Rohstoffe

Türkische Kriegsschiffe blockieren Gasbohrungen vor Zypern

Seit vier Jahrzehnten hält die Türkei den gewaltsam annektierten Nordteil der von Griechen bewohnten Insel Zypern besetzt. Mit dem Fund riesiger Gasvorkommen vor der zypriotischen Küste eskaliert der Konflikt wieder - gegen internationales Recht und die territoriale Souveränität des Inselstaates.

Die Spannungen zwischen Nikosia und Ankara wegen der geplanten Suche nach Erdgasvorkommen unter dem Meeresboden vor Zypern dauern an.

Den vierten Tag in Folge hinderten am Dienstag nach Angaben der Regierung in Nikosia türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff daran, ein Erkundungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen.

Fadenscheinige Begründung Ankaras - höfliche Mahnungen aus Brüssel

Am Vorabend hatte der EU-Ratspräsident Donald Tusk die Türkei aufgefordert, die Blockade aufzugeben und die territoriale Souveränität Zyperns zu achten. Es gelte von Bedrohungen und jeglichen anderen Handlungen Abstand zu nehmen, die eine gute Nachbarschaft schädigten, hieß es.

Die türkische Kriegsmarine führt seit einer Woche umfangreiche Manöver südlich von Zypern durch, die bis zum 22. Februar andauern sollen. Ankara argumentiert, Bohrungen nach Erdgas ohne Zustimmung der türkischen Zyprioten missachteten deren Rechte.

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Nordteil der Insel seit 1974 von der Türkei militärisch besetzt

Nach dem Einmarsch des türkischen Militärs ist Zypern seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die gesamte Inselrepublik ist seit 2004 EU-Mitglied.

Die Regierung in Nikosia kontrolliert aber nur den Südteil der Insel. Ankara erkennt das EU-Land Zypern nicht an. Das EU-Regelwerk gilt demnach nur im überwiegend griechisch-zypriotischen Südteil der Insel. Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns waren im Juli 2017 an einem Streit um die Zukunft der 35.000 türkischen Soldaten im Norden der Insel gescheitert.

Riesige Erdgasvorkommen in der Nähe der zypriotischen Küste

Vor wenigen Tagen sind unter dem Meeresboden rund 60 Seemeilen südlich der zypriotischen Hafenstadt Paphos sind Erdgasvorkommen entdeckt worden. Dies teilte der Energieminister des Landes, Giorgos Lakkotrypis, vergangene Woche im zypriotischen Fernsehen mit. Das Erdgas sei von "exzellenter Qualität", sagte er.

Auch das italienische Energieunternehmen Eni, dessen Techniker die Bohrungen in eine Tiefe von knapp 4.000 Meter durchführte, bestätigte den Fund.

Über die Menge der Vorkommen machten aber weder der zypriotische Energieminister noch Eni Angaben. Es sei noch mehr Forschungen notwendig, hieß es. Die Funde zeigten jedoch, dass die Vorkommen südlich von Zypern einem riesigen Erdgasvorkommen nördlich von Ägypten ähneln könnten, hieß es. Dort wird bereits Erdgas gewonnen.

Experten vermuten, dass insgesamt 75 Billionen Kubikfuß Erdgas unter dem Meeresboden südlich von Zypern lagern. Zur Förderung fehlt es auf Zypern aber an der nötigen Infrastruktur. Angepeilt wird der Bau eines Flüssiggas-Werkes nahe der Hafenstadt Larnaka. (dpa/apa/red)

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