Personalia

Unerwarteter Abgang des Lenzing-Chefs

Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender des oberösterreichischen Faserherstellers Lenzing hat seinen Vertrag vorzeitig aufgelöst. Ob der plötzliche Abgang freiwillig war.

Stefan Doboczky, ehem. Lenzing AG-CEO

Der Aufsichtsrat der Lenzing AG hat sich einvernehmlich mit dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Stefan Doboczky über eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages geeinigt. Doboczky hat den Aufsichtsrat darüber in Kenntnis gesetzt, für eine weitere Verlängerung seines Vertrages ab 2022 nicht zur Verfügung zu stehen. "Der Aufsichtsrat der Lenzing AG nimmt dies mit großem Bedauern zur Kenntnis und wird den Vertrag mit Ende des dritten Quartals 2021 im Einvernehmen mit Doboczky auflösen", so das Unternehmen.

„Ich möchte mich bei Stefan Doboczky für seine herausragenden Leistungen für Lenzing ganz herzlich bedanken. Gerade bei der Transformation zu einem globalen Spezialfaserunternehmen und Nachhaltigkeitschampion war Doboczky die treibende Kraft in führender Stellung“, erklärt der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Peter Edelmann.

Unsaubere Geschäfte

„Die Lenzing AG befindet sich auch dank seiner weitblickenden Führung auf einem stabilen und ertragsstarken Wachstumskurs mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein. Und das im herausfordernden Umfeld der COVID-19-Pandemie“, betont Edelmann.

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Doboczky sollte Lenzing eigentlich durch die Klimawende führen. Der weltweit tätige Faserhersteller hatte in den vergangenen Jahren mit mehreren klimafreundlichen Projekten geglänzt. Doch das wurde zuletzt überschattet: von unsauberen Geschäfte des mit Palmers gegründeten Joint-Ventures Hygiene Austria. Hygiene Austria hatte die Maskenproduktion teilweise nach China ausgelagert, aber mit der Herstellung in Österreich beworben. 

Das Textilunternehmen Palmers und der Fasersteller Lenzing gründeten im Frühjahr 2020 den Maskenhersteller Hygiene Austria als Joint Venture. Die Firma musste heuer Anfang März nach einer Hausdurchsuchung und Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) einräumen, FFP2-Masken zwar als "Made in Austria" beworben, einen Teil davon aber in China zugekauft zu haben. Im Fokus standen auch die Arbeitsbedingungen der großteils über Leiharbeitsfirmen beschäftigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. „Es wurde nie gegen Doboczky ermittelt, versichert ein Konzern-Sprecher der „Presse“.

Nach der Hausdurchsuchung kam es zum Bruch zwischen Lenzing und Palmers. Der Faserkonzern zog zuerst seine Manager ab und übertrug dann den Hygiene-Austria-Firmenanteil an Palmers. Im Juni wurde bekannt, dass Hygiene Austria den Teilbetrieb "Herstellung und Vertrieb von FFP2-Masken sowie MNS" an eine Tochterfirma einer Wiener Anwaltskanzlei verkauft hat. Warum das Inventar verkauft wurde, wenn man weiter Masken produzieren will, blieb vorerst unklar.

>> Lenzing schweigt zur Causa Hygiene Austria

Prinzhorn folgt interimistisch - Nachfolger wird gesucht

Stefan Doboczky: „Die Entwicklung und konsequente Umsetzung der Strategie von Lenzing war das Kernstück meiner Arbeit in den letzten Jahren. Nach reiflicher Überlegung bin ich zum Schluss gelangt, dass genau jetzt der Zeitpunkt für eine persönliche Veränderung gekommen ist. Die Strategie steht – jetzt ist die Zeit für neue Kräfte gekommen, sie in operativen Fahrwassern weiterzuführen. Eines ist jedenfalls klar: Lenzing wird immer einen besonderen Stellenwert in meinem Leben behalten.“

Lenzing, AG © APA/HELMUT FOHRINGER

Cord Prinzhorn, interimistische Leitung der Lenzinz AG

Die Lenzing AG hält die zum Halbjahresergebnis veröffentlichten Prognosen für 2021 aufrecht. Zum interimistischen CEO wurde Cord Prinzhorn bestellt. Prinzhorn ist seit Mai 2021 im Aufsichtsrat der Lenzing AG und wird solange zur Verfügung stehen, bis eine langfristige Lösung gefunden ist. Der 48-Jährige ist Geschäftsführer des Papier- und Verpackungsherstellers Prinzhorn Holding und Sohn des Industriellen Thomas Prinzhorn, der jahrelang als Politiker (FPÖ und BZÖ) tätig war. (apa/red)