu den 30 wertvollsten Börsenunternehmen in Deutschland.

Börsenabgang ThyssenKrupp Guido Kerkhoff

Thyssenkrupp muss wegen seines drastisch gesunkenen Aktienkurses den Dax verlassen. Ersetzt wird der Traditionskonzern in dem Leitindex durch den Triebwerksbauer MTU. Der Abstieg aus der Topliga der Börsenwerte ist für den mehr als 200 Jahre alten Industrieriesen ein Prestigeverlust. "Dass uns der Abstieg aus dem Dax enttäuscht, steht außer Frage. Als Gründungsmitglied wären wir dem Leitindex gern erhalten geblieben", kommentierte Thyssenkrupp-Vorstandschef Guido Kerkhoff das zum 23. September wirksam werdende Ausscheiden. "Man muss aber auch ehrlich sein: Unsere Performance war zu schwach, daher ist der Gang in den MDax die logische Konsequenz", fügte er hinzu. 

Thyssenkrupp steckt seit langem in der Krise (lesen Sie dazu auch: Thyssenkrupp ist ein zerbrechlicher Industrieriese geworden) Die Finanzdecke ist dünn - auch eine Folge von milliardenschweren Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und den USA. Die als Befreiungsschlag geplante Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata wurde von der EU untersagt. Kerkhoff sagte daraufhin auch die Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige Unternehmen ab.

Aufzugssparte soll Geld bringen

Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, plant Kerkhoff den Börsengang oder einen Verlauf der profitablen Aufzugssparte. Ihr Wert wird von Analysten deutlich höher eingeschätzt als der des gesamten Konzerns mit seinen weltweit rund 160 000 Mitarbeitern. Für die Beschäftigten hat der Dax-Abstieg keine direkten Folgen. Sie sind von dem Konzernumbau betroffen, bei dem 6000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, davon 4000 in Deutschland.

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Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (ETF). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann. Im MDax, der zweiten Börsenliga mit 60 Mitgliedern, gibt es nach Einschätzung von Experten aber auch Chancen zur Erholung. Dort dürften die Essener "ein sehr sichtbarer und dominanter Wert werden", meinte beispielsweise Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt.

Kerkhoff will die Chancen nutzen. "Wichtig ist, dass wir den Konzern jetzt neu und profitabler aufstellen, um so das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Darauf liegt unser Fokus, daran arbeiten wir mit aller Kraft", betonte er in seiner ersten Reaktion auf den Dax-Abstieg. (apa/dpa)

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