Internethandel

"Überwachung 2.0": Amazon filmt jetzt seine Fahrer bei der Arbeit

Die Arbeitsbedingungen bei Amazon waren schon bisher berüchtigt - und Ursache für regelmäßige Streiks. Nun filmt der Internethändler auch seine eigenen Fahrer mit Kameras und KI bei der Arbeit und begründet das mit "Sicherheit". Arbeitsrechtler laufen dagegen Sturm.

Fahrer von Lieferwagen des Online-Versandhändlers Amazon in den USA sollen künftig bei ihrer Arbeit gefilmt werden. Das Unternehmen habe "kürzlich damit begonnen, eine Sicherheitstechnologie in unserer Flotte zu installieren, die auf Kameras basiert", sagte eine Amazon-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Sie bestätigte damit Berichte von US-Medien. Demnach will Amazon damit die Sicherheit seiner Fahrer erhöhen.

Die "Technologie" basiere auch auf Künstlicher Intelligenz und gebe Warnhinweise in Echtzeit an die Fahrer, während diese auf der Straße unterwegs seien. Studien hätten gezeigt, dass auf diese Weise Unfälle reduziert werden könnten, heißt es in einem internen Video, das die Technologie vorstellt. Amazon bestätigte die Echtheit des Videos, über das Medien berichtet hatten.

Künstliche Intelligenz beobachtet aufmerksam das Geschehen

Die Kameras sind demnach mit mehreren Objektiven ausgestattet und filmen sowohl die Straße als auch den Fahrer, nehmen aber keinen Ton auf und senden auch nicht "live" - niemand könne sich einschalten und während der Auslieferungen zuhören, versicherte Amazon in dem internen Video.

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Mehrere Organisationen, die für den Arbeitsschutz im digitalen Zeitalter kämpfen, liefen Sturm gegen diese umfangreiche "Überwachung". Dies sei eine "Überwachung 2.0", heißt es in Kommentaren. Amazon müsse diese Praxis "sofort stoppen", forderte etwa die Organisation "Fight for the Future". Der US-Kongress müsse zudem eine umfangreiche Untersuchung der Überwachungstätigkeiten des Konzerns einleiten.

Der Internethändler hat eine gigantische Macht am Markt

Amazon ist in den USA der zweitgrößte Arbeitgeber. Das Unternehmen beschäftigt dort mehr als 800.000 Menschen. Regelmäßig gibt es Kritik an den als außerordentlich miserabel bezeichneten Arbeitsbedingungen. Vor allem in Deutschland gibt es immer wieder Streiks und vor allem Forderungen nach höheren Löhnen und einem Tarifvertrag. (afp/apa/red)